Merkel beim 20. Tourismusgipfel

Chancen des Tourismus nutzen

Der Tourismus könne dazu beitragen, den Menschen in ihren Heimatländern wieder wirtschaftliche Perspektiven zu bieten, sagte Bundeskanzlerin Merkel mit Blick auf viele Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern. Deutschland selbst profitiere davon, dass es "als ein sicheres Reiseziel" gelte, so Merkel.

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht auf dem Tourismusgipfel des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft in Berlin

Auch weil Deutschland als ein sicheres Reiseziel gelte, stehe es hoch im Kurs, so die Kanzlerin.

Foto: Bundesregierung/Steins

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Chancen eines nachhaltigen Tourismus für Entwicklungs- und Schwellenländer betont. Eine Zunahme des Tourismus böte diesen Regionen viele Möglichkeiten, müsse aber nachhaltig geschehen. "Es ist wichtig, auch im Tourismusbereich noch mehr auf lokale Kultur und lokale Produkte und Dienstleistungen zu setzen, um daraus wirklich echte Entwicklungschancen zu machen", so die Kanzlerin auf dem 20. Tourismusgipfel in Berlin.

Tourismus als Entwicklungshilfe

Viele Flüchtlinge kämen aus afrikanischen Ländern zu uns. "Wir müssen den Menschen in ihren Heimatländern wieder wirtschaftliche Perspektiven bieten", so Merkel. Der Tourismus könne dazu wesentlich beitragen.

Entwicklungshilfe sei viel zu lange als rein staatliche und karitative Angelegenheit angesehen worden, sagte die Kanzlerin. Niemand könne jedoch so viel Steuergelder in die Entwicklungshilfe geben, wie eine prosperierende eigene Wirtschaft in diesen Ländern zustande bringe. Gerade die florierende Tourismusbranche zeige einen Weg auf, die Menschen in ihrer Heimat zu halten.

Fluchtursachen bekämpfen

Es gehe auch darum, die illegale Migration zu beenden und legale Wege zu schaffen. Eine Situation wie die im Spätsommer letzten Jahres dürfe sich nicht wiederholen, warnt sie.

"Wir werden mehr für Entwicklungshilfe ausgeben, aber wir müssen auch die Mechanismen durchdenken, mit denen wir Erfolge erzielen." So könne die EU etwa mit Ägypten und Tunesien Verträge nach dem Vorbild des EU-Türkei-Abkommens schließen.

Tourismus bei Integration mit gutem Beispiel voran

Rund drei Millionen Menschen sind im Tourismussektor tätig. Fast 30 Prozent davon haben einem Migrationshintergrund. "Das Gastgewerbe bietet im Vergleich zu anderen Branchen überproportional vielen Menschen, die neu bei uns sind, eine Arbeit an", so Merkel. Die Bundesregierung habe zur weiteren Erleichterung der Arbeitsaufnahme oder dem Beginn einer Ausbildung, das Integrationsgesetz verabschiedet.

Sprachkurse stünden hierbei an erster Stelle. Spezielle Begriffe, die eher spezifisch für eine Branche stehen, würden dort aber selten vermittelt. Die Kanzlerin forderte die Teilnehmer des Tourismusgipfels deshalb auf, den Kontakt mit der Agentur für Arbeit zu pflegen, um spezifischen Schulungsbedarf zu melden.

Deutschland hoch im Kurs

Deutschland als Urlaubsziel steht hoch im Kurs: 2015 war für den Tourismus ein Rekordjahr. Die Gästezahl wuchs im Vergleich zum Vorjahr um mehr als fünf Prozent. Neben der Schönheit und der kulturellen Vielfalt liege das aber auch daran, dass Deutschland als ein sicheres Reiseziel gilt, sagte die Kanzlerin. Damit das auch so bleibt, tue die Bundesregierung "alles menschenmögliche, um Risiken so gering wie möglich zu halten".

Die Bundesregierung habe die Situation des deutschen Reisemarkts und insbesondere die Lage mittelständischer Reisebüros im Blick, so Merkel. Bei der Umsetzung europäischer Richtlinien würden ihre Interessen berücksichtigt.

Veranstalter des jährlichen Tourismusgipfels ist der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft. Der Dachverband der deutschen Tourismuswirtschaft setzt sich für die gemeinsamen, übergreifenden Interessen der Branche ein. Die Tourismuswirtschaft stellt fast drei Millionen Arbeitsplätze bereit und trägt mit 4,4 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei. Damit befindet sie sich auf Augenhöhe mit Branchen wie der Automobilindustrie oder dem Maschinenbau.