30.12.1989: Partisanenausbildung am Springsee

30. Dezember 1989: Heute erfährt die Öffentlichkeit zum ersten Mal davon, dass die westdeutsche DKP jahrelang eine geheime Militärorganisation unterhalten hat. Streng konspirativ hatte die DDR-Armee die Partisanengruppe auf einem Übungsgelände am brandenburgischen Springsee ausgebildet.

Attentate und Sabotage

Heute liegt die Nr. 1/1990 des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" an den Kiosken. In einem ausführlichen Artikel enthüllt das Blatt, dass es seit den 1970er Jahren eine "Militärorganisation" (MO) der DKP gab. Sie war darauf vorbereitet, in der Bundesrepublik Sabotageakte und Anschläge zu verüben. Die Ausbildung der besonders zuverlässigen Genossen habe in einem Camp am Springsee stattgefunden, berichtet ein Aussteiger. Von "militärischem Drill" ist die Rede, der in Teilen weit über den für die paramilitärischen SED-Betriebskampfgruppen hinausgegangen sei.

Erst Jahre später finden sich schriftliche Belege. Der Stasi-Unterlagenbehörde gelingt es, zerrissene Akten wieder zusammenzufügen, die Dokumente zu rekonstruieren. Die Chefin der Behörde, Marianne Birthler, legt sie am 17. Mai 2004 der Presse vor. Sie bestätigen, was der Aussteiger über 14 Jahre zuvor dem "Spiegel" berichtet hat, und liefern eine Fülle weiterer Details.

Tarnname "Gruppe Ralf Forster"

Danach trug die MO in den Akten den Tarnnamen "Gruppe Ralf Forster", benannt nach einem westdeutschen Kommunisten, der in Wirklichkeit Harry Schmidt hieß; "Ralf Forster" war sein Tarnname. Nur ganz wenige SED- und DKP-Funktionäre wussten von der Existenz der Gruppe. Ihre Betreuung oblag dem "Büro der Leitung II" im Ministerium für Staatssicherheit.

Hunderte DKP-Mitglieder sollen auf ihre Eignung überprüft worden sein, am Ende waren es knapp 300, die von der DDR zu Partisanen ausgebildet wurden. Im Frühjahr 1989 erklärte der DKP-Vorsitzende, Herbert Mies, die MO für aufgelöst. Es fanden sich nicht mehr genügend geeignete Parteigenossen.

Das SED-Regime stellte der MO alles zur Verfügung, was sie für die Übungen am Springsee und für mögliche Einsätze in der Bundesrepublik brauchte – neben Uniformen auch Waffen und Munition. Auch für Verpflegung und ärztliche Betreuung war gesorgt.

Ausbildung zum Partisanenkampf

Zu den Ausbildungszielen gehörte – den Stasi-Akten zufolge – die Herstellung von Sprengstoffen, die Sprengung von Strommasten und Eisenbahnlinien, die Erstürmung von Gebäuden, das Legen von Hinterhalten, der Umgang mit verschiedenen Waffen, das Handgranatenwerfen, die Befreiung von Gefangenen und der Nahkampf. Auch die Fähigkeit, den Gegner "lautlos zu beseitigen", also gezielt zu töten, sollten sich die DKP-Kader aneignen.

1993 muss die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main Ermittlungsverfahren gegen 18 Personen wegen Verjährung oder mangelnden Tatverdachts einstellen. Auch in 14 weiteren Fällen kommt es zur Einstellung der Verfahren – in sechs davon allerdings nur unter der Auflage einer Geldbuße. Die Beschuldigten haben ihre militärische Ausbildung in der DDR schriftlich zugegeben.

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