Flüchtling im Bundesfreiwilligendienst

Ein gutes Jahr für die Integration

"Ich arbeite gerne hier", mit diesen Worten beschreibt Ahmad Hallak seine Zeit als Bundesfreiwilliger. Der junge Syrer arbeitet seit einem Jahr im Kulturhaus "Alte Schule" im brandenburgischen Woltersdorf. Zeit für ein Resümee.

Ahmad und die Vorsitzende des Kulturvereins, Katrin Fleischer, malen zusammen ein Werbebanner für ein Konzert.

Katrin Fleischer (rechts) freut sich, dass Ahmad Hallak aus Syrien (Mitte) ihren Verein als Bufdi unterstützt hat.

Foto: Judith Affolter

Konzerte vorbereiten, Einkaufen, Bühne und Technik aufbauen, Getränke für die Bar bereitstellen – das sind nur einige von Ahmads Hallaks Aufgaben im Kulturverein "Alte Schule" in Woltersdorf. Seit Februar 2016 ist er bei jedem Konzert, jeder Buchlesung und Ausstellungseröffnung, aber auch bei regelmäßigen Treffen mit anderen Flüchtlingen dabei.

Insgesamt arbeitet Hallak 25 Stunden wöchentlich. Seine Arbeitszeit beginnt am Nachmittag, denn vormittags hat er Deutschunterricht. Nach einem Jahr – jetzt im Februar 2017 - läuft sein Vertrag aus. Eine gute Gelegenheit, zurückzublicken.

Kontakte geknüpft

So vielfältig wie die Angebote des Vereins, so unterschiedlich sind auch die Erfahrungen, die Hallak in diesem Jahr machen konnte. Er möge Konzerte am meisten, stellt er fest. Ob Klavier- oder Rockkonzerte – alles gefalle ihm. Doch was am wichtigsten sei: "Hier habe ich immer Kontakt zu den Deutschen." Denn wo er wohne, da habe er ausschließlich arabische Freunde. Nur hier könne er deutsch sprechen.

Für Hallak ist klar: Wenn er seinen Bundesfreiwilligendienst beendet hat, will er sich ganz auf das Deutschlernen konzentrieren. Sein Ziel: eine Ausbildung, die mit IT und Autos zu tun hat. Gerne hätte er seinen Vertrag verlängert, aber das ist nicht möglich. Dennoch: "Die Alte Schule will ich weiter besuchen! Die Leute sind freundlich. Ich fühle mich wohl."

Beide Seiten gewinnen

Nicht nur für Ahmad Hallak war es eine erfolgreiche Zeit. Auch die Vorsitzende des Kulturvereins, Katrin Fleischer, ist sehr zufrieden. "Ahmad hat das gut gemacht! Er ist extrem zuverlässig und uns eine echte Unterstützung", stellt sie fest.

Der Verein Alte Schule hat mehr als einhundert Mitglieder und einen dicht gefüllten Veranstaltungskalender. Fleischer freut sich über jeden, der anpackt. Veranstaltungen könne Hallak komplett selbständig vorbereiten, erklärt Fleischer. Er sehe, welche Aufgaben gemacht werden müssen und nehme sie in Angriff.

Auch Elke Winkler ist begeistert. Sie ist in der "Alten Schule" die direkte Ansprechpartnerin für Hallak. Viele Aufgaben erledigen die beiden gemeinsam oder in Absprache miteinander. Sie möge, wie bereitwillig er jede Art von Arbeit übernehme, ob Abwaschen oder Stühle rücken, erklärt Winkler.

Mehr Deutschkurse nach dem Bufdi

Schade sei nur, dass die Verständigung manchmal noch schwierig ist, räumt die Vereinsvorsitzende ein. Die bisher absolvierten Sprachkurse reichten nicht aus. Insofern sei es prima, dass er sich ab Februar ganz auf das Deutschlernen konzentrieren könne.  

Fleischer freut sich darauf, dass Ahmad Hallak nach seiner aktiven Zeit die "Alte Schule" weiter besuchen will: "Für Ahmad ist es im Februar nicht vorbei. Für ihn bleibt die Tür weiter offen." Auch der privat organisierte Deutschunterricht im Kulturzentrum gehe weiter.  

Anderen Mut machen

Von den guten Erfahrungen Hallaks profitieren auch andere Flüchtlinge. Er spricht viele an, raus aus den Heimen zu gehen und Projekte in der "Alten Schule" zu besuchen.

Ahmad Hallak (Mitte) im Gespräch mit anderen Flüchtlingen.

Hallak ist auch Ansprechpartner für andere Flüchtlinge, die ins Kulturhaus kommen.

Foto: Judith Affolter

Denn das Kulturhaus bietet vieles: vom Sprach- und Kochkurs, über Ortserkundungen, einen Theaterkreis bis hin zu Gesprächsrunden über Religion und Ethik. Zu Weihnachten feierten Mitglieder und Flüchtlinge gemeinsam, beim Dorffest packten alle an.

Fleischers Resümee: "Es lohnt sich auf jeden Fall einen Flüchtling im Bundesfreiwilligendienst einzustellen." Hallak sei eine große Hilfe in dem Verein, der nur von Ehrenamtlichen getragen wird, die vielfach berufstätig sind.

Umgekehrt habe der syrische Flüchtling durch seine Arbeit viele neue Kontakte knüpfen können. So wurde er beispielsweise eingeladen, mit einer deutschen Familie Weihnachten zu feiern. Gemeinsam mit Winkler hat er auch verschiedene Lehrgänge besucht. Das Erlernte wird er auch künftig gut gebrauchen können, wie die Kenntnisse aus dem Erste-Hilfe-Kurs.

Tipps für Vereine

Einige Ratschläge kann die Vorsitzende des Kulturvereins anderen Initiativen geben, die ebenfalls Flüchtlinge als Bundesfreiwillige einstellen wollen. "Eine enge Betreuung ist unbedingt notwendig", sagt sie. Es gehe nicht nur darum, dass die Flüchtlinge meist noch nicht gut Deutsch sprechen. "Man muss detailliert zeigen, welche Tätigkeiten gemacht werden müssen und wie diese auszuführen sind." Es braucht viel Zeit.

Die deutschen Unterstützer müssten laut Fleischer vor allem eines mitbringen: Geduld. Die Flüchtlinge seien zwar neugierig und aufgeschlossen - aber da alles für sie "Neuland" sei, bräuchten sie länger Zeit, sich zurechtzufinden.

Nachfolger gesucht

Motiviert von den guten Erfahrungen mit Ahmad Hallak will der Verein möglichst im Februar einen neuen Flüchtling im Bundesfreiwilligendienst einstellen. "So kann Ahmad den neuen Bufdi noch einarbeiten", sagt Fleischer. Es gibt bereits Interessenten, zum Beispiel einen jungen Mann aus Afghanistan. Weitere Bewerber sind herzlich willkommen.

Die Bundesregierung hat im Dezember 2015 das Sonderprogramm "Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug" mit bis zu 10.000 neuen Stellen ins Leben gerufen. Der Dienst muss entweder einen Bezug zur Flüchtlingshilfe haben oder er kann durch Flüchtlinge selbst geleistet werden. Flüchtlinge können den Dienst auch in regulären Bereichen leisten - zum Beispiel in einem Pflegeheim oder Sportverein. Für das Programm gelten einige Sonderregelungen. Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben stellt alle Informationen als Download bereit. Dort gibt es auch eine Stellenbörse.