Hightech-Strategie

Gute Ideen sind teuer

Das Bundeswirtschaftsministerium hat 2009 ein neues Forschungsprogramm für die Fahrzeug- und Verkehrstechnologien verabschiedet. 300 Millionen Euro fließen in Projekte aus allen Verkehrsbereichen.

Flüssiges Polyurethan wird in die Hohlräume des Schotters gegossen. Probestrecke Flüsterschiene bei Uelzen für BMS.

Ideen für leiseren Verkehr

Foto: Frenzel Bau

„Wenn die Idee nicht so gut wäre, hätten wir das Geld nicht in das Projekt investiert“, sagt Siegfried Meuresch, Referatsleiter im Bundeswirtschaftsministerium. Immerhin hat sein Ministerium allein eine halbe Million Euro in das Durflex-Projekt gesteckt. Profitiert haben davon auch zwei mittelständische Unternehmen, die Firmen Hennecke und Frenzel-Bau.

Staatliche Anschubhilfe

Die gute Idee für den Schienenbau hätten sie nicht allein zur Marktreife bringen können. Zwar klingt der Gedanke, Kunststoff in den Schotter von Schienenwegen zu spritzen, einfach. Allerdings lässt sich die Idee nicht mit ein paar Gleisarbeitern mit Sprühflaschen umsetzen. Erforderlich für die Umsetzung des Plans in die Realität war eine umfangreiche Apparatur, die sich auf einen Eisenbahnwagen montieren lässt. Große Behälter mit chemischen Zutaten sind notwendig, ebenso Misch- und Temperieranlagen. Schließlich muss eine Pumpe den fertigen Kunststoff in flüssiger Form durch ein kompliziertes System in den Schotter pumpen.

Damit aus der Erfindung ein markttaugliches Produkt wurde, waren staatliche Fördermittel erforderlich – die sich langfristig rechnen. Gelingt es nämlich, Bahnunternehmen von dem neuen Verfahren zu überzeugen, entstehen Arbeitsplätze und beträchtliche Steuereinnahmen schließen sich an. Gerade der deutsche Mittelstand ist auf derartige Hilfen zur Umsetzung von Innovationen angewiesen.


Wichtigste Branchen in Deutschland

Die Verkehrsbranche ist für die Bundesrepublik Deutschland von enormer wirtschaftlicher Bedeutung. Die Automobilindustrie und die Logistik sind mit dem Handel die drei umsatzstärksten Branchen. Die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Mobilitäts- und Verkehrssektors lässt sich mit folgenden Eckwerten charakterisieren:

  • Etwa jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland hängt direkt oder indirekt von der Automobilindustrie ab.
  • Die Bahnindustrie erlöst 53 Prozent ihres Umsatzes von 9,1 Milliarden Euro im Export.
  • Die Deutsche Bahn und der übrige öffentliche Verkehr befördern pro Jahr 9,3 Milliarden Fahrgäste.
  • Der Tourismus verzeichnet 3,4 Milliarden Tagesausflüge und Tagesgeschäftsreisen pro Jahr. Diese generieren Bruttoumsätze von 156 Milliarden Euro.
  • Der Umsatz der deutschen Logistikunternehmen betrug im Jahr 2006 circa 180 Milliarden Euro.
  • Etwa 2,6 Millionen Menschen sind – über alle Branchen gerechnet – in der Logistik tätig.
  • Die Logistikbranche liegt in der Ausbildungsbilanz der gesamten deutschen Wirtschaft an der Spitze und verfügt noch über ein zusätzliches Beschäftigungspotential von etwa 20 Prozent.

Neues Forschungsprogramm

Das Bundeswirtschaftsministerium hat 2009 ein neues Forschungsprogramm für die Fahrzeug- und Verkehrstechnologien verabschiedet. Das mit 300 Millionen Euro ausgestattete Programm verfolgt vor allem die folgenden Ziele:

  • Deutschland soll als modernste Logistikdrehscheibe Europas weiter wachsen.
  • Alternative Antriebe und Kraftstoffe und neue Energiespeicher sollen unsere Umwelt und Ressourcen schonen. Vorrangig sind Elektroantriebe und die Lösung der damit verbundenen Probleme, diese Energie zu speichern.
  • Der Verkehr soll sicherer werden.
  • Intelligente Infrastruktur und innovatives Verkehrsmanagement sollen helfen, die bestehende Infrastruktur effizienter zu nutzen.
  • Der öffentliche Personennahverkehr sowie der Personen- und Güterverkehr auf der Schiene sollen attraktiver und effizienter werden.
  • Internationale Kooperationen sollen dabei helfen, gemeinsame Probleme der Verkehrsträger Straße und Schiene zu lösen.

Flankierend erarbeitet das Bundesverkehrsministerium einen "Masterplan Güterverkehr und Logistik". Es begleitet die Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Praxis.

Unter dem Dach des Programms werden auch die Förderaktivitäten der Bundesministerien für Forschung, Umwelt und Ernährung koordiniert.

Schwerpunkt Elektromobilität

Die Bundesregierung hat mit dem zweiten Konjunkturpaket im Frühjahr 2009 Fördermittel in Höhe von 500 Millionen Euro für anwendungsorientierte Forschungsmaßnahmen im Bereich der Mobilität zur Verfügung gestellt.

Schwerpunkt dabei ist das Thema "Elektromobilität", das wesentlicher Bestandteil des Integrierten Energie- und Klimaprogramms der Bundesregierung ist. Die aus dem Konjunkturpaket II geförderten Maßnahmen sind ein Einstieg in die Umsetzung des "Nationalen Entwicklungsplans Elektromobilität", den die Bundesregierung am 19. August 2009 beschlossen hat:

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