Kunstfund Gurlitt

Doppel-Ausstellung findet große Resonanz

In der Doppelausstellung "Bestandsaufnahme Gurlitt" haben die Bundeskunsthalle Bonn und das Kunstmuseum Bern vier Monate lang ausgewählte Werke aus dem Kunstfund gezeigt. Die Bundeskunsthalle Bonn zählte mehr als 150.000 Besucher. Im September sind die Werke im Martin-Gropius-Bau in Berlin zu sehen.

Gurlitt-Ausstellung, Gurlitt, Ausstellung, in der Bundeskunsthalle

Gurlitt-Ausstellung in der Bundeskunsthalle

Foto: David Ertl/Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Unter dem Titel "Bestandsaufnahme Gurlitt. Der NS-Kunstraub und die Folgen" wurden Werke des Kunstfunds bis vergangene Woche in der Bonner Bundeskunsthalle und im Kunstmuseum Bern ausgestellt.

Schwerpunkt in Bonn: das System des NS-Kunstraubs

Mit mehr als 150.000 Besuchern in vier Monaten war die Schau in Bonn eine der besucherstärksten der Bundeskunsthalle. Die Gäste kamen aus ganz Deutschland, viele auch aus dem Ausland. Die 100.000. Besucherin etwa war eine US-Amerikanerin. In Bonn wurde das System des NS-Kunstraubs, dessen Folgen und die Geschichte der Opfer beleuchtet.

Der spektakuläre Kunstfund Gurlitt hatte 2012 für weltweites Aufsehen gesorgt. Picasso, Chagall und Matisse: 1.500 Werke wurden aus dem Besitz von Cornelius Gurlitt, dem Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, als mögliche Raubkunst beschlagnahmt. Darunter befanden sich Gemälde, Zeichnungen und Drucke weltbekannter Künstler. Der Schwerpunkt der Ausstellung in der Bundeskunsthalle lag auf NS-verfolgungsbedingt entzogener "Raubkunst", deren Herkunft noch nicht abschließend geklärt werden konnte.

Breites Begleitprogramm

250 Werke aus dem Nachlass Gurlitts wurden in Bonn erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Interesse war groß. Es gab allein rund 1.300 Führungen. Sehr gut besucht waren auch die begleitenden Veranstaltungen und Gespräche über den Umgang der Bundesrepublik mit dem Thema Raubkunst, über die Opferperspektive, den Kunsthandel in der NS-Zeit oder über Restitution in Museen. Öffentliche Themensprechstunden, zum Beispiel zum NS-KFZ-Raub, zur Sammlung Hitlers oder zur Provenienzforschung wurden mit bis zu je 350 Teilnehmern sehr gut angenommen.

Ausgangspunkt für weitere Forschung

Gurlitt-Ausstellung, Gurlitt, Ausstellung, in der Bundeskunsthalle

Innenansicht der Ausstellung in Bonn

Foto: David Ertl/Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Die Ausstellungsmacher legten großen Wert auf Transparenz der Vermittlung. Es war ihr Anspruch, die Herkunft zu jedem ausgestellten Objekt zu erläutern. Das machte auch deutlich, wie schwierig und zugleich wichtig die Provenienzforschung ist. Das Ausstellungskonzept war gewissermaßen ein Motor für die Provenienzforschung. Kulturstaatsministerin Monika Grütters sieht es als Erfolg, "dass die Aufarbeitung des Kunstfunds Gurlitt das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung der Provenienzforschung deutlich gestärkt hat".

Kulturstaatsministerin Grütters hat die Gelder für Provenienzforschung deutlich erhöht, von 2 auf 6,5 Millionen Euro. Sie ist Schirmherrin beider Ausstellungen.

"Entartete Kunst" in Bern

Auch beim Kunstmuseum Bern herrschte großer Andrang. Allein in den ersten beiden Monaten kamen fast 80.000 Kunstinteressierte. Das Haus in der Schweizer Hauptstadt zeigte rund 160 Werke aus dem Bestand Gurlitts. Die meisten waren als "entartete Kunst" in deutschen Museen beschlagnahmt worden. Cornelius Gurlitt hatte seinen Bestand überraschend dem Schweizer Kunstmuseum vermacht.

Von Bonn nach Bern und Berlin

Ab 19. April wird die Bonner Ausstellung im Kunstmuseum Bern gezeigt. Beide Häuser konzipieren gemeinsam eine neue Ausstellung, die dann im Martin-Gropius-Bau in Berlin präsentiert wird: vom 14. September 2018 bis 7. Januar 2019.

Die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn - auch bekannt als Bundeskunsthalle - ist eines der besucherstärksten Museen in Deutschland. Sie zeigt regelmäßig Wechselausstellungen mit bedeutsamen Kunst- und Kulturgütern. Das Museum ist eine Einrichtung des Bundes und wird zu 100 Prozent aus dem Haushalt der Kulturstaatsministerin gefördert. Im vergangenen Jahr feierte das Museum sein 25-jähriges Bestehen und konnte auf eine Besucherzahl von mehr als 610.000 Interessierten im Jubiläumsjahr zurückblicken.

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