Franz-Hessel-Preis 2014

Deutsch-französischer Literaturpreis verliehen

Zwei Autorinnen haben in diesem Jahr den Franz-Hessel-Preis erhalten. Ausgezeichnet wurden die Deutsche Esther Kinsky und die französische Schriftstellerin Christine Montalbetti. Kulturstaatsministerin Grütters und Frankreichs Kulturministerin Pellerin verliehen den Preis in Berlin.

Kulturstaatsministerin Grütters bei der Verleihung des Franz-Hessel-Preies 2014

Kulturstaatsministerin Grütters mit den Preisträgerinnen und Frankreichs Kulturministerin Pellerin (v.l.n.r.)

Foto: Bundesregierung/Schacht

Verständigung, Austausch und das Finden von Gemeinsamkeiten - dafür steht der deutsch-französische Franz-Hessel-Preis.

"Die feste Überzeugung, dass Kultur Räume der Verständigung und des Verstehens eröffnen kann, oft auch dort, wo Politik an ihre Grenzen stößt - das ist das Vermächtnis Franz Hessels, der als Jude den Verlust der Heimat und die unmenschliche Lagerhaft hinnehmen musste, der sich aber nicht die Freiheit nehmen ließ, unsere humanistischen Werte zu verteidigen", so Kulturstaatsministerin Monika Grütters bei der Preisverleihung vor zahlreichen Gästen aus der Literatur-, Verlags- und Filmbranche.

Esther Kinsky erhielt den Franz-Hessel-Preis für ihren Roman "Am Fluss". Mit ihrem Werk stand sie im vergangenen Jahr auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. In dem Roman nimmt eine namenlose Erzählerin die Leser mit auf einen ausgedehnten Spaziergang am River Lea im Osten Londons. Hier lässt sie sie teilhaben an ihren Eindrücken, Wahrnehmungen und Erlebnissen der Vergangenheit.
Christine Montalbetti überzeugte die Jury mit "Plus rien que les vagues et le vent" ("Nichts als Wellen und Wind"): eine Geschichte über Flucht, Exil, gescheiterte Existenzen, Unglücksfälle und Naturgewalten in einem US-amerikanischen Küstendorf.

Deutsch-französisches Gemeinschaftsprojekt

Der Franz-Hessel-Preis wird seit 2010 jährlich verliehen. Ziel der Auszeichnung ist es, die zeitgenössische Literatur im jeweils anderen Land bekannter zu machen und Verlage auf interessante Werke aufmerksam zu machen. Ausgezeichnet werden immer ein deutsch- und ein französischsprachiger Autor oder Autorin, deren Werke weitestgehend noch nicht übersetzt wurden.

Franz Hessel war Schriftsteller, Übersetzer, Lektor und Kritiker (1880 bis 1941). Zeitlebens bemühte er sich um den Austausch zwischen Ländern und Menschen und machte er sich besonders um die deutsch-französischen Beziehungen verdient. Durch sein Leben und Werk ("Pariser Romanze", "Spazieren in Berlin") gilt er als Mittler zwischen beider Ländern und Kulturen. Hessel lebte in Berlin und Pari und hatte großen Einfluss auf die intellektuellen Kreise und die Kulturszenen beider Städte.

Eine unabhängige deutsch-französische Jury wählt die Preisträgerinnen und Preisträger aus. Dotiert ist der Preis mit je 10.000 Euro. Mit der Auszeichnung wird auch die Übersetzung der prämierten Werke in die jeweils andere Sprache unterstützt. Die Kulturstaatsministerin und das französische Ministère de la Culture et de la Communication finanzieren die Auszeichnung mit jeweils 25.000 Euro. Getragen wird die Preisverleihung auf deutscher Seite von der Stiftung Genshagen, auf französischer Seite von der Villa Gillet in Lyon. Die Preisverleihung findet abwechselnd in Deutschland und Frankreich statt.

Gemeinsame Werte verteidigen

Vor der Preisverleihung traf Grütters die französische Ministerin für Kultur und Kommunikation, Fleur Pellerin, zu einem bilateralen Gespräch im Kanzleramt. Themen waren Abstimmungen zum Freihandelsabkommen TTIP, deutsch-französischen Ausstellungs- und Filmkooperationen sowie die EU-Richtlinie für audiovisuelle Mediendienste. Doch vor allem stand das Gespräch im Zeichen der Verteidigung der kulturellen Freiheit und Werte nach den Terroranschlägen von Paris.

Dazu sagte Grütters später in ihrer Rede: "Die Liebe zu dieser Freiheit und die Entschlossenheit, Freiheit, Toleranz und Menschenrechte leidenschaftlich zu verteidigen, hat uns nach den furchtbaren Anschlägen von Paris auf 'Charlie Hebdo' und auf einen jüdischen Supermarkt im Echo eines millionenfachen 'Je suis Charlie!' eng zusammenrücken lassen." Die Kulturstaatsministerin versicherte, "dass Deutschland an der Seite Frankreichs steht, wo immer es darum geht, unsere gemeinsamen Werte zu verteidigen. Dafür einzustehen und zu kämpfen in aller Freiheit - das ist unser aller Anstrengung wert, und ich hoffe, dass dazu auch der deutsch-französische Franz-Hessel-Preis einen Beitrag leisten kann."

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