Umfrage unter Geflüchteten

Der Wunsch nach Bildung ist hoch

58 Prozent der Geflüchteten haben in ihrer Heimat mindestens zehn Jahre in Schule, Ausbildung und Studium verbracht. Sie teilen viele unserer Wertevorstellungen. Die meisten flüchteten aus Angst vor gewaltsamen Konflikten und Krieg. So lauten die Ergebnisse einer Studie unter 2.300 Flüchtlingen.

Farbige junge Frau vor einer Wand mit Zetteln, die deutsche Vokabeln zeigen.

Bundesarbeitsministerin Nahles: Investitionen in Spracherwerb und Qualifizierung sind der richtige Weg.

Foto: Köhler/photothek.net

58 Prozent der erwachsenen Geflüchteten haben in ihren Herkunftsländern zehn Jahre und mehr in Schule, Ausbildung und Studium verbracht. Bei der deutschen Bevölkerung sind es im Vergleich dazu 88 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Studie von IAB, BAMF und SOEP.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles stellte dazu fest: "Der Wunsch nach Bildung ist hoch und weitaus wichtiger, als wir bisher angenommen hatten. Dies bestärkt mich darin, dass unsere Investitionen in Spracherwerb und Qualifizierung der richtige Weg sind und auch den Bedürfnissen der Menschen entgegen kommen."

Viele wollen in Deutschland weiter lernen

37 Prozent der Geflüchteten besuchten eine weiterführende Schule, 31 Prozent eine Mittelschule, 10 Prozent eine Grundschule und 9 Prozent gar keine Schule. 31 Prozent waren auf Hochschulen oder beruflichen Bildungseinrichtungen, 19 Prozent erreichten einen Abschluss. Zudem konnten viele Geflüchtete berufliche Fähigkeiten durch Berufserfahrung erwerben: 73 Prozent der Geflüchteten waren vor dem Zuzug nach Deutschland erwerbstätig, im Durchschnitt 6,4 Jahre.

46 Prozent der Geflüchteten streben einen allgemeinbildenden Schulabschluss in Deutschland an, 66 Prozent einen beruflichen Abschluss.

Fluchtursachen: Krieg, Diskriminierung, Zwangsrekrutierung

Ursache für die Flucht ist am häufigsten die Angst vor gewaltsamen Konflikten und Krieg (70 Prozent). Andere politische Motive sind Verfolgung (44 Prozent), Diskriminierung (38 Prozent) und Zwangsrekrutierung (36 Prozent). Ebenfalls häufig werden schlechte persönliche Lebensbedingungen (39 Prozent) und die wirtschaftliche Situation im Herkunftsland (32 Prozent) angegeben.

Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und dem Iran nennen besonders häufig Krieg und Verfolgung als Fluchtursachen, Geflüchtete aus Eritrea Zwangsrekrutierung. Demgegenüber berichten Geflüchtete aus den Westbalkan-Staaten vielfach von prekären persönlichen Lebensbedingungen, der schlechten wirtschaftlichen Situation in den Herkunftsländern und Diskriminierung.

Hohe Zustimmung für gleiche Rechte für Frauen

"Die zu uns gekommenen Menschen sind gerade wegen unserer Werte und Bürger- sowie Menschenrechte nach Deutschland gekommen. Und es gibt eine hohe Zustimmung zu gleichen Rechten für Frauen", stellte Bundesarbeitsministerin Nahles fest. So unterstützen 96 Prozent die Aussage, dass "man ein demokratisches System haben sollte".

92 Prozent sagen, dass "gleiche Rechte von Männern und Frauen" ein Bestandteil von Demokratien sind. Bei der Aussage "wenn eine Frau mehr Geld verdient als ihr Partner, führt dies zwangsläufig zu Problemen" zeigen sich jedoch Unterschiede: Während 29 Prozent der Geflüchteten zustimmen, sind es bei der deutschen Vergleichsgruppe 18 Prozent.

Die Studie beruht auf einer Befragung von 2.349 Geflüchteten über 18 Jahren von Juni bis Oktober 2016. Die Geflüchteten sind zwischen 1. Januar 2013 und 31. Januar 2016 nach Deutschland eingereist. IAB, BAMF und SOEP beim DIW haben die Studie gemeinsam erstellt.

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