UNESCO-Welterbe

100 Jahre Bauhaus verpflichtet

In Deutschland gibt es viele Wohnsiedlungen und Industrie-Architektur im Bauhaus-Stil. Es gibt etliches zu tun, um dieses historische Erbe in seiner schlichten Schönheit zu erhalten. Der Bund fördert solche Projekte - auch in Israel.

Die »Frankfurter Küche« im Museum der Dinge: “Frankfurter Küche” in der Schausammlung des Werkbundarchiv. Die erste moderne Einbauküche aus dem Jahr 1927

Die "Frankfurter Küche" wurde in den 1920er Jahren als Standardküche in Tausende Sozialwohnungen eingebaut.

Foto: Museum der Dinge/Armin Herrmann

Im Zweiten Weltkrieg die Siedlungen im Bauhaus-Stil teilweise stark zerstört. Bei ihrem Wiederaufbau ging es vor allem darum, die Wohnungsnot zu beseitigen. Auf das historische Erbe konnte nicht allzu viel Rücksicht genommen werden. Demzufolge ging viel verloren: Es wurde umgebaut, überbaut, die Bauhaus-typischen Farbgestaltungen überstrichen und Inneneinrichtungen, Fliesen, Fußböden herausgerissen und "modernisiert".

Etwa seit Mitte der 1980er Jahre werden die Architektonischen Schätze des Bauhaus-Erbes systematisch gehoben. Dabei mussten und müssen Sanierung, zeitgemäße Modernisierung und denkmalgerechte Restaurierung neu in Einklang gebracht werden. Die Unesco honorierte die vielfältigen deutschlandweiten Anstrengungen mit dem Welterbe-Prädikat. Museen, Archive und Besucherzentren in möglichst originalgetreuem Zustand bringen Denkmalschützern, Eigentümern und der Öffentlichkeit das Bauhauserbe nahe.

2019 ist Jubiläumsjahr

Das 2019 bevorstehende 100-jährige Jubiläum der Bauhaus-Gründung ist für den Bund von großer kulturpolitischer Bedeutung. Anlässlich des Bauhaus-Jubiläums entstehen in Deutschland neue Museen in Weimar, Dessau und Berlin. 52 Millionen Euro sind hierfür im Haushalt der Kulturstaatsministerin vorgesehen.

Auch das Bauhaus-Erbe "Weiße Stadt Tel Aviv" wird mitgedacht. Das neue Denkmalschutzzentrum im 1936 erbauten Max-Liebling-Haus wird als Original restauriert und soll 2019 eröffnen. Die Bundesregierung fördert die Einrichtung des Denkmalschutzzentrums Mit der zehnjährigen Förderung von 2015 bis 2025 mit insgesamt drei Millionen Euro.

In Deutschland umfasst die Unesco-Welterbestätte "Bauhaus" umfasst in Deutschland Bauten in den drei Bundesländern Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Zu den Stätten zählen in Weimar die ehemalige Kunstschule, die ehemalige Kunstgewerbeschule und das Haus Am Horn. In Dessau (Unesco-Welterbe seit 1996) gehören das Bauhausgebäude, die Meisterhäuser und seit 2017 die Laubenganghäuser. In Berlin tragen sechs Wohnsiedlungen den Welterbe-Titel sowie die ehemalige Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau. Unter Denkmalsschutz stehen die Weissenhof-Siedlung in Stuttgart sowie die May-Siedlungen in Frankfurt am Main, die ebenfalls zum Bauhaus-Erbe zählen.

Baustelle geöffnet – "open for renovation"

Architektur und Ausstattung der "Weißen Stadt Tel Aviv" zeigen viele Übereinstimmungen mit dem Bauhaus-Erbe in Deutschland. Eine wichtige Aufgabe des neuen Kompetenzzentrums "White-City-Center" ist, die in Deutschland gesammelten langjährigen Erfahrungen mit denkmalschutzgerechter Sanierung und Restaurierung des Bauhauserbes weiterzugeben. Die Baustelle wurde darum von Oktober 2017 bis März 2018 für vielfältige Veranstaltungen geöffnet.

Architektur-Führungen durch das rund 4.000 Gebäude umfassende Bauhaus-Ensemble "Weiße Stadt Tel Aviv" lenkten den Blick auf die typischen Erkennungsmerkmale des Bauhausstils: schlichtes Design bei gleichzeitig aufregender Gestaltung der Gebäude, lichtdurchflutete Wohnungen und Berücksichtigung der geografischen und klimatischen Besonderheiten bei der Ausrichtung der Häuser. Öffentliche Vorträge über die Bauhaus-Ideen zu "funktionalem Wohnen" gab es zum Beispiel über die moderne Küche nach dem Vorbild der "Frankfurter Küche" oder die neue Interpretation des Schlafzimmers.

Waschputz, Kratzputz und mehr

Viele Gebäude im Bauhaus-Erbe von Tel Aviv sind in einem schlechten, teilweise baufälligen Zustand, weil die salzige und feuchte Mittelmeerluft an den 80 Jahre alten Häusern nagt. Die Wohnungsnot in Tel Aviv hat ein Übriges getan: Häuser wurden aufgestockt oder erweitert, Balkone zugemauert, um Wohnraum zu gewinnen, Schäden nicht immer denkmalgerecht ausgebessert. Deshalb wurden im zukünftigen "White City Center" Workshops für Architekten, Denkmalschützer und Restauratoren angeboten.

Angeleitet von deutschen Fachleuten ging es darum, die zwischen 1930 und 1940 verwendeten typischen Materialien zu verstehen und die handwerklichen Arbeitsmethoden für eine fachgerechte Sanierung und Instandsetzung zu vermitteln. So haben deutsche Wörter aus der Bauhaus-Schule wie "Kratzputz", "Waschputz" oder "Steinputz" Eingang in die hebräische Sprache gefunden.

Nach der von den Nationalsozialisten 1932 erzwungenen Auflösung des Bauhauses in Dessau emigrierten viele Bauhausmitglieder. Dadurch verbreiteten sich die Ideen des Bauhauses und seine modernen Architektur international. Die "Weiße Stadt" in Tel Aviv, Israel, ist mit rund 4.000 Bauten das weltweit größte zusammenhängende Architekturensemble der Klassischen Moderne und seit 2003 Unesco-Welterbe.

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