"Die Menschen nicht alleine lassen"

Engagement in Corona-Zeiten "Die Menschen nicht alleine lassen"

Generationen verbinden, Vorurteile abbauen und Menschen zusammenbringen, die sich ansonsten kaum begegnen: Das sind Ziele der Ehrenamts-Initiative "Die Platte lebt" in Schwerin. Auch im aktuellen Lockdown lässt der Verein die Stadtteilbewohner nicht allein.

Vier Mädchen stehen lachend zusammen.

Junge Bewohnerinnen der Schweriner Plattenbausiedlung. "Die Platte lebt e. V." ist Preisträger des Deutschen Ehrenamtspreises in der Kategorie "Generationen verbinden".

Foto: Uli Sailor/Deutscher Engegement Preis

Auch in den Schweriner Plattenbaugebieten ist es im Moment eine sehr ruhige Zeit. Steffen Mammitzsch hat dennoch alle Hände voll zu tun. "Ich kann nicht einfach nur dasitzen und abwarten. Ich packe lieber an und stelle zusammen mit anderen etwas auf die Beine", sagt der Vorsitzende des Vereins "Die Platte lebt". Das liege nun einmal in seinem Naturell.

Weihnachtsaktion im Lockdown

Gemeinsam mit 64 anderen ehrenamtlich Engagierten kümmert er sich auch im aktuellen Lockdown um die Menschen in den Schweriner Stadtteilen Großer Dreesch, Neu Zippendorf und Mueßer Holz. "Zu Weihnachten haben wir Karten geschrieben und vielen selbstgebackene Kekse vorbeigebracht", erzählt Mammitzsch.

Oft sitzt er auch am Telefon, hört aufmerksam zu, plaudert über den derzeitigen Alltag - und macht Mut. "Es ist wichtig, die Menschen gerade im Moment nicht alleine zu lassen. Ich sage immer wieder, dass wir Geduld haben müssen und gemeinsam durch diese Zeit gehen", betont der Vereinsgründer. Auch wenn die meisten noch optimistisch eingestellt seien - vielen drücke die Einsamkeit schon auf das Gemüt, gerade den Älteren oder Alleinlebenden. Umso wichtiger sei es, vor allem zu ihnen den Kontakt nicht zu verlieren.

Einsatz für ein gutes Miteinander

Bis zum ersten Lockdown im Frühjahr war es für die Bewohner der Schweriner Plattenbausiedlungen ein Leichtes, sich mit anderen zu treffen und die Zeit gemeinsam zu verbringen – auch dank des Vereins "Die Platte lebt". Seit 2004 fördert er das soziale und kulturelle Miteinander und schafft Möglichkeiten zur Begegnung von Jung und Alt, von Einheimischen und Zugewanderten.

Die Initiative "Die Platte lebt" wurde im Dezember mit dem Deutschen Engagementpreis ausgezeichnet. Seit 2009 werden damit Menschen und Projekte geehrt, die sich im Ehrenamt für ihre Mitmenschen einsetzen. Ziel ist es, das ehrenamtliche Engagement zu würdigen und mehr Menschen dafür zu begeistern. Förderer ist unter anderem das Bundesfamilienministerium. Bundesweit waren dieses Jahr 383 Projekte in sechs Kategorien nominiert. Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 35.000 Euro vergeben.

Zu den ersten spektakulären Projekten gehörte das Jugendfestival "Rock in da Block". Später kamen Aktionen wie "Sauber ist cool", eine Kochschule für Kinder, Sprach- und Nachhilfekurse, Sommerfeste oder Lesungen hinzu. Im Vereinstreff gab es Diskussionen mit "Ost-West-Paaren". Kitas der Stadtteile nehmen über ein Netzwerk an dem Projekt "Haus der kleinen Forscher" teil: Auf spielerische Weise wird hierbei das Interesse von Mädchen und Jungen für Mathematik und Naturwissenschaften geweckt.

Großes Engagement für Integration

Auch Aktionen gegen Rechts und zum Thema Menschenrechte sowie das Kümmern um Flüchtlinge und Asylbewerber gehörten zum Alltag in der Geschichte der Ehrenamts-Initiative. Dafür wurde der Verein mit dem Integrationspreis der Stadt Schwerin geehrt.  

"Menschen zusammenbringen, die sonst kaum miteinander zu tun haben, ist uns ein besonderes Anliegen", berichtet Mammitzsch. "Wenn die Leute miteinander statt übereinander reden, hilft das, Vorurteile abzubauen. Mal über den Tellerrand zu schauen stärkt das gegenseitige Verständnis".

"Ehrenamt ist wichtige Säule der Gesellschaft"

Nach mehr als 16 Jahren im Verein freut sich Mammitzsch vor allem darüber, dass viele Menschen in den Stadtteilen ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt hätten. Auch die vielen anderen Vereine und Initiativen, mit denen "Die Platte lebt" zusammenarbeitet, zögen an einem Strang. "Wichtig ist nur, dass man das Ehrenamt nicht als so nebensächlich wahrnimmt“, zeigt sich Mammitzsch überzeugt. "Das Ehrenamt ist eine wichtige Säule in unserer Gesellschaft, das gewürdigt werden muss."

Dementsprechend waren Mammitzsch und seine Mitstreiter von der Auszeichnung mit dem Engagementpreis sehr angetan. Zeit zum Ausruhen bleibt der Initiative aber nicht. Vereinsgründer Mammitzsch greift wieder zum Handy, um im Lockdown "Leute zum Durchhalten zu motivieren".