Grütters besichtigt Barenboim-Said Akademie

"Ein Zuhause für Friedensbotschafter"

Der Bau der Musik-Akademie für Stipendiaten aus Israel und der Arabischen Welt ist weit fortgeschritten. In Berlin entstehe damit ein geschützter Ort, an dem die Saat der Versöhnung für den Nahen Osten aufgehen könne, so Kulturstaatsministerin Grütters bei ihrem Rundgang.

Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, und Daniel Barenboim besuchen die Barenboim-Said-Akademie.

Monika Grütters und Daniel Barenboim im Pierre-Boulez-Saal, dem Zentrum der Barenboim-Said Akademie.

Foto: Bundesregierung/Plambeck

In der Barenboim-Said Akademie sollen bis zu 100 israelische und arabische Musik-Studentinnen und -Studenten jeweils vier Jahre lang ausgebildet werden. Damit entwickelt der Dirigent und Pianist Daniel Barenboim die Idee des West-Eastern Divan Orchestra weiter: Den Dialog zwischen den verschiedenen Kulturen des Nahen Ostens durch gemeinsames Musizieren und Lernen zu befördern.

Das West-Eastern Divan Orchestra wurde 1999 von Pianist und Dirigent Daniel Barenboim und dem inzwischen verstorbenen amerikanisch-palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said gegründet. In dem Ensemble spielen arabische und israelische Musiker gemeinsam - als Zeichen für ein friedliches Miteinander.

Botschafter für Versöhnung

Ein friedliches, von gegenseitigem Respekt geprägtes Zusammenleben der Kulturen im Nahen Osten scheine heute utopischer denn je, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Sie besichtigte die weitgehend fertiggestellten Akademie-Räume im ehemaligen Magazin der Staatsoper Berlin. "Umso kühner empfinden wir auch heute noch die Vision dieses wegweisenden kulturellen Versöhnungsprojekts, das nun hier in Berlin, an einem geschützten Ort fern des Kriegs- und Krisenalltags, junge Menschen zu Botschafterinnen und Botschaftern der Idee werden lässt".

Weltweit einmaliges Projekt

Es gebe auf der ganzen Welt nichts Vergleichbares, betonte Kulturstaatministerin Grütters, "einen Ort fern des Kriegs- und Krisenalltags, an dem junge Menschen aus dem Nahen Osten gemeinsam musizieren, lernen und arbeiten". Neben Instrumental- und Musikunterricht sollen auch Philosophie, Geschichte und Literatur zum Lehrangebot gehören. Zum Wintersemester werden dreißig junge, hochbegabte Frauen und Männer aus dem Nahen Osten ihr Studium aufnehmen.

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Konzertsaal nach Entwürfen von Frank Gehry

Die Räume der Akademie - Büros, Proben- und Seminarräume - sollen Ende Juli bezogen werden. Kernstück des Baus ist der Pierre Boulez Saal. Der Kammermusiksaal mit mehr als 600 Plätzen wird nach Entwürfen des amerikanischen Architekten Frank Gehry realisiert, für die Akustik des Saals zeichnet der Akustiker Yasuhisa Toyota verantwortlich.

Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, und Daniel Barenboim besuchen die Barenboim-Said-Akademie.

Der zukünftige Pierre-Boulez-Saal

Foto: Bundesregierung/Plambeck

Der weltweit gefragte Experte hat, wie auch Frank Gehry, für seine Arbeit kein Honorar genommen. Die Sitzreihen sind mobil, so kann der Saal verschiedene Gestalten annehmen. So wird jedes Konzert auch dank der unverwechselbarer Architektur zu einer unverwechselbaren Erfahrung werden.

Der Saal ist nach dem Komponisten, Dirigenten und Musiktheoretiker Pierre Boulez benannt, der im Januar verstarb. Mit Daniel Barenboim verband ihn eine enge Künstlerfreundschaft. Ab März 2017 wird nicht nur das Musikhochschulorchester, sondern auch das West-Eastern Diwan Orchestra dort proben und Konzerte geben. Der Saal soll aber auch für weitere Musikveranstaltungen zur Verfügung stehen.

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Bund fördert Versöhnungsprojekt

Die Staatsministerin für Kultur und Medien fördert den Bau der Akademie mit 20 Millionen Euro und trägt auch die Betriebskosten. Dafür stehen im kommenden Jahr 5,5 Millionen Euro zur Verfügung. Das Auswärtige Amt hat zugesagt, das Stipendienprogramm zu finanzieren. "Es ist meine feste Absicht, den Akademiebetrieb ab 2017 auch dauerhaft zu fördern", betonte Grütters. Weitere Mittel werden von privaten Stiftern aufgebracht.

Ihr Engagement ist für Grütters mehr auch als ein Stück Kulturförderung zur kulturellen Vielfalt Deutschlands. "Sie darf durchaus auch als Beitrag der Bundesrepublik zum Friedensprozess im Nahen Osten verstanden werden."

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