Europäische Batterie-Allianz

EU bündelt Kräfte für Batterieproduktion

Um den europäischen Batteriemarkt für E-Autos wettbewerbsfähig zu machen, plant die EU eine europäische Allianz. Dies kündigte EU-Energie-Kommissar Sefcovic an. Für die Bundesregierung ist "die Batterie der neue Motor und die Batteriezellproduktion eine der zentralen Zukunftsfragen für den Standort Europa".

Ein Arbeiter fertigt elektrische Antriebsmodule für Hybrid- und Elektroautos.

Die EU will den Aufbau von Fabriken zur Produktion leistungsfähiger Batterien für Elektroautos fördern.

Foto: picture alliance / AP Images / Matthias Schrader

Batterien sind die Schlüsseltechnologie der Energiewende, die Batteriezellproduktion eine der zentralen Zukunftsfragen für den Standort Europa. Der Markt für Elektroautos wächst, die Nachfrage nach innovativen, effizienten Energiespeichern steigt.

Rund 90 Prozent der in Europa verwendeten Batterien für Elektroautos kommen bislang aus Asien. Europa will diesen Rückstand auf dem wachsenden Batteriemarkt für Elektroautos und Energiespeicher durch Konzentration auf umweltfreundliche Technik aufholen.

EU gründet Europäische Batterie-Allianz

Bis 2025 wird der Markt für Batterien bei 250 Milliarden Euro im Jahr liegen, schätzt die EU-Kommission. Deshalb räumt sie der Herstellung von Batterien hohe Priorität ein. "Wir wollen nicht nur auf unserem eigenen Markt wettbewerbsfähig sein, sondern weltweit", bekräftigte EU-Energie-Kommissar Sefkovic in Brüssel. Hierzu werde bei einem Treffen mit Industrievertretern Ende Februar in Brüssel eine Europäische Batterie-Allianz verabschiedet.

Der Zusammenschluss bündelt künftig nach dem Vorbild des Flugzeugbauers Airbus die europäischen Kapazitäten für die Produktion leistungsfähiger Energiespeicher und entwickelt die Technik insgesamt weiter. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung und Herstellung sogenannter "grüner Batterien". Hier soll schon bei der Planung der nachhaltige Umgang mit Rohstoffen ebenso berücksichtigt werden wie die Wiederverwertung.  

Am ersten Brüsseler Batterieforum im Oktober 2017 nahmen rund 40 Unternehmen, Verbände und Regierungsvertreter aus einigen EU-Staaten teil. Inzwischen beteiligen sich rund 80 Partner. Unter den Konzernen befanden sich Volkswagen, Daimler, Renault, BMW, BASF und Siemens. Seitdem werden in mehreren Arbeitsgruppen Themen wie Lieferketten, Finanzierung, Forschung und Handelsfragen beraten. 

Wettbewerbsfähige Produktion ist zentrale Zukunftsfrage

Der Autoexperte Professor Ferdinand Dudenhöfer geht davon aus, dass im Jahr 2030 jeder dritte Neuwagen ein Elektroauto sein wird. Für die deutschen Unternehmen sei es deshalb von großem Interesse, mit den Herstellern in Asien oder Amerika auf Augenhöhe zu kommen. "Entscheidend ist das Know-how", sagte er der dpa Ende November. Auf dem Weg zu Elektroautos setzt daher auch die Bundesregierung auf die Herstellung von Hochleistungsbatterien. "Die Batterie ist der neue Motor und die Batteriezellproduktion eine der zentralen Zukunftsfragen für den Standort Europa", sagte der Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Matthias Machnig, dem Handelsblatt Mitte Februar.

Die Bundesregierung fördert Forschung und Entwicklung zu Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien seit den 1980er Jahren. Seit 2006 wurden die einzelnen Maßnahmen im Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennzellenztechnologie (NIP) gebündelt. Ziel der zweiten Phase des NIP (2016 bis 2026) ist es, die Wasserstoff- und Brennzellen-Technologie bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts wettbewerbsfähig im Verkehrssektor und Energiemarkt zu etablieren. 

„Wenn Deutschland Premiumhersteller bleiben will, brauchen wir eine eigenständige Fertigung von Batteriezellen, forderte Machnig bereits beim ersten Batteriegipfel der EU im Oktober 2017 in Brüssel. Die europäischen Firmen müssten über nationale Grenzen hinweg zusammenarbeiten. Autobauer dürften sich nicht von Zulieferern abhängig machen, warnte Machnig.

Finanzierung sichern

Heimische Autohersteller und ihre Zulieferer scheuen bisher das Risiko, Milliardensummen in den Aufbau einer eigenen Produktion von Batteriezellen zu investieren. Die Kosten werden auf etwa 20 Milliarden Euro geschätzt. Diese Beträge könnten bei der derzeit noch geringen Zahl an Elektrofahrzeugen kaum erwirtschaftet werden, so Vertreter der Branche.

Um dem steigenden Bedarf an Batterien für Elektroautos gerecht werden zu können, müssen Autobauer und Zulieferer zahlreiche große Produktionsstätten aufbauen. Laut EU-Kommissar Sefkovic müssten diese bis 2025 100 Gigawattstunden Produktionskapazität bereitstellen. Welche Maßnahmen zu diesem Zweck aus EU-Mitteln finanziert werden sollen, wird die EU-Kommission Anfang Mai in einem Aktionsplan darlegen.

Für die neue EU-Haushaltsperiode ab 2021 stellte EU-Kommissar Sefkovic bereits mehr Mittel aus der EU-Forschungsförderung in Aussicht. EU- und nationale Fördermittel sollten kombiniert und von der beihilferechtlichen Prüfung ausgenommen werden. Damit will die Kommission erreichen, dass die Mitgliedstaaten den Batteriesektor in einem gewissen Umfang unterstützen dürfen.

Horizon 2020 ist das weltweit finanzstärkste Förderprogramm für Forschung und Innovation. Über die Laufzeit von sieben Jahren (2014-2020) stehen rund 80 Milliarden Euro zur Verfügung. Ziele von Horizon 2020 sind, nachhaltiges Wachstum und zukunftsfähige Arbeitsplätze in Europa zu schaffen. Bezahlbare Energieversorgung ist einer der Schwerpunkte des Programms.

Pilotprojekte fördern, Arbeitnehmer qualifizieren

Weitere Prioritäten der Batterie-Allianz seien die Vereinfachung der Genehmigungsverfahren für den Abbau von Rohstoffen für die Batterien, sowie die Entwicklung von Standards für Produktion, Software, Sicherheit und Recycling.

Die EU prüfe die Nutzung von Finanzmitteln für Pilotprojekte und die Qualifizierung von Beschäftigten. Bei Umschulung und Weiterbildung gibt es laut Industrie einen Bedarf für 300.000 bis 400.000 Arbeitnehmer.

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