Ausstellung zum Kunstfund Gurlitt in Berlin

Eindringliches Bild der NS-Kunstpolitik

In der Ausstellung "Bestandsaufnahme Gurlitt. Ein Kunsthändler im Nationalsozialismus" sind 200 Werke aus dem Kunstfund Gurlitt nun auch in Berliner Gropiusbau zu sehen. Die Kulturstaatsministerin erklärte zur Eröffnung, die Ausstellung sei "eine aktuelle Standortbestimmung unseres Bemühens um Aufklärung."

Ausstellungseröffnung Gurlitt in der Bundeskunsthalle

Die Bundeskunsthalle zeigt im Gropiusbau erstmals Werke des Kunstfund Gurlitt in Berlin.

Foto: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH/Benjamin Westhoff

In der Doppelausstellung "Bestandsaufnahme Gurlitt" haben die Bundeskunsthalle Bonn und das Kunstmuseum Bern vier Monate lang ausgewählte Werke aus dem Kunstfund gezeigt. Dritte Station der Werkschau ist nun der Martin-Gropius-Bau in Berlin.

Dort präsentieren die Bundeskunsthalle Bonn und das Kunstmuseum Bern bis zum 7. Januar 2019 rund 200 Objekte aus dem Nachlass Gurlitt.

Die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn - auch bekannt als Bundeskunsthalle - ist eines der besucherstärksten Museen in Deutschland. Sie zeigt regelmäßig Wechselausstellungen mit bedeutsamen Kunst- und Kulturgütern. Das Museum ist eine Einrichtung des Bundes und wird zu 100 Prozent aus dem Haushalt der Kulturstaatsministerin gefördert.

Ausstellung zeigt eindringliches Bild der NS-Kunstpolitik

Lag der thematische Schwerpunkt in Bern auf Werken der sogenannten "Entarteten Kunst", stand in Bonn das Schicksal derjenigen Menschen im Fokus, die hinter den geraubten Werken stehen, im Fokus.

In Berlin zeichnet die von Rein Wolfs und Agnieszka Lulinska kuratierte Ausstellung zudem den Lebensweg des NS-Kunsthändlers Hildebrand Gurlitts nach.

Zur Eröffnung der Ausstellung machte Kulturstaatsministerin Grütters deutlich, dass es sich bei dieser dritten Ausstellung zum Kunstfund Gurlitt um eine "aktuelle Standortbestimmung unseres Bemühens um Aufklärung und Transparenz" handele. "Sie zeigt erstmals Werke aus beiden bisherigen Ausstellungen und zeichnet ein eindringliches Bild der NS-Kunstpolitik und der furchtbaren Schicksale der Opfer", so Grütters.

Der Wahrheit auf den Grund gehen

Die Ausstellung mache einmal mehr auch die Schwierigkeiten bei der Provenienzforschung deutlich: "Sie sensibilisiert dafür, wie mühsam, langwierig und ungeheuer schwierig es ist, die Herkunft eines Kulturguts über Jahrzehnte zurück zu verfolgen", betonte Grütters. "So ist die 'Bestandsaufnahme Gurlitt' denn auch kein Schlusspunkt der Aufarbeitung, sondern ganz im Gegenteil: ein Ausgangspunkt, von dem aus mehr Forschende als bisher mit besserem Rüstzeug als bisher der Wahrheit auf den Grund gehen können."

Bei insgesamt sechs Werken des Kunstfunds Gurlitt wurde bislang der NS-verfolgungsbedingte Entzug eindeutig festgestellt. Vier von ihnen konnten bereits restituiert werden. Im Zuge der Erforschung des Kunstfunds wurden auch 18 weitere Werke aus dem Bestand von Benita Renate Gurlitt (1935-2012) untersucht. Vier dieser Werke sind demnach der jüdischen Familie Deutsch de la Meurthe in Paris NS-verfolgungsbedingt entzogen worden. Der derzeitige Eigentümer hat sich als einer der ersten Privatpersonen den Washingtoner Prinzipien verpflichtet und ist zur Restitution der Werke bereit. Die Werke sind als Teil der aktuellen Ausstellung in Berlin zu sehen.

Aufarbeitung des NS-Kunstraubs verdient jede Anstrengung

Grütters dankte allen beteiligten Provenienzforscherinnen und -forschern für ihre engagierte Arbeit. "Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem aus Israel, den USA, Polen, Österreich und Frankreich haben großartige Pionierarbeit sowohl bei der Erforschung des Kunstfunds Gurlitt als auch bei der Aufarbeitung des NS-Kunstraubs geleistet. Ein enormer Fortschritt ist es, dass die Taskforce international einheitliche Darstellungsformen für die Provenienzforschung und deren Ergebnisse geschaffen hat. All das gab es zuvor so nicht."

Die "Bestandsaufnahme Gurlitt" sei kein Schlusspunkt der Aufarbeitung, fuhr die Kulturstaatsministerin fort: "Ganz im Gegenteil: sie ist ein Ausgangspunkt, von dem aus mehr Forschende als bisher mit besserem Rüstzeug als bisher der Wahrheit auf den Grund gehen können. Mag Wiedergutmachung auch jenseits unserer Möglichkeiten liegen, so verdient doch auf jeden Fall die Aufarbeitung des NS-Kunstraubs jede nur mögliche Anstrengung."

Der Martin-Gropius-Bau als Ausstellungshalle des Bundes zeigt in Berlin regelmäßig Wechselausstellungen in den Bereichen Moderne Kunst, Fotografie, Kulturgeschichte und Archäologie. Träger des Gropius-Baus sind die Berliner Festspiele als Teil der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH (KBB). Die KBB erhält insgesamt eine jährliche Förderung der Kulturstaatsministerin von rund 28 Millionen Euro.

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