Neue Ausstellung im Stasi-Unterlagen-Archiv

Einblick ins Geheime

Fotos, Filme, Objekte - und mehr als 100 Kilometer Akten: Welche persönlichen Daten sammelte und speicherte die Staatssicherheit? Wie arbeitete der umfassende Überwachungsapparat der DDR? Das zeigt seit zwei Wochen die neue Dauerausstellung der Stasi-Unterlagenbehörde: "Einblick ins Geheime".

Ausstellung zum Stasi-Unterlagen-Archiv.

Anschauliche Geschichtsvermittlung: Blick in die Ausstellung "Einblick ins Geheime".

Foto: BStU

Seit dem 17. Juni präsentiert die Stasi-Unterlagenbehörde im ehemaligen Stasi-Zentrum in Lichtenberg ihre neue Dauerausstellung "Einblick ins Geheime". Den ersten Rundgang zur Eröffnung am 65. Jahrestag des DDR-Volksaufstandes übernahm Roland Jahn, der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, selbst. Über vier Stockwerke sollen insbesondere junge Menschen einen Einblick davon gewinnen, wie das Ministerium für Staatssicherheit funktionierte.

Akten, Akten, Akten

Im Eingangsbereich türmt sich ein Aktenberg. Eine Skulptur aus sieben Stapeln, 2,40 Meter hoch aus 420 Einzelakten, aus Gips nachmodelliert und fixiert. Die Skulptur soll eine emotionale Brücke schlagen zu den Schriftstücken des Stasi-Unterlagen-Archiv, so die Idee. Denn zwischen den unzähligen, unscheinbar anmutenden Aktendeckeln sind nämlich ebenso viele Schicksale dokumentiert. Anschaulich wird das Kapitel der deutschen Geschichte aufgearbeitet, mit großformatigen Fotos, einem original Karteischrank und einer begehbaren Akte.

Das Hinterlassene dient zur Aufarbeitung

Akten und Karteikarten waren die wichtigsten Grundlagen für die Arbeiten der Staatssicherheit und sind auch heute die Basis für die Aufarbeitung und Dokumentation. Nach dem Mauerfall 1989, retteten Einwohner und Bürgerrechtler einen großen Teil der Papiere vor dem Reißwolf.

So verfügt die Stasi-Unterlagenbehörde heute über insgesamt 111 Kilometer Akten, 41 Millionen Karteikarten, 5700 Karteikästen, 1,8 Millionen Fotos, 24.000 Tonaufzeichnungen zur Überwachung der Bevölkerung. Bis zu ihrer Auflösung im März 1990 arbeiteten die Mitarbeiter weiter an aktiven Vorgängen und überwachten die gesellschaftliche Entwicklung. Und sie zerstörten Dokumente. 16.000 Säcke mit zerrissenen Papieren sind noch erhalten.

Heute ein "Lernort der Demokratie"

Blick in die Ausstellung "Einblick ins Geheime".

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn (l.), und der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, Christian Hirte.

Foto: BstU/Mulders

Ein Symbol für die Akribie des MfS ist die enorme Menge an Karteikarten mit unterschiedlichsten Informationen, von banalen Abläufen des Alltags bis zu intimen Einzelheiten. Systematisch wurden Daten gesammelt und strukturiert erfasst. Bei Bedarf wurde auf die gespeicherten Informationen zurückgegriffen.

"Die Akten sind ein Monument des Datenmissbrauchs und eine Mahnung, auch heute sensibel mit Daten umzugehen", sagte der Bundesbeauftrage für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn. Er will, dass die Unterschiede zwischen Diktatur und Demokratie sichtbar gemacht werden, weshalb dieser historische Ort als weiteren Lernort der Demokratie dienen soll. Jahn zufolge: "Der Ort der Repression und der friedliche Revolution wird nun immer mehr zum Ort der Aufklärung über Diktatur und Widerstand."

Beeindruckende Einzelschicksale

Der jetzige Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde weiß, wovon er spricht. Roland Jahn gehörte in der DDR zur Opposition, der Bürgerrechtler wurde mehrfach verhaftet und blieb auch nach seiner Zwangsausweisung aus der DDR im Visier der Staatssicherheit. Die Ausstellung beleuchtet weitere Einzelschicksale, so von Ulrike Poppe, Nikolaus Becker und Gilbert Furian.

"Ich musste laut lachen"

Die Akte des heute 73-jährigen Furian, der damals noch Radulovic hieß, ist als begehbares Dokument in der Ausstellung zu sehen. 1985 wurde er als Autor einer "staatsfeindlichen Hetzschrift" verhaftet und zu 26 Monaten verurteilt. In einer Broschüre hatte er auf Gespräche mit Ost-Berliner Punks zusammengefasst.

Um eine solche Vergangenheit präsent zu halten, erzählt Radulovic seit 1999 in der Gedenkstätte Hohenschönhausen über seine Erlebnisse als damaliger DDR-Bürger. Als "kleines Licht" glaubte er sich nie auf dem Radar der Stasi. Einmal war er in einer Frau aus der Gruppe "Frauen für den Frieden" verliebt, ansonsten gehörte er nie einer oppositionellen Gruppe. Doch die Staatssicherheit überwachte selbst seinen Schlaf. Als Furian das in den Akten las, musste er laut lachen. "Die haben wirklich alles aufgeschrieben. Das war wie Kabarett!"

Die Ausstellung ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, am Wochenende von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Die Kulturstaatsministerin fördert die Ausstellung.

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