Eine Partnerschaft für die Zukunft

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„Compact with Africa“ Eine Partnerschaft für die Zukunft

Stärkung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Afrika: So das Ziel einer Konferenz, zu der Bundeskanzler Scholz am Montag hochrangige afrikanische Vertreterinnen und Vertreter sowie enge G20-Partner und Internationale Organisationen eingeladen hat. Die Initiative „Compact with Africa“ entstand 2017 unter deutscher G20-Präsidentschaft.

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Bundeskanzler Olaf Scholz empfängt Abiy Ahmed, Ministerpräsident von Äthiopien.

Ankunft der afrikanischen Staats- und Regierungschefs am Sonntag: Bundeskanzler Olaf Scholz empfängt Abiy Ahmed, Ministerpräsident von Äthiopien, im Bundeskanzleramt.

Foto: Bundesregierung/Denzel

Worum geht es beim „G20 Compact with Africa“?

2017 rief Deutschland als G20-Präsidentschaft den „G20 Compact with Africa“ (CwA) ins Leben. Die Idee: Die G20 arbeitet im CwA mit reformorientierten afrikanischen Partnern eng zusammen an einem gemeinsamen Ziel: Durch Verbesserungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den CwA-Ländern fließen mehr ausländische (Privat-)Investitionen in diese Länder.

Unterstützt werden die CwA-Länder dabei von der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds und der Afrikanischen Entwicklungsbank. Damit entstand ein einzigartiges multilaterales Partnerschaftsformat, von dem alle Beteiligten profitieren können. Mittlerweile hat sich der CwA als zentrales Format der Zusammenarbeit zwischen der G20 und afrikanischen Partnern fest etabliert – und trägt dabei auch der gewichtigen Rolle Afrikas in einer immer stärker multipolaren Welt Rechnung.

Die Staats- und Regierungschefinnen und -chefs der G20 bekräftigen bei ihren Gipfeln regelmäßig ihre Unterstützung für den CwA, zuletzt bei ihrem Treffen in Delhi am 9./10. September 2023. Gemeinsam mit Südafrika leitet Deutschland die im G20-Finanzministerprozess verankerte „G20 Africa Advisory Group“, in der sich die afrikanischen Partner und G20-Mitglieder mehrmals im Jahr hochrangig zum Fortschritt des CwA austauschen.

Was bewirkt der CwA?

Regelmäßig analysieren die internationalen Organisationen den wirtschaftlichen Fortschritt der Compact-Länder in sogenannten Monitoringberichten. Der Blick auf die Zahlen des aktuellen Berichts zeigt: CwA-Länder – reformbedingt offener für Handel und ausländische Direktinvestitionen – konnten sich im Vergleich zu den anderen afrikanischen Staaten überdurchschnittlich stark von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie erholen.

Im vergangenen Jahr lag das Wirtschaftswachstum der CwA-Länder etwa doppelt so hoch wie das der afrikanischen Nicht-CwA-Länder, der Zuwachs am Export von Gütern und Dienstleistungen war in den CwA-Ländern fast vier Mal so hoch. Die Entwicklung ist höchst dynamisch: 2022 gelang den CwA-Ländern eine Versechsfachung der Ankündigungen ausländischer Direktinvestitionen im Vergleich zum Vorjahr.

Grafik trägt die Überschrift: Unsere Zusammenarbeit mit afrikanischen Ländern. Darunter: Länder, die beim Compact with Africa mit uns zusammenarbeiten, haben mehr Wirtschaftswachstum als andere afrikanische Staaten.

Foto: Bundesregierung

Welche Länder gehören dem CwA an?

Das Interesse am CwA ist ungebrochen. Zu den bisher zwölf Compact-Staaten Ägypten, Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Côte d’Ivoire, Ghana, Guinea, Marokko, Ruanda, Senegal, Togo und Tunesien ist erst kürzlich die Demokratische Republik Kongo als 13. Mitglied neu hinzugekommen. Und weitere reformorientierte Staaten haben ihr Interesse an einem Beitritt bekundet: Auch Angola, Kenia und Sambia sitzen deshalb bei der CwA-Konferenz in Berlin bereits mit am Tisch.

Weshalb fand eine Konferenz statt?

Die persönliche Begegnung der beteiligten Staats- und Regierungschefinnen und -chefs ist unersetzlich für das Gelingen großer multilateraler Initiativen. Die regelmäßigen CwA-Konferenzen auf höchster Ebene – in diesem Jahr bereits zum fünften Mal – waren von Beginn an ein zentrales Element des CwA: Die Bundesregierung schafft damit ein einzigartiges Format für den direkten Austausch aller beteiligten Akteure.

Neben der Diskussion zu einigen Kernthemen des CwA blieb hier auch viel Raum für wichtige bilaterale Gespräche zwischen den Staaten – und für den vertraulichen Austausch zu den großen Fragen unserer Zeit. Der CwA wird von der gesamten Bundesregierung getragen; neben dem Bundesfinanzminister und dem Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz nahmen auch die Bundesministerin des Auswärtigen sowie die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung an der CwA-Konferenz beziehungsweise den begleitenden Veranstaltungen teil und trugen zu ihrem Erfolg bei.

Wer war dabei?

Auch wenn die CwA-Länder im Fokus stehen: Die Konferenz lenkte insgesamt den Blick auf unseren Nachbarkontinent Afrika. Deshalb hatte der Bundeskanzler neben CwA-Ländern und Beitrittsinteressenten auch alle weiteren afrikanischen G20-Teilnehmer 2023 eingeladen. Das sind neben den G20-Vollmitgliedern Afrikanische Union und Südafrika auch die aktuellen afrikanischen G20-Gastländer. Außerdem folgten der Einladung des Bundeskanzlers nach Berlin die beteiligten internationalen Organisationen sowie weitere enge G20-Partner.

Was stand am 20. November auf dem Programm?

Der 20. November wartete mit einem vollen Programm für die internationalen Gäste auf: Bereits um 9 Uhr begann auf Einladung der Subsahara-Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft im JW Marriott der „G20 Investment Summit“. Hier trafen sich hochrangige deutsche und afrikanische Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Politik, um sich zur grundsätzlichen Vertiefung ihrer gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen, aber auch zu ganz konkreten gemeinsamen Projekten auszutauschen. Der Bundeskanzler hielt die Eröffnungsrede.

Am Nachmittag begann die CwA-Konferenz auf Einladung des Bundeskanzlers im Bundeskanzleramt. Ganz oben auf der Agenda der beiden Arbeitssitzungen standen hier die Themen „Stärkung der Privatinvestitionen“ und „Zusammenarbeit im Bereich nachhaltiger Energieversorgung“. Zudem lud der Bundespräsident die afrikanischen Staats- und Regierungschefinnen und -chefs ins Schloss Bellevue ein.

Bundesfinanzminister Christian Lindner tauschte sich bei einem Mittagessen mit seinen Amtskolleginnen und -kollegen aus den eingeladenen Staaten aus: Neben der Verbesserung der Rahmenbedingungen zur Steigerung von Privatinvestitionen sowie der Mobilisierung inländischer Ressourcen waren auch Verschuldungsfragen und insbesondere die weitere Stärkung des G20 Common Framework Gegenstand des Austausches.

Die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Svenja Schulze, traf sich mit 40 jungen Unternehmerinnen und Unternehmern aus 16 afrikanischen Ländern bei der Konferenz „Shaping the Future with Africa: Young Entrepreneurship as Key to a Just Transition“. Die Unternehmerinnen und Unternehmer präsentierten ihre Empfehlungen zur Stärkung der Rolle von Start-ups für die Schaffung von Jobs und für die Gestaltung einer sozial-ökologischen Transformation.

Welche konkreten Ergebnisse gab es?

Neben der wertvollen persönlichen Begegnung der zentralen Akteure des CwA hatte die Konferenz aber natürlich vor allem auch ein Ziel: konkrete Ergebnisse. Jenseits des alten Geber-Nehmer-Schemas geht es hier um Kooperationen zum beidseitigen Nutzen und für eine gemeinsame nachhaltige Zukunft. Afrika ist zentraler Partner, wenn es um die Intensivierung der wirtschaftlichen Beziehungen und den Weg in eine klimaneutrale Zukunft geht. Dieses Potenzial kann nur durch umfassende private Investitionen gehoben werden.

Stärkung der Privatinvestitionen

Im Bereich „Stärkung der Privatinvestitionen“ hat die Bundesregierung mit ihrer kürzlich beschlossenen Diversifizierungsstrategie bereits vorgelegt: Für Direktinvestitionen in bestimmte Staaten gelten von nun an günstigere Garantiekonditionen. Das gilt grundsätzlich und explizit auch für die CwA-Länder und soll dazu dienen, Lieferketten zu diversifizieren und damit resilienter zu machen. Letzteres gilt auch für eine engere Zusammenarbeit bei der nachhaltigen Gewinnung und lokalen Weiterverarbeitung von Rohstoffen, bei der die Bundesregierung der Maxime folgt: Partnerschaft und Wertschöpfung vor Ort statt Extraktivismus.

Im besonderen Fokus stehen dabei Rohstoffe, die für die grüne Transformation der Wirtschaft grundlegend sind. In diesem Kontext unterstützt die Bundesregierung auch die G7-Finanzministerinitiative „Partnership for RISE“ in Zusammenarbeit mit der Weltbank, die auf die Unterstützung von Schwellen- und Entwicklungsländern bei der Stärkung der Lieferketten abzielt, und arbeitet an konkreten Instrumenten zur Erhöhung der Produktionskapazitäten im In- und Ausland.

Anknüpfen kann die Bundesregierung zudem an die erfolgreichen Initiativen „Africa Connect“ und „Africa Grow“, attraktive Finanzierungsangebote sowohl für deutsche und europäische Unternehmen als auch für kleine und mittlere afrikanische Unternehmen und Start-ups. Die von der Bundesregierung unterstützte Versicherungsagentur African Trade and Investment Development Insurance (ATIDI), die Finanzprodukte zur Absicherung von kommerziellen und politischen Risiken in Afrika anbietet und grenzüberschreitenden Handel sowie auch ausländische Direktinvestitionen befördert, bleibt ein wichtiges Instrument.

Deutsche Exporteure und Investoren können die Produkte von ATIDI in Ergänzung zu den Hermes-Deckungen nutzen, um neue wachstumsstarke Märkte in Afrika zu erschließen. Außerdem stärkt die Bundesregierung ihr vielfältiges Unterstützungsangebot, um die Einstiegsschwelle für Unternehmen in die CwA-Märkte zu reduzieren; das Auslandsmesse- und Managerfortbildungsprogramm, Verwaltungspartnerschaften, das Wirtschaftsnetzwerk Afrika und ein expandierendes Netzwerk der Auslandshandelskammern bieten ganz konkrete praktische Unterstützung. Schließlich unterstützt Bundesregierung auch die EU-Konnektivitätsinitiative „Global Gateway“, die mit dem EU-Afrika-Investitionspaket 150 Milliarden Euro für nachhaltige Infrastrukturinvestitionen in Afrika mobilisieren soll.

Zusammenarbeit im Bereich nachhaltiger Energieversorgung

Viele afrikanische Länder, darunter auch CwA-Länder, haben exzellente Potenziale für erneuerbare Energien. Daraus ergeben sich Möglichkeiten für eine nachhaltige Industrialisierung und für die wettbewerbsfähige Erzeugung von grünem Wasserstoff, der Energie der Zukunft. Deutschland und viele weitere hoch entwickelte Industrieländer hingegen werden perspektivisch einen Großteil ihres Bedarfs an grünem Wasserstoff über Importe decken müssen.

Vor diesem Hintergrund bietet sich vielen afrikanischen Partnern die Chance, an dem rasch wachsenden weltweiten Wasserstoffmarkt frühzeitig teilzuhaben und insbesondere auch vor Ort eigene Wasserstoffwertschöpfungsketten für eine nachhaltige Entwicklung zu etablieren.

Die CwA-Konferenz sollte daher einen Startschuss für die gestärkte und langfristig angelegte Zusammenarbeit im Bereich nachhaltiger Energieversorgung darstellen, und für den Export von grünem Wasserstoff und Derivaten von Afrika nach Deutschland und Europa. Anknüpfen kann Deutschland dabei unter anderem an die „Africa-EU Green Energy Initiative“, die auch ein breites Portfolio im Bereich grüner Wasserstoff umfasst und für die von der CwA-Konferenz ein weiterer Schub ausgehen soll.

Durch ein Zusammenwirken öffentlicher und privater Investitionen soll über diese Initiative der Ausbau erneuerbarer Energien in Afrika massiv vorangetrieben werden – für die lokale Energiewende, die industrielle Entwicklung Afrikas und den Export. Auch mit dem PtX-Entwicklungsfonds und weiteren Angeboten unterstützt die Bundesregierung unter anderem CwA-Staaten dabei, lokale Wasserstoffwirtschaften und deren Wertschöpfungsketten aufzubauen.