Erasmus+

Azubis zum Berufspraktikum ins Ausland

Zu einer guten Ausbildung gehört der Blick über den Tellerrand. Auszubildende können - genauso wie Studierende - längere Ausbildungsphasen im Ausland absolvieren. Das neue Programm ErasmusPro macht ein mindestens dreimonatiges Praktikum in einem anderen EU-Mitgliedstaat möglich.

Hände unterschiedlicher Hautfarben halten einander im Kreis.

Gemeinsam lernen und reisen stärkt den Zusammenhalt - auch in der Ausbildung.

Foto: PeopleImages/istock/Getty Images

"Es lohnt sich für die jungen Menschen und für die Unternehmen - und schließlich für alle", sagte die geschäftsführende Bundesarbeitsministerin Katarina Barley in Berlin. Bis 2020 sollen deshalb zehn Prozent der Auszubildenden einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland absolviert haben.

Für Studierende sei ein Auslandsaufenthalt selbstverständlich. Aber nur 4,5 Prozent der deutschen Azubis nutzten bisher diese Möglichkeit. Mit ErasmusPro soll das nun anders werden. Die Ministerin warb mit EU-Sozialkommissarin Marianne Thyssen für das neue Programm.

Ausbildung gibt Jugendlichen Perspektive

"Ganz Europa schaut auf das duale Berufsbildungssystem in Deutschland", sagte Thyssen. Es schaffe die Grundlagen, damit junge Menschen gut ins Berufsleben starteten und lange erfolgreich arbeiteten. Zwei von drei Auszubildenden fänden sofort nach der Ausbildung einen Arbeitsplatz.

Wer gezeigt hat, dass er außerhalb der Heimat zurechtkommt, ist zudem auf dem Arbeitsmarkt im Vorteil. Auch deshalb unterstützt Europa die jungen Menschen finanziell. 2015 förderte die EU Mobilitätsprojekte der Berufsbildung in Europa mit rund 280 Millionen Euro, in Deutschland mit 33 Millionen Euro.

Um Fremdsprache, kulturelle und berufliche Kompetenzen im Ausland wirklich zu lernen, sind längere Aufenthalte notwendig. Wenn überhaupt, gehen viele Azubis bisher jedoch nur für vier Wochen ins Auslands-Praktikum. Die EU-Kommission fördert mit dem Programm ErasmusPro deshalb nun längere Auslandaufenthalte während der Ausbildung von drei bis zwölf Monate.

EU-weit müsse nun vereinbart werden, wie im Ausland erbrachte Ausbildungsleistungen anerkannt und hinterher angerechnet werden, forderte Thyssen. Denn die Ausbildungssysteme in den Ländern sind sehr unterschiedlich.

Ein Ausbildungspraktikum im Ausland - wie funktioniert das?

Unabhängig davon, ob Jugendliche eine schulische oder duale Ausbildung absolvieren, ist ein Auslandspraktikum möglich. Während des Praktikums bleibt das Ausbildungsverhältnis zum Betrieb in Deutschland bestehen. Auch die Vergütung zahlt der Arbeitgeber weiter.

Bei einer schulischen Ausbildung gehören häufig sowieso mehrere Praktika zu einer Ausbildung, sodass man eines davon im Ausland absolvieren kann. Für die Anreise und die Unterkunft gibt es einen Zuschuss durch Erasmus.

Wichtig ist, den Aufenthalt möglichst frühzeitig abzustimmen. Grundsätzlich ist es möglich, bis zu einem Viertel der Ausbildungszeit im Ausland zu verbringen, auch bis zu zwölf Monate nach dem Abschluss.

Wie können Azubis ein Erasmus-Praktikum finden?

Erste Ansprechpartner sind der Ausbildungsbetrieb, die Berufsschule oder die Kammern. Sie organisieren oft Ausbildungsprojekte zusammen mit ausländischen Partnern.

Vor allem Azubis in kleinen Betrieben haben vielleicht Schwierigkeiten, ein Auslandspraktikum zu finden. Hier könnten die sogenannten Pool-Projekte helfen. Das sind Praktika von Bildungseinrichtungen, die mehr Plätze anbieten, als sie durch eigene Azubis besetzen können. Die Projekte werden bundesweit auf dem Portal www.machmehrausdeinerausbidlung.de ausgeschrieben.

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