Kulturfonds Energie startet im Februar 2023

Energie-Hilfen für die Kultur Kulturfonds Energie startet im Februar 2023

Auch der Kulturbereich ist von den gestiegenen Energiepreisen massiv betroffen. Um Kultureinrichtungen und –veranstalter bei der Bewältigung der Krise zu unterstützen, stellt der Bund bis zu eine Milliarde Euro für gezielte Hilfen bereit. Auf Antrag von Kulturstaatsministerin Roth hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages jetzt die notwendigen Mittel dafür entsperrt. Im Februar 2023 soll der Kulturfonds Energie an den Start gehen.

Alte Nationalgalerie im Dunklen

Viele Kulturbetriebe haben bereits mit großem Einsatz für erhebliche Energieeinsparungen in ihren Einrichtungen gesorgt.

Foto: picture alliance / dpa | Christophe Gateau

Nachdem die Corona-Krise den Kulturbetrieb weitgehend zum Erliegen und viele Kreative in existenzielle Notlagen gebracht hat, drohen mit den gestiegenen Energiepreisen neue Herausforderungen auch für Kultureinrichtungen und -veranstalter. Selbst die gedeckelten Energiekosten sind für sie aus eigener Kraft häufig nicht zu stemmen.

„Wir brauchen als Gesellschaft die Kultureinrichtungen gerade jetzt in dieser Zeit sich überlagernder Krisen“, betont Kulturstaatsministerin Claudia Roth. „Denn sie bewahren und zeigen nicht nur unsere Kulturgüter, sie sind auch Bildungseinrichtungen und wichtige soziale Orte des gesellschaftlichen Austauschs. Ob Museum, Theater, Kino, Opernhaus oder Club – sie alle leisten einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs in einer damit gestärkten, lebendigen Demokratie.“

Eine Milliarde für Kultureinrichtungen und -veranstalter

Um den Kultursektor mit gezielten Hilfsmaßnahmen zu unterstützen und gerade in der Krise flächendeckend kulturelle Angebote sicherzustellen, stellt die Bundesregierung bis zu eine Milliarde Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) bereit. Das hatten Bund und Länder bereits am 2. November 2022 beschlossen. Nachdem der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages im Auftrag von Kulturstaatsministerin Roth am 25. Januar 2023 das Konzept für den Kulturfonds Energie gebilligt und die erste Tranche in Höhe von 375 Millionen Euro entsperrt hat, ist nun der Weg für die Hilfen frei. Im Februar 2023 soll das Programm starten.

Der Kulturfonds Energie soll Belastungen abgefedern, denen Kultureinrichtungen und Kulturveranstaltende trotz Steuererleichterungen und Energiekosteneffekten ausgesetzt sind. Dazu wird der Mehrbedarf zur Deckung der Energiekosten anteilig bezuschusst. Das Programm richtet sich an private und öffentlich-rechtliche Kultureinrichtungen sowie Kulturveranstalter, sofern sie ticketfinanzierte Kulturveranstaltungen in geschlossenen Räumen durchführen, die nicht selbst als Kultureinrichtung förderfähig sind. Weitere Informationen finden Sie hier.

Der Kulturfonds Energie wird als Bund-Länder-Kooperation umgesetzt, aufbauend auf den bewährten Strukturen des Sonderfonds des Bundes für Kulturveranstaltungen. Administrativ betreut wird das Programm von den Kulturministerien der Länder. 
Vor Programmstart werden die Länder gemeinsam mit dem Deutschen Kulturrat zu einer Online-Informationsveranstaltung für interessierte Kultureinrichtungen und Kulturveranstaltende einladen. 

Energiesparen weiterhin großgeschrieben

Zugleich sind Kultureinrichtungen angesichts der drohenden Gas- und Energiekrise weiterhin dazu aufgerufen, Energie zu sparen. „Jeder muss einen Beitrag leisten“, so die Kulturstaatsministerin. Wo und wie der Energieverbrauch im Einzelnen reduziert werden kann, ist je nach Sparte und Einrichtung genau zu prüfen. Museen und Bibliotheken stehen dabei vor ganz anderen Herausforderungen als Theater und Konzerthäuser, Kinos oder Clubs.

Neben der Reduktion ihres Energieverbrauchs sind die Einrichtungen auch angehalten, zeitnah Krisenpläne zu erarbeiten. Ziel ist es, auch im Fall von Notfallszenarien Schließungen möglichst zu vermeiden. 

Das Team des SicherheitsLeitfaden Kulturgut hat im Auftrag der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien  Empfehlungen zur Energieeinsparung und Notfallplanung Energiekrise für Kultureinrichtungen erstellt. Sie richten sich an kleine und große Kulturgut bewahrende Einrichtungen, wie Museen, Bibliotheken und Archive, und geben ihnen praxisnahe Hinweise für den Fall eines Gasnotstands an die Hand.

Leitfäden und Checklisten für einen ressourcenschonenderen Kulturbetrieb finden Sie auf unserer Themenseite zu Nachhaltigkeit in Kultur und MedienTipps zum Energiesparen für Unternehmen und Privathaushalte hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) auf der Kampagnenseite 80 Millionen gemeinsam für Energiewechsel zusammengestellt.

Der Deutsche Bühnenverein hat eine Checkliste mit Handlungsempfehlungen insbesondere für die Kommunikation mit Energieversorgern veröffentlicht. Sie kann in den Darstellenden Künsten, aber auch in anderen Kulturbereichen Unterstützung bieten. Nicht nur an Museen wenden sich auch die Praktischen Handlungsempfehlungen zur Energieeinsparung des Deutschen Museumsbundes. Dieser hat angesichts der drohenden Energieknappheit außerdem neue Richtlinien für die Museumsklimatisierung erarbeitet.

Energiespartipps für Kinos hat der Kinoverband HDF Kino e.V. zusammengestellt. Der Deutsche Bibliotheksverband hat neben Handlungsempfehlungen zum Energiesparen auch eine Handreichung publiziert, die darlegt, wie sich die Anpassung klimatischer Bedingungen zum Energiesparen auf Bibliotheksbestände auswirkt. Der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare hat Empfehlungen zur Energieeinsparung erarbeitet, die die speziellen Anforderungen von Archiven berücksichtigen. An Kommunalarchive und ihre Träger richtet sich eine Handreichung der Bundeskonferenz der Kommunalarchive.

Dass ein fest verankertes Risiko- und Krisenmanagement in Kulturgut bewahrenden Einrichtungen ein zentraler Baustein in der Krisenvorsorge ist, hat die Arbeitsgruppe Notfallvorsorge Kulturgut in einem Positionspapier dargelegt. Darin skizziert sie auch zentrale Schritte für den Auf- oder Ausbau eines umfassenden Risiko- und Krisenmanagements.

Roth: Kultur kann Vorbild sein

Zahlreiche Einrichtungen sind bereits mit positivem Beispiel vorangegangen und haben Maßnahmen zum Energiesparen ergriffen. Eine Auswahl in Bildern aus BKM-geförderten Einrichtungen sowie weiteren Kulturprojekten:

Informationsaustausch auf mehreren Ebenen

Um Kulturinstitutionen mit Blick auf die geforderten Energieeinsparungen gezielt zu unterstützen, hat die Kulturstaatsministerin zudem frühzeitig einen Informationsaustausch auf mehreren Ebenen initiiert. Mitte Juli kamen Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen vom Bund geförderten Kultureinrichtungen zu einem Arbeitsgespräch im Bundeskanzleramt zusammen.

Am 4. August hat Claudia Roth das Thema bei einem Treffen mit den Kulturministerinnen und -ministern der Länder sowie dem Präsidenten der Bundesnetzagentur erörtert. Bund und Länder vereinbarten hier eine verstärkte Zusammenarbeit. Eine Ad hoc-Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Bund, Ländern, kommunalen Spitzenverbänden sowie Kulturverbänden hat inzwischen gemeinsame Empfehlungen erarbeitet.

Diese wurden von der Kulturstaatsministerin, den Kulturministerinnen und –ministern der Länder sowie den kommunalen Spitzenverbänden bei einem Treffen am 21. September verabschiedet. Sie enthalten auch Hinweise für den besonders sensiblen Bereich des Kulturgutschutzes. Falls eine Gasnotlage eintritt, sollen die Empfehlungen dabei helfen, Einrichtungen zu identifizieren, die Kulturgut von großer Bedeutung für das kulturelle Erbe bewahren. 

Weiterführende Informationen:
FAQ zum Notfallplan Gas (BMWK)
Szenarien für die Gasversorgung in Deutschland  (Bundesnetzagentur)

Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 26.01.2023.