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Richtig oder falsch?

Faktencheck zur Rente

Ost-West-Rente, Beitragsbemessungsgrenze oder Renteneintrittsalter: Die Rente ist ein komplexes Thema. Hartnäckig halten sich viele Unwahrheiten über die gesetzliche Altersversorgung. Was steckt wirklich dahinter? Die Fakten zu den häufigsten Renten-Irrtümern.

Ein alter Mann sitzt mit einem Laptob auf dem Schoß auf einem Sofa.

Rund um die Rente kursiert viel Halbwissen. Hier hat den Durchblick, wer sich gut informiert.

Foto: imago images/Westend61

Die Rentenbeiträge steigen immer weiter

Falsch! – In den vergangenen zehn Jahren ist der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung stetig gesunken. Aktuell liegt er bei 18,6 Prozent. Im Jahr 2010 waren es noch 19,9 Prozent.

Darüber hinaus garantiert das neue Rentenpaket der Bundesregierung, dass der Beitragssatz bis 2025 nicht über 20 Prozent steigen wird.

Ostdeutsche sind bei der Rente benachteiligt

Stimmt nicht! – Beschäftigte im Osten erwerben derzeit für den gleichen Beitragssatz höhere Rentenansprüche als Beschäftigte im Westen. Dennoch meinen viele, dass sie im Osten später weniger Rente bekommen. Tatsächlich ist der Rentenwert in den neuen Bundesländern niedriger als in den alten. Derzeit liegt er bei 30,69 Euro im Osten und 32,03 Euro im Westen. Allerdings werden die Ostrenten nachträglich aufgewertet – mit dem sogenannten Umrechnungsfaktor.

Beispiel: Die Angestellte Marie Müller verdient in Dresden 37.873 Euro im Jahr. Die Rentenkasse multipliziert nun dieses Einkommen mit 1,1248, dem Umrechnungsfaktor. Somit verdient sie rechnerisch – also aufgewertet - 42.600 Euro. Nach dieser Summe bemisst sich ihr Rentenanspruch.

Bis 2025 werden die Rentenwerte von Ost und West aneinander angeglichen. Dann fällt der Umrechnungsfaktor weg und alle Renten werden einheitlich berechnet.

Die Altersarmut steigt immer weiter an

Nur teilweise richtig! – Es stimmt, dass die Altersarmut steigt. Allerdings auf sehr niedrigem Niveau. Nur drei Prozent der Menschen über 65 Jahre sind davon bedroht. Laut Modellrechnungen des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik steigt die Quote bis 2030 auf insgesamt 5,4 Prozent. Umgekehrt bedeutet das: Fast 95 Prozent der Rentnerinnen und Rentner sind nicht auf staatliche Fürsorge angewiesen.

Die Bundesregierung hat sich die Bekämpfung von Altersarmut auf die Fahnen geschrieben. Im Koalitionsvertrag vereinbarten CDU/CSU und SPD, die Lebensleistung der Menschen höher anzuerkennen und die Absicherung im Alter zu stärken.

Die gesetzliche Rente sinkt immer weiter

Nein! – Die Rente jedes Einzelnen sinkt nicht. Dafür sorgt die gesetzliche Rentengarantie. Die Renten können allerdings weniger stark steigen als die durchschnittlichen Löhne. In den vergangenen fünf Jahren sind die Renten im Westen zwischen 1,67 und 4,25 Prozent und im Osten zwischen 2,5 und 5,95 Prozent angehoben worden. Im Juli 2019 sind die Renten abermals um mehr als drei Prozent gestiegen.

Abschläge entfallen, wenn Regelaltersgrenze erreicht wird

Nein! – Wer vorzeitig in Rente geht, muss Abschläge in Kauf nehmen – 0,3 Prozentpunkte pro Monat. Diese bleiben auch nach Erreichen der gesetzlichen Regelaltersgrenze bestehen. Ausnahme: Wer mindestens 45 Versicherungsjahre gearbeitet hat, muss keine Abschläge bei vorzeitigem Rentenbeginn zahlen.

Beispiel: Wer zwei Jahre früher in Rente geht, verliert insgesamt 7,2 Prozent seiner Rente – und das lebenslang.

Rentner können beliebig hinzuverdienen

Nicht ganz richtig! – Diese Regel gilt nur für Altersrentner, die bereits die Regelaltersgrenze erreicht haben. Wer vor Erreichen dieser Altersgrenze Arbeit reduzieren und Teilrente beantragen will, für den gelten Hinzuverdienstgrenzen. Ein Verdienst bis 6.300 Euro jährlich wird nicht auf die Rente angerechnet. Darüber liegende Verdienste werden zu 40 Prozent angerechnet. Geregelt ist das im Flexirentengesetz, das 2017 in Kraft getreten ist.

Achtung: Übersteigt der Hinzuverdienst zusammen mit der Altersrente das höchste beitragspflichtige Einkommen der letzten 15 Kalenderjahre, wird der übersteigende Betrag vollständig auf die Rente angerechnet. Das heißt, die übersteigende Summe wird zu 100 Prozent von der Rentenzahlung abgezogen.

Mehr zu den Möglichkeiten zum Weiterarbeiten im Rentenalter finden Sie in der aktualisierten Ausgabe des Ratgebers "Länger arbeiten".