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Recycling

Aus Abfall wird Wertstoff

Natürliche Rohstoffe sind knapp. Deshalb werden sie wiederverwertet. Neu entwickelt werden derzeit Verfahren zur Wiederverwertung Seltener Erden. "Seltene Erden sind für die Produktion von Zukunftstechnologien aus Deutschland unersetzlich", so Bundesforschungsministerin Wanka.

Die Weltbevölkerung lebt auf großem Fuß: Innerhalb von weniger als acht Monaten hat sie das gesamte Budget an erneuerbaren Ressourcen für ein ganzes Jahr aufgebraucht. Laut Angaben des "Worldwide Fund for Nature" (WWF) lebt die Menschheit damit seit dem 19. August "auf Kredit". "Die Menschheit hinterlässt einen immer tieferen ökologischen Fußabdruck", sagte Entwicklungshilfeminister Gerd Müller der Mitteldeutschen Zeitung.

Der globale ökologische Fußabdruck gibt den Umfang der Beanspruchung der weltweiten Ökosysteme durch den Menschen an. Die zehn Länder mit dem größten ökologischen Fußabdruck pro Kopf sind Katar, Kuweit, die Vereinigten Arabischen Emirate, Dänemark, die Vereinigten Staaten von Amerika, Belgien, Australien, Kanada, die Niederlande und Irland. Deutschland liegt auf Platz 30.

Lebt die Menschheit allerdings weiter wie bisher, braucht sie bis 2030 zwei Planeten, um ihren Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie zu decken. Das geht aus dem "Living Planet Report 2012" hervor - eine Studie zum Gesundheitszustand der Welt, den der WWF Mitte Mai vorgelegt hat. Gleich drei Erden benötigten die Menschen im Jahr 2050, wenn sich die Gewohnheiten nicht änderten, heißt es dort.

"Wir Industrieländer sind zur Zeit dabei, in überproportionalem Rahmen Ressourcen zu verbrauchen", erklärte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Bei der Entwicklung neuer Technologien und Produkte müssten auch deren Folgen für die natürlichen Ressourcen berücksichtigt werden.

Seltene Erden recyceln

Verfahren, die der Wiederverwertung dienen, sind daher von großer Bedeutung. So enthalten etwa elektronische Gebrauchsgegenstände umfangreiche Rohstoffreserven, die es zu nutzen gilt: In allen 2010 in Deutschland verkauften Laptops stecken 740 Kilogramm Gold und mehr als drei Tonnen Silber. Laut BUND gibt es 130 bis 140 Millionen Handys in Deutschland, ungefähr 85 Millionen liegen unbenutzt in der Schublade.

Jedes Mobiltelefon enthält: 250 Milligramm Silber, 24 Milligramm Gold, 9 Milligramm Palladium, 9 Gramm Kupfer und 4 Gramm Kobalt. Pro Handy ist das nicht viel. Auf 140 Millionen Handys hochgerechnet sind dies 35.000 kg Silber, 3.360 Kilogramm Gold, 1.260 Kilogramm Palladium, 1.260.000 Kilogramm Kupfer und 560.000 Kilogramm Kobalt.

Dabei ist die Hightech-Industrie vor allem auf die Seltenen Erden angewiesen. Ohne Seltene Erden gäbe es keine Smartphones. Auch in Computern, Monitoren, Fernsehern und Radargeräte verbergen sich die wertvollen Metalle. Weder LED-Leuchten noch Elektromotoren oder Windkraftanlagen würden ohne sie funktionieren.

Die Seltenen Erden haben allerdings einen entscheidenden Nachteil: Sie werden immer knapper und teurer. Die Wiederaufarbeitung der Metalle ist allerdings schwierig. Deshalb fördert die Bundesregierung neue Verfahren zum Recycling wichtiger Rohstoffe. "Seltene Erden sind für die Produktion von Zukunftstechnologien aus Deutschland unersetzlich", erklärte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka im September vergangenen Jahres.

Seltener Erden umfassen eine ganze Vielfalt chemischer Elemente: Cer sorgt dafür, dass Autolacke und Scheiben nicht mehr so schnell verkratzen. Tantal wird für Kondensatoren in Handys, Digitalkameras und Laptops benötigt. Kobalt ist ein wichtiger Bestandteil von wieder aufladbaren Batterien. Die Touchscreens von Smartphones und Tablet-PCs funktionieren nur dank Indium.

Kunststoffverbrauch senken

In Deutschland werden jährlich zehn Millionen Tonnen Kunststoff verbraucht: Auf jeden Bundesbürger entfallen damit durchschnittlich 117 Kilogramm. Rund ein Drittel davon entfällt auf Verpackungen. Plastikbecher und –besteck sind Teil der "To-go-Kultur".

Der Durchschnitts-Europäer verwendet jährlich rund 200 Plastiktüten, Deutschland lag mit 70 Tüten im Mittelfeld. Plastik findet sich in Haushaltsfolien, Verpackungen, Spielzeug, Sportartikeln und Gehäusen für Elektrogeräte.

Jeder zehnte Liter Erdöl wird für Plastik verbraucht. Dabei ist es längst möglich, Produkte herzustellen, die nicht nur ohne Erdöl auskommen, sondern sogar bessere Produkteigenschaften besitzen. Heute Tüte, morgen Flasche: Recycling von wiederverwertbaren und wiederverformbaren Bio-Kunststoffen macht es möglich. So entstehen zum Beispiel Dübel aus Rizinusöl, Reifen aus Löwenzahn, Strandschaufeln aus Maisstärke.

Wertstoffe weiternutzen

Dennoch fallen jedes Jahr 330 Millionen Tonnen Abfall in Deutschland an. Schonender Umgang mit Ressourcen bedeutet aber, so wenig Abfall wie möglich zu verursachen. Hendricks will deshalb im Herbst eine Wertstofftonne einführen. "In der neuen Tonne sollen Wertstoffe gesammelt werden wie Plastik und Metall, egal, ob sie nun für Verpackungen gesammelt wurden oder für andere Produkte", erklärt Hendricks im Magazin FOCUS. "Unser Ziel ist es, mehr Müll wiederzuverwerten und dadurch Rohstoffe zu sparen". Untersuchungen zeigten, dass so die Sammelmenge pro Einwohner um sieben Kilo steigern könne.