Nationalgalerie schaut auf eigene Bestände

Hello world - der globale Blick

Wer bestimmt, was Kunst ist? Welche Kunstwerke werden gekauft und gezeigt? "Hello World" wirft einen kritischen Blick auf die Sammlung der Nationalgalerie und ihrer vorwiegend westlichen Ausrichtung. Die Schau im Hamburger Bahnhof läuft noch bis 26. August.

Ausstellungsansicht „Hello World. Revision einer Sammlung“ / AgoraHamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, 2018

"Hello World": Blick in die Ausstellung

Foto: Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Thomas Bruns

Die Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin umfasst heute insgesamt fünf Häuser: Alte und Neue Nationalgalerie, das Museum Berggruen, die Sammlung Scharf-Gerstenberg und das Museum für Gegenwart (Hamburger Bahnhof). Was die Museen erworben haben und welche Sicht auf die Kunst andere Kulturen sich daran abzulesen ist, geht die Schau "Hello World" im Hamburger Bahnhof nach, aktuell passend zu einem wachsenden weltoffeneren Verständnis des Kunstbegriffs.

Der europäische Blick in den Sammlungen

Der Zusatz zum Titel "Revision einer Sammlung" macht deutlich, worum es geht. Der europäische Blick auf die Welt wird in Frage gestellt. Wie sähe die Sammlung heute aus, hätte ein weltoffeneres Verständnis ihre Entstehung geprägt? Die 200 Werke plus 150 Leihgaben weiterer Berliner Museen haben der Direktor der Nationalgalerie Udo Kittelmann und sein Team interner und externer Kuratorinnen und Kuratoren in dreizehn thematischen Kapiteln über die gesamte Ausstellungsfläche verteilt.

Keine lineare Entwicklungsgeschichte

Die Exponate sind eben nicht nach indigenen Völkern oder anderen kolonialisierten Kulturen zusammengestellt. Im Abschnitt "Ein Paradies erfinden" hängen exotische Gemälde aus dem Zeitalter des Imperialismus bis zu Werken von Walter Spies, der durch sein Leben und Arbeiten auf Bali bekannt wurde. Im Kapitel "Vorfahren und Nachfahren. Bildkulturen Nordamerikas" stehen Werke zeitgenössischer Künstler aus Nordamerika im Dialog mit Werken der New Yorker Avantgarde mit ihrem Bezug zur indigenen Bildkultur Nordamerikas.

Brüche in der Sammlungsgeschichte

Deutlich werden die prägenden, komplexen Brüche der Sammlung, die umfangreichen Bestände - vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart - waren politische und kulturelle Rahmenbedingungen unterworfen. Die Teilung Deutschlands führte zu unterschiedlichen Sammelschwerpunkten in Ost und West.

Begegnung der Kulturen auf Augenhöhe

Kernpunkt bleibt aber die Revision eines auf einzelne Völker und damit doch wieder hierarchischen Blicks. So bietet die Schau über die Kritik des Kulturimperialismus hinaus einen Blick über den Tellerrand. Im Fokus stehen Momente von transnationalem Austausch, von künstlerischer Zusammenarbeit und Grenzgängen.

Bleibt die Frage: Wie kann die Nationalgalerie die hier vorgestellten, kuratorisch vielstimmigen Entwürfe zum Umgang mit den Beständen künftig weiterentwickeln, um dem weltweiten künstlerischen Austausch gerecht zu werden? In Zukunft werden verstärkt nicht-westliche Akteure – Künstler, Kuratoren und Theoretiker – die museale Praxis mitgestalten. Die Frage des Umgangs mit Kunst anderer Völker, auch im kolonialen Kontext, ist hochaktuell. Das betrifft neue Konzeptionen wie beim Humboldt Forum ebenso wie bestehende Sammlungen.

Initiative "Museum Global" der Kulturstiftung des Bundes

Dass Museen die eigene Sammlungsgeschichte reflektieren und ihre moderne Kunst in eine globale Perspektive rücken, unterstützt der Bund. Über das Programm "Museum Global" der Kulturstiftung des Bundes fördert die Kulturstaatsministerin entsprechende Projekte der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Düsseldorf, der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin, des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main und des Lenbachhauses München. Auch "Hello World" - mit 800.000 Euro.

Die Ausstellung Hello World" läuft bis zum 26. August. Es gibt ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Performances, Workshops, Diskussionen, Konzerten, Künstlergesprächen und Führungen.

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