Solarstrom und Gemüse ernten

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Photovoltaik ausbauen Solarstrom und Gemüse ernten

Gemüse und Obst anbauen und gleichzeitig klimafreundlichen Strom produzieren – das funktioniert beides gut zusammen. Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck ist zuversichtlich, dass es Agri-Photovoltaik in Deutschland künftig häufiger zu sehen gibt. Im brandenburgischen Rathenow hat er sich ein solches Projekt vor Ort angesehen.

3 Min. Lesedauer

Robert Habeck pflückt Tomaten beim Besuch der SUNfarming Forschungs- und Innovationszentrum GmbH in Rathenow.

Reiche Ernte unter der Photovoltaik-Anlage: Bundesminister Habeck bei seinem Besuch in Rathenow.

Foto: AFP via Getty Images/Ronny Hartmann

„Wir stehen beim Ausbau der Photovoltaik in Deutschland vor einer gewaltigen Aufgabe: Auf unserem Weg zur Klimaneutralität ist eine Verdreifachung des jährlichen Zubaus der Solarleistung allein bis 2026 nötig“, sagte Habeck bei seinem Besuch eines Agri-Photovoltaik-Projekts in Rathenow. Für den nötigen Zubau werden Dächer nicht ausreichen. Zusätzlich müssten auch nicht verbaute Flächen genutzt werden, auf denen schneller viel mehr PV-Anlagen hinzugebaut werden können.

Doch auf solchen Freiflächen gibt es viel Konkurrenz, denn Wälder, Landwirtschaft, Erholungs- und Naturschutzgebiete, alle brauchen Platz. Bisher wurden vor allem vorbelastete, versiegelte oder weniger für die Landwirtschaft geeignete Flächen für Photovoltaik-Anlagen bevorzugt. Daher sind für den Zubau von PV-Anlagen intelligente Konzepte gefragt – wie beispielsweise Agri-PV-Projekte.

Bis 2030 soll der Bruttostromverbrauch in Deutschland zu mindestens 80 Prozent aus Erneuerbaren Energien gedeckt werden, davon ein großer Teil aus Solarstrom. Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Habeck hat Anfang Mai die neue Photovoltaikstrategie vorgestellt, um den bereits erfolgreichen Ausbau der Solarenergie weiter zu beschleunigen. Ab 2026 sollen jährlich 22 GW Photovoltaikleistung zugebaut werden, davon die Hälfte, also 11 GW auf Freiflächen.

Gemeinsame Chance für Landwirtschaft, Artenreichtum und Klimaneutralität

Mit Agri-Photovoltaik wird die Konkurrenz um die Fläche entschärft. Nicht Landwirtschaft oder Solarenergie, sondern beides zugleich. „Ich bin zuversichtlich, dass wir Agri-Photovoltaik in Deutschland in Zukunft häufiger sehen werden. Die Nachfrage der Landwirte ist da, das Interesse groß. Eine Chance für eine neue Art der Landwirtschaft, Artenreichtum und Klimaneutralität gleichermaßen“, sagte Habeck.

Das Agri-PV-Projekt im brandenburgischen Rathenow zeigt, wie es geht: Unter speziellen, selbst entwickelten Agri-PV-Modulreihen können Gemüse, Früchte, Kräuter und Blumen gedeihen. Regen- und hagelempfindliche Tomaten oder Weintrauben etwa sind unter den „Solar-Schirmen“ gut geschützt.

Die besonderen Glas-Glas-Module lassen mehr Licht durch also herkömmliche PV-Bauteile. Daher können Obst, Gemüse und Wiesen gut wachsen. Spezielle, höhere Unterkonstruktionen sorgen für eine natürliche und gleichmäßige Regenwasserverteilung unter den PV-Modulen. Zudem verdunstet darunter weniger Wasser, was zusätzlich Bewässerung spart.

Die speziellen Agri-PV-Anlagen seien zwar teurer und würden durch die weiteren Abstände etwas weniger Strom erzeugen. Doch durch die doppelte Nutzung gehe die Idee auch ökonomisch auf, so Habeck.

Bessere Apfelernte unter Agri-Photovoltaik

Die Überdachung und Verteilung des Wassers macht einen ökologischeren Anbau möglich. Äpfel, die im konventionellen Anbau vielfach gespritzt werden müssen, wachsen hier geschützt heran und werden gut bewässert. Das zeigt ein anderes Agri-PV-Projekt am Bodensee : Auf einem Teil seiner Obstplantagen hat Obstbaumeister Hubert Bernhard die Hagelnetze gegen Solarpaneele ausgetauscht. Er produziert nun Solarstrom und hat damit eine zusätzliche Einnahmequelle. Der Obstbauer ist mehr als zufrieden: „Die Äpfel haben sich super entwickelt, fast besser als unter den Hagelnetzen. Wir haben hier eine 100-prozentige Ernte eingefahren.“

Daneben bringt die Stromproduktion landwirtschaftlichen Betrieben zusätzliche Sicherheit: „In schwierigen, ernteschwachen Jahren – und die gibt es in der Landwirtschaft durch den Klimawandel immer mehr – kann man so einen zusätzlichen Ertrag durch die Stromerzeugung einfahren“, meint Bernhard. „Das ist gerade für die nachfolgenden Generationen wichtig.“

Im Video erklärt Obstbauer Bernhard, wie gut er mit seinen Agri-PV-Anlagen Strom und Äpfel erntet. Weitere gute Beispiele für den Umstieg auf Erneuerbare Energien und alle Förderprogramme auf energiewechsel.de

Kühe und Kälber unterm Solardach ganzjährig draußen

Auf dem Testfeld im brandenburgischen Rathenow grasen unter den Solarmodulen sogar Rinder und picken Hühner. Tiere sind unter den Agri-PV-Modulen ebenfalls vor zu viel Sonne, Hagel oder Unwetter geschützt. Mutterkühe und Kälber fühlen sich darunter das ganze Jahr im Freien wohl.

Bundesregierung fördert Agri-PV

Mit dem EEG 2023 hat die Bundesregierung die so genannte Flächenkulisse erweitert: Damit werden Agri-PV-Anlagen wie reguläre Freiflächen ausgeschrieben und vergütet. Bestimmte, kostenintensivere Agri-PV-Anlagen können einen zusätzlichen Bonus erhalten, um wettbewerbsfähig zu sein – derzeit 1,2 Cent pro Kilowattstunde.

Auf den Agri-PV-Feldern würden aus Konzepten und Gesetzen Wirklichkeit. „In Kürze werden wir mit einem Solargesetzespaket weitere Schranken für die Nutzung von Sonnenkraft in Deutschland beseitigen und Anreize setzen“, kündigte Habeck an.