Interview mit Deutschlands "Super-Azubi"

Das Wichtigste für den Erfolg? "Der Spaß an der Arbeit"

Thomas Oldsen aus Niedersachsen ist bester Auszubildender Deutschlands 2019. Für seine herausragenden Ergebnisse bei den Prüfungen zum Isolierfacharbeiter und zum Industrie-Isolierer wurde er gleich doppelt ausgezeichnet. Wie er mit der Ehrung umgeht und was ihm an seiner Ausbildung besonders gut gefallen hat, erzählt der 20-Jährige im Interview.

Thomas Oldsen, ein junger Mann im Hemd und mit hellblonden Haaren, lächelt in die Kamera.

Thomas Oldsen hat in seinen Ausbildungen eine Arbeit mit Sinn gefunden.

Foto: BMBF/Rickel

Wie fühlen Sie sich als Deutschlands "Super-Azubi"?

Thomas Oldsen: Ich habe mich natürlich wahnsinnig darüber gefreut! Es ist eine gewisse Belohnung für das, was man geschafft hat. Insgesamt macht mich die Auszeichnung schon stolz. So ganz kann ich es allerdings bis heute noch nicht fassen. Meiner Familie und meinen Freunden geht es ähnlich. Sie sind auch noch ein wenig ungläubig. Denn dass ich ganz gut abschneiden kann, damit habe ich ein Stück weit gerechnet. Aber nicht, dass es so gut läuft. Denn extrem viel habe ich eigentlich gar nicht gelernt.

Was machen eigentlich ein Isolierfacharbeiter und ein Industrie-Isolierer?

Oldsen: Das sind zwei Ausbildungen, die aufeinander aufbauen. Normalerweise dauert die Ausbildung zum Isolierfacharbeiter zwei Jahre und die zum Industrie-Isolierer ein Jahr. Ich konnte beide jeweils um ein halbes Jahr verkürzen. Man arbeitet in großen Industrieanlagen, beispielsweise in Raffinerien oder Kraftwerken. Überall dort, wo es kalt und gleichzeitig warm ist, muss eine wirkungsvolle Dämmung angebracht werden. Und außerdem eine Ummantelung, damit die Dämmung nicht kaputt geht.

Wie liefen denn die Prüfungen genau ab?

Oldsen: Ich musste jeweils einen theoretischen und einen praktischen Teil lösen. In der Theorie ging es um technisches Zeichen, technische Mathematik, Politik und Fachkunde. Und bei den praktischen Prüfungen musste ich eine Wärme- und eine Kältedämmung herstellen. Dafür hatte ich ein Rohrmodell zur Verfügung, das ich so dämmen musste, dass technisch alles einwandfrei war und es auch optisch gut aussah. Und anscheinend ist mir das ganz gut gelungen.

Warum haben Sie sich eigentlich nach dem Abitur für eine duale Berufsausbildung entschieden? Sie hätten ja auch studieren können.

Oldsen: Das stimmt natürlich. Ich wollte aber nach der Schule unbedingt erst einmal etwas Praktisches und Handwerkliches machen. Außerdem ist es natürlich auch ein netter Nebeneffekt, erst einmal etwas Geld zu verdienen. Auf die Isolierthematik bin ich ehrlich gesagt zufällig gekommen. Ich war auf einer Messe und fand den Bereich dann sehr spannend.

Vor allem während der Ausbildung ist mir bewusst geworden, wie wichtig und sinnvoll meine Arbeit ist. Man fördert den Umweltschutz und die Nachhaltigkeit, und das ist schon sehr motivierend. Außerdem bietet die Branche eine gute Zukunftsperspektive. Das ist mir auch sehr wichtig.                  

Was war für Sie das Spannendste während Ihrer Ausbildung?  

Oldsen: Highlight war auf jeden Fall ein vierwöchiges Auslandspraktikum in Südafrika. Gemeinsam mit einem anderen Azubi habe ich in Durban beim Bau eines Kindergartens geholfen. Das war gar nicht so leicht, weil das Gebäude zuerst ziemlich heruntergekommen war. Aber es hat funktioniert. Und das zu erleben und daran mitwirken zu können, war eine tolle Erfahrung.

Abgesehen von der praktischen Erfahrung - was haben Sie aus der Zeit in Südafrika mitgenommen?

Oldsen: Auf alle Fälle eine gewisse Demut. Wir haben in Durban in einem Township gewohnt, in einer ganz einfachen Unterkunft. Dort ist das normal. Und wenn man hierhin zurückkommt, stellt man fest, in welchem großen Überfluss wir hier leben. Und mit wie viel weniger die Menschen dort in den Townships jeden Tag auskommen müssen.    

Welchen Tipp können Sie anderen jungen Leuten geben, die eine Ausbildung machen möchten? Was ist das Wichtigste für den Erfolg?

Oldsen: Ganz klar der Spaß an der Arbeit. Denn wenn man Freude an seiner Aufgabe hat, kann man sich natürlich auch besser motivieren, sich mal wieder an den Schreibtisch zu setzen. Mir ging es auch mal so, dass ich einen schlechten Tag und keine Lust zum Lernen hatte. Aber wenn man grundsätzlich motiviert ist, kann man das schneller überwinden. Außerdem fand ich den Kontakt zu Kollegen und anderen Auszubildenden wichtig. Da hilft man sich gegenseitig, aus einem kleinen Tief wieder rauszukommen.  

Wie geht es jetzt bei Ihnen weiter?  

Oldsen: Ich studiere jetzt im ersten Semester in Hamburg Verfahrenstechnik. Das baut sehr gut auf meine Ausbildungen auf. Denn jetzt lerne ich, wie die Anlagen, die ich früher gedämmt habe, technisch von innen funktionieren. Das ist dann ein ganz anderer Blick. Mein Ziel ist es, später vielleicht in der Projektentwicklung zu arbeiten. Das Ganze läuft so ähnlich wie ein duales Studium, nur dass ich meine Ausbildung schon gemacht habe.

Während der vorlesungsfreien Zeit kann ich bei meinem früheren Ausbildungsbetrieb mitarbeiten und mich schon mit den Bereichen Bauleitung und Projektplanung vertraut machen. Das macht großen Spaß. Wichtig ist mir, jetzt nach den erfolgreichen Ausbildungen auch das Studium so gut wie möglich hinzubekommen.

Thomas Oldsen ist einer von 206 Auszubildenden, die vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) für ihre Bestleistungen ausgezeichnet wurden. In einem feierlichen Rahmen nahmen die Azubis in Berlin Urkunden und Pokale entgegen. Auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek gratulierte den besten Auszubildenden des Jahres.    

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