Gentechnisch veränderte Pflanzen: Chance oder Risiko?

Maiskolben

Mais: Chance oder Risiko?

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Arno Krotzky, Direktor der Metanomics GmbH, schaut weiter in die Zukunft. Durch den Klimawandel werden wir bald auch in Europa Pflanzen benötigen, die bei größerer Hitze und Trockenheit ausreichende Erträge bringen.

Noch dringender aber ist der technologische Fortschritt für den Kampf gegen den Hunger in der dritten Welt. Aber was genau bedeutet das? Um alle Menschen der Erde so zu ernähren wie einen Mitteleuropäer, benötigten wir vier Mal die Landfläche unseres Planeten Erde. Der einzige Ausweg: Pflanzen, die durch Züchtung oder Biotechnologie größere Erträge bringen und dies bei schlechteren Böden und größerer Trockenheit.

„Mir sind biotechnologisch veränderte Pflanzen lieber, die höhere Erträge bringen, als dass wir auch noch den Rest des Regenwaldes abholzen“, meint Krotzky.

Gentechnik oder Züchtung

Pflanzenzüchtung ist streng genommen nichts anderes als Gentechnik, nur dass die Veränderung des Erbmaterials nicht künstlich herbeigeführt wird. Beispiel Wildkohl: Er hat wenig gemeinsam mit den Arten, die in den vergangenen Jahrhunderten durch Züchtung aus ihm hervorgegangen sind: Rosenkohl, Blumenkohl, Grünkohl, Rotkohl oder Spitzkohl.

Mutationen am Erbmaterial treten ständig spontan auf. Seit dem 19. Jahrhundert wählte der Mensch systematisch besonders interessante Pflanzen aus und schuf damit die derzeitige Vielfalt  Die grüne Biotechnologie erzeugt solche Mutationen künstlich und wählt dann Pflanzen mit besonders nützlichen Eigenschaften aus.

Kein Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen

Seit dem Verbot im April 2009 werden in Deutschland gentechnisch veränderte Pflanzen nicht mehr kommerziell angebaut. Fachleute aus dem Bereich der Gentechnik sind der Auffassung, dass jemand, der etwa gentechnisch veränderten Mais isst, weniger Giftstoffe zu sich als bei konventionell angebautem Mais. Beim Anbau werden weniger Pflanzneschutzmittel benötigt.

Die Bundesregierung sieht ihre Aufgabe nicht darin, Bürgerinnen und Bürgern den Verzehr ökologischer, konventioneller oder gentechnisch veränderter Pflanzen zu empfehlen. Jeder soll selbst entscheiden können. Deshalb verpflichtet das neue Gentechnikgesetz Hersteller und Händler zur Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan hat sich bereits mehrfach mit den Verantwortlichen aus Forschung und Wirtschaft Schavan zu einem Runden Tisch zur Pflanzengenetik getroffen. Sie will damit klare Signale für die Forschung in der grünen Gentechnik in Deutschland und in Europa geben, gleichzeitig aber eine faire und verantwortungsbewusste Debatte über Chancen und Risiken führen.

Zur Risikoabsicherung dienen auch Abstandsregelungen, die die Bundesregierung initiiert hat. In einem öffentlichen Standortregister kann jeder ablesen, wo gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden. Zwischen diesen Feldern und Flächen mit konventionellem Anbau muss ein Abstand von 150 Metern liegen, zu Feldern mit Bioanbau gar 300 Meter.

Nicht nur für unsere Ernährung

Gentechnisch veränderte Pflanzen sind aber auch ein Wachstumsmarkt insbesondere für die Herstellung von Rohstoffen. So soll eine biotechnologisch erzeugte Kartoffelsorte als Stärkelieferant etwa für die Verarbeitung zu Papier, Baustoffen oder Klebemitteln dienen. Als Nahrungsmittel ist sie nicht vorgesehen, auch wenn ihr Verzehr nicht gesundheitsschädlich ist.

Herkömmliche Kartoffeln enthalten zwei Bestandteile der Kartoffelstärke, die vor einer industriellen Nutzung aufwändig voneinander getrennt werden müssen. Die neue Kartoffel erzeugt nur noch einen der beiden Bestandteile. Seit Jahren läuft ein Antragsverfahren bei der EU zur Zulassung des Anbaus.

Eine weitere wichtige Aufgabe gentechnsich veränderter Pflanzen: Sie können Schadstoffe aufnehmen. So gibt es Pflanzen, die Schwermetalle aus dem Boden holen und so verseuchtes Gelände reinigen.

Sicherheit hat Vorrang

Aus Sicht des Bundesforschungsministeriums muss bei der grünen Gentechnik die Sicherheit immer mitbedacht werden. Derzeit werden in dem Forschungsprogramm zur "Biologischen Sicherheitsforschung gentechnisch veränderter Pflanzen" 29 Arbeitsgruppen mit insgesamt 10 Millionen Euro gefördert.

Dort wird weiter untersucht, welche Auswirkungen gentechnisch veränderte Pflanzen auf Umwelt, Schädlinge und nützliche Insekten haben. So wird eine wissenschaftliche Grundlage für die Sicherheit beim Umgang mit gentechnisch veränderten Pflanzen geschaffen.

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