Smarte Helfer erleichtern den Alltag

Künstliche Intelligenz  Smarte Helfer erleichtern den Alltag

KI ist nur etwas fürs Kinderzimmer? Diesem Vorurteil will das Projekt „Digital souverän mit KI“ entgegentreten. Denn gerade für ältere Menschen können die neuen Technologien eine echte Erleichterung im Alltag darstellen. 

Foto zeigt Steffen Walther und Senioren.

Steffen Walther vom Seniorenbüro Jena zeigt als „Internet-Helfer“, wie KI-Anwendungen - zum Beispiel ein Saug-Roboter - funktionieren.

Foto: Steffen Walther

Steffen Walther, Mitarbeiter des Seniorenbüros Jena (DRK Kreisverband Jena-Eisenberg-Stadtroda e.V.), zeigt älteren Menschen als sogenannter Internet-Helfer, wie Künstliche Intelligenz (KI) ihren Alltag vereinfachen kann. Sabine Wolf betreut bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen das Projekt „Digital souverän mit KI“. Im Interview berichten sie, auf welche Resonanz die neue Technik bei älteren Menschen trifft und was sie sich von den Entwicklern wünschen würden.  

Künstliche Intelligenz zieht immer mehr in unseren Alltag ein, auch in den Alltag älterer Menschen. Wie sehen typische Anwendungsbeispiele hier aus? 

Sabine Wolf: Als erstes sind hier definitiv Sprachassistenten zu nennen. Sei es als Funktion auf dem Smartphone oder der smarte Lautsprecher im Regal: Die Alltagshelfer, die zum Beispiel per Sprachbefehl morgens den Wetterbericht vortragen, mittags beim Kochen die Zeitschaltuhr ersetzen oder abends vom Sofa aus die Jalousien oder den Smart-TV steuern, kommen bei älteren Menschen zunehmend zu Hause an.

Bei anstrengenden Haushaltsarbeiten wie Fensterputzen oder Staubsaugen können Roboter helfen und auch das Interesse an KI-basierten Apps ist groß. So gibt es zum Beispiel einen medizinischen Chatbot, der Beschwerden und Symptome analysiert, oder eine App, die Menschen mit Sehbehinderungen die Umgebung beschreibt. Nicht zu vergessen sind natürlich die Anwendungen, die für viele schon zur Selbstverständlichkeit geworden sind: Wenn die Fremdsprachenkenntnisse fehlen oder eingerostet sind, hilft die Übersetzungs-App und die Navigations-Anwendung zeigt die beste Wegstrecke zu einem neuen Ziel. Manch einer hat vielleicht auch Freude daran, alte Familienfotos durch Animationen zum Leben zu erwecken.

Foto zeigt Sabine Wolf

Sabine Wolf ist Referentin für das Projekt „Digitale Souveränität älterer Menschen mit KI-Technologien fördern“ bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen.

Foto: Thomas Rafalzyk

Wie begegnen ältere Menschen neueren Technologien und auf welche Schwierigkeiten stoßen sie beim Umgang mit ihnen? 

Steffen Walther: Die Menschen, die in unsere Beratung kommen sind sehr aufgeschlossen gegenüber neuer Technologie – vor allem wenn sie bereits einen konkreten Nutzen der Geräte für sich erkannt haben. Viele kommen bereits mit konkreten Fragen. Die meisten interessieren sich auch für das Thema Datenschutz und äußern auch ihre Bedenken. Durch die Beratung von geschulten Medienmentoren und KI-Kennern lassen sich viele Befürchtungen jedoch meist relativieren.

Die Einrichtung eines smarten Netzwerkes zuhause stellt viele Senioren jedoch vor Schwierigkeiten. Die Bedienung der smarten Technik ist für die Senioren mit Vorerfahrung meist kein Problem. Viele äußern ihr Erstaunen darüber, wie viele Geräte tatsächlich mit einander verknüpft und zum Beispiel durch Sprachassistenten gesteuert werden können.

Welche Smart Home-Geräte kommen besonders gut an?

Steffen Walther: Besonders beliebt sind der Staubsaug-Roboter, Sprachassistenten, steuerbare LED-Lampen, Smartwatches, VR-Brillen und der Roboterhund, der einen guten Gesprächseinstieg in das Thema bietet. 

Welche Botschaften geben ältere Nutzerinnen und Nutzer den Entwicklern von KI-Anwendungen mit? 

Sabine Wolf: Bereits nach wenigen Wochen, in denen ältere Menschen die für sie neuen Geräte ausprobiert haben, gab es  neben durchaus begeisterten Rückmeldungen insbesondere zu den Sprachassistenten und Staubsaugerrobotern viele ähnlich lautende Wünsche: Vermisst werden sowohl für Apps als auch Geräte einfach nachvollziehbare, gut lesbare Anleitungen mit möglichst wenig englischen Fachbegriffen. Darin sollte transparent dargestellt werden, welche Daten gespeichert, verarbeitet und weitergegeben werden. Außerdem besteht großer Bedarf nach telefonischer Unterstützung, wenn es mit der Einrichtung der Technik nicht klappt, nach unkomplizierter Wartung und nach standardisierten Bedienoberflächen, die nicht mit jedem neuen Modell wechseln.

Hersteller sollten beim Entwickeln neuer Produkte immer auch den Prozess der Technikaneignung mitdenken und die Wünsche und Erfahrungen älterer Menschen und anderer Nutzerinnen und Nutzer bereits bei Entwicklung und Testung einbeziehen. Viele haben noch nicht erkannt, dass ältere Menschen die größte Bevölkerungs- und damit Kundengruppe in Industrienationen darstellen. Nicht wenige Algorithmen bergen zudem Diskriminierungspotentiale für ältere Menschen, die noch nicht ausreichend gesetzlich geregelt sind, zum Beispiel bei der Berechnung von Versicherungsbeiträgen oder der Kreditwürdigkeit, aber auch Algorithmen von Suchmaschinen.

Wie kann es gelingen, dass zukünftig mehr ältere Menschen vom Nutzen digitaler Technologien – auch mit KI – profitieren können?

Sabine Wolf: Derzeit nutzen laut Digital-Index von den 70- bis 99-Jährigen nur ein bis zwei Prozent Sprachassistenten, null bis zwei Prozent Wearables und immerhin drei bis 18 Prozent Smart-TVs. Knapp der Hälfte der ab 70-Jährigen fehlt ein Zugang zum Internet. Das ist die Hälfte, die auch sonst gesellschaftlich häufiger benachteiligt ist: Menschen mit geringem Einkommen, Hochaltrige, Alleinlebende, ältere Migrantinnen und Migranten.

Die Erfahrungen aus unserem Projekt „Digitale Souveränität älterer Menschen mit KI-Technologien fördern“ oder auch dem „Digital-Kompass“ zeigen: Das Interesse an und die Neugier auf digitale Technologien steigen immens, wenn es direkt vor Ort Menschen gibt, die fachkundig und verständlich, auf Augenhöhe und geduldig erklären können, wie zum Beispiel ein Tablet funktioniert und wo die Datenschutzeinstellungen versteckt sind. Wichtig sind auch Orte, an denen Ältere ausprobieren können, wie ein Sprachassistent funktioniert oder wie man Licht und Heizung mit dem Smartphone steuert. Dafür reichen allerdings weder unsere 16 bundesweiten Partner im KI-Projekt, noch die uns bekannten 400 äußerst engagierten Senioreninternetinitiativen in Deutschland. Als BAGSO fordern wir solche Erprobungs- und Lernorte mit geschulten Ansprechpersonen und einer angemessenen technischen Ausstattung in jeder Kommune!

Im Projekt „Digital souverän mit KI der BAGSO werden 16 bestehende Interneterfahrungsorte, die bisher hauptsächlich zu Computern, Smartphones und Tablets beraten, mit KI-basierten Technologien ausgestattet, die im Alltag älterer Menschen Relevanz besitzen können. Die dort meist freiwillig engagierten Internethelferinnen und Internethelfer werden online zum Thema KI qualifiziert, damit sie Nutzen und Risiken gleichermaßen beurteilen und an Ältere weitergeben können. Über diese Multiplikatoren und Erprobungs- und Lernorte erhalten ältere Menschen Zugang zu den Zukunftstechnologien, von denen sie bislang kaum profitieren. Das Projekt ist bei der Servicestelle “Digitalisierung und Bildung für ältere Menschen“ der BAGSO angesiedelt. Es wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) aus Mitteln des KI-Zukunftsfonds gefördert

Mehr Informationen zum Thema Umgang mit Daten finden Sie in der Datenstrategie der Bundesregierung. Sie wurde kürzlich vom Kabinett beschlossen und verfolgt mit 240 Maßnahmen das Ziel, Deutschland zum Vorreiter für das innovative Nutzen und Teilen von Daten in Europa machen.