Bildungsbericht 2016: „Erfolg hängt zu oft von sozialer Herkunft ab“

  • Pressemitteilung 213
  • Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Kultusministerkonferenz haben heute (Donnerstag, 16. Juni 2016) gemeinsam den Bericht „Bildung in Deutschland 2016“ vorgestellt. Der Bericht setzt 2016 seinen Schwerpunkt auf das Thema „Bildung und Migration“. Zu den Ergebnissen erklärt die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Aydan Özoğuz:

„Der Bildungsbericht 2016 macht deutlich, dass es Fortschritte gibt, die Verbesserung der Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund insgesamt allerdings langsam vorankommt. Erfreulich ist, dass sich die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund sowohl im Grundschul- als auch im Sekundarbereich verbessert haben. Noch bestehende Kompetenzrückstände werden im Zusammenhang mit sozioökonomischen Faktoren gesehen. Kinder mit Migrationshintergrund leben überproportional häufiger in Risikolagen (Armut, Erwerbslosigkeit und Geringqualifizierung). Das zeigt uns: Es gelingt im deutschen Bildungssystem weiterhin zu wenig, die Verknüpfung zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg zu überwinden.

Wir können auch nicht zufrieden damit sein, dass junge Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit nach wie vor mehr als doppelt so häufig (13 %) die Schule ohne Abschluss verlassen wie ihre Altersgenossen deutscher Staatsangehörigkeit (5%) und weniger als halb so oft mit der allgemeinen Hochschulreife (16% vgl. zu 44%). Jugendliche mit ausländischer Staatsangehörigkeit bleiben ebenso überdurchschnittlich häufig ohne Berufsabschluss. Für mich sind deshalb drei Punkte bei der Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund von zentraler Bedeutung:

1. Gezieltere Sprachförderung
Wir müssen weiterhin auf die gezielte und verstärkte individuelle Sprachförderung setzen. Inklusive Schulen brauchen dafür mehr Lehrkräfte, mehr Schulsozialarbeiter und mehr ganztagsschulische Angebote. Die Länder sind aufgefordert, Schulen mit einem hohen Migrantenanteil intensiver zu unterstützen. Ich fordere die Ministerpräsidenten der Länder auf, in ihren Anstrengungen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund nicht nachzulassen und die Unterstützung angesichts der Flüchtlingssituation deutlich zu verstärken: Mir ist bewusst, dass Schulen aufgrund der aktuellen Zuwanderung teilweise große Herausforderungen meistern und dafür gebührt den Schulleitungen, Lehrkräften und freiwilligen Unterstützerinnen und Unterstützern unser Dank. Gleichzeitig dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, dass wir immer noch großen Handlungsbedarf haben.

2. Maßnahmen intensivieren, Fortschritte überprüfen
Wir müssen uns fragen, wieso angesichts der eingeleiteten Maßnahmen sowie allgemeinen Sensibilisierung in den letzten zehn Jahren nicht größere Verbesserungen für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund erreicht wurden. Welche Hürden verhindern möglicherweise schnellere Erfolge?

3. Wertschätzung und Vermittlung von Vielfalt
Die Vielfalt an Deutschlands Schulen wächst und die Schülerschaft verändert sich, der Anteil der Lehrkräfte mit Migrationshintergrund ist aber vergleichsweise klein. Mehr junge Menschen mit Migrationshintergrund für Lehrerberufe zu gewinnen, bleibt daher eine wichtige Aufgabe. Lehrerinnen und Lehrer müssen in Aus- und Fortbildungen zudem verstärkt auf die zunehmende Heterogenität in den Klassen vorbereitet werden. Viele Schulen zeigen, wie man erfolgreich mit Vielfalt umgeht. Gerade in unserem föderalen System brauchen wir mehr Kenntnis über erfolgreiche Modelle in den Bundesländern. Nicht jede Schule muss das Rad neu erfinden.

4. Mitwirkung von Eltern
Entscheidend für den Bildungserfolg sind sowohl engagierte Lehrkräfte als auch die Einbeziehung der Eltern. Dass Eltern ihre Kinder auf dem Bildungsweg mehr unterstützen können, muss gefördert werden. Hierfür gibt es bundesweit erfolgreiche Beispiele. Mit der „Gemeinsamen Erklärung der Kultusministerkonferenz und der Organisationen von Menschen mit Migrationshintergrund zur Bildungs- und Erziehungspartnerschaft von Schule und Eltern“ wurde ein wichtiger Prozess angestoßen, der unbedingt fortgesetzt werden muss.“

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