EU-Projekttag an Schulen

Als Sprecher unterwegs in Sachen Europa

Der EU-Projekttag ist jährlicher Anlass, mit jungen Leuten über Europa zu diskutieren. Bundeskanzlerin Merkel und viele Bundesminister besuchten in diesen Tagen Schulen. Auch Regierungssprecher Seibert sprach mit Schülerinnen und Schülern in Berlin-Schöneberg.

Regierungssprecher Steffen Seibert im Gespräch mit Schülern anlässlich des EU-Projekttags.

Regierungssprecher hautnah: Steffen Seibert spricht mit Schülerinnen und Schülern der Sophie-Scholl-Schule.

Foto: Bundesregierung/Schacht

Zu Beginn wird es persönlich. Die Schüler und Schülerinnen der gymnasialen Oberstufe haben Informationen zum Lebenslauf von Regierungssprecher Steffen Seibert zusammengestellt. Sie wollen damit das Eis brechen für die nachfolgende Diskussion. Der Sprecher der Bundesregierung kann kommentieren. Und erzählt so einiges von sich, seiner Motivation und seinem Job - und von dem Grund, warum er heute hier ist. Seibert halte es für "notwendiger denn je", über Europa zu sprechen.

Hauptthemen Flüchtlingskrise und EU-Türkei-Vereinbarung

Dann geht es zur Sache: die Flüchtlingskrise und die EU--Europäische Union-Türkei-Vereinbarung, auch der "Fall Böhmermann" sind die klaren Hauptthemen, welche die 90 Schülerinnen und Schüler interessieren. Rebecca, Emma und Lino moderieren. Lino leitet ein, Rebecca erinnert an die Diskussionsregeln, Emma erteilt das Wort.

Die Sophie-Scholl-Schule ist eine Integrierte Sekundarschule mit gymnasialer Oberstufe in Berlin-Schöneberg. Sie ist eine Staatliche Europaschule mit der Partnersprache Französisch und bietet als eine von fünf Berliner Schulen das kombinierte Abitur/Baccalauréat ("Abibac") an.

Malte interessiert, ob es sich die EU nicht zu leicht mache und das Flüchtlingsproblem einfach vor ihre Außengrenzen verschiebe. Nein, findet der Regierungssprecher. Weil die EU sich auch darum kümmere, was hinter ihren Außengrenzen passiere. Stichwort Fluchtursachenbekämpfung.

Was Fluchtursachenbekämpfung konkret heiße, will eine Schülerin wissen. Seibert spricht unter anderem über den Krieg in Syrien mit seinen schlimmen Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung: "Alles, was getan werden kann, um den Syrienkrieg zu beenden, muss getan werden." Auch wenn es ein schwieriger Prozess sei, erklärt Seibert. Die EU versuche aber auch, die Lebensbedingungen der Menschen in den Flüchtlingslagern im Nahen Osten zu verbessern.

Abhängig von der Türkei?

Aaron fragt, ob sich die EU durch die EU-Türkei-Vereinbarung ein Stück weit abhängig gemacht habe von der Türkei. Eine Abhängigkeit sei es nicht, aber ein "großes beiderseitiges Interesse", sagt Seibert. Er erinnert an die 2,7 Millionen Flüchtlinge, welche das Land bisher aufgenommen habe und an die Gastfreundschaft vieler Türken: "Davor kann man nur den Hut ziehen."

Wie steht es dann mit dem Thema Pressefreiheit? Der Regierungssprecher betont, dass EU-Vertreter und auch die Bundesregierung sehr wohl mit der Türkei das Thema Pressefreiheit besprechen. Es sei keine Lösung, mit der Türkei nicht zusammenzuarbeiten. Die Türkei sei ein Schlüsselland in der Flüchtlingskrise.

Staatssekretär Steffen Seibert ist Sprecher der Bundesregierung. Zugleich ist er Chef des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung mit etwa 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Berlin und Bonn. Er untersteht direkt Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Willkommensklasse mit Schülern aus sieben Ländern

Weiter geht es zu einer der beiden Willkommensklassen. Die Sophie-Scholl-Schule hat sie eingerichtet, um jungen Migrantinnen und Migranten Sprachkenntnisse zu vermitteln. Eine sehr internationale Klasse: Aus insgesamt sieben Herkunftsländern kommen die Lernwilligen.

Hier ist es der Regierungssprecher, der fragt: Woher sie kommen, wie lange sie hier sind, was sie an Deutschland mögen und was nicht. Sie erzählen von ihren Familien, von ihren Wohnverhältnissen, vom kalten Wetter in Deutschland. Einhellige Meinung: Zur Schule kommen sie gerne. Seibert gibt ihnen auf den Weg, weiter fleißig Deutsch zu lernen. Er betont, wie außerordentlich wichtig gute Deutschkenntnisse hierzulande sind.

Alle drei Regierungssprecher unterwegs am EU-Projekttag

Auch die stellvertretenden Regierungssprecher waren an Berliner Schulen unterwegs, um über die Europäische Union zu diskutieren. Christiane Wirtz hat die deutsch-türkische Europaschule Carl-von-Ossietzky in Berlin-Kreuzberg besucht. Georg Streiter war Gast des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums in Berlin-Pankow.

Der EU-Projekttag geht auf eine Initiative von Bundeskanzlerin Angela Merkel zurück. Seit 2007 bietet er Schülerinnen und Schülern in ganz Deutschland die Gelegenheit, sich intensiv mit der europäischen Einigung zu beschäftigen. Deutschlandweit besuchen Politikerinnen und Politiker Schulen und diskutieren über Europa. Die Bundeskanzlerin hat in diesem Jahr das Französische Gymnasium in Berlin besucht. Auch Regierungssprecher Steffen Seibert und seine Stellvertreter Christiane Wirtz und Georg Streiter haben teilgenommen.

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