"Das Kükenschreddern muss aufhören"

Im Wortlaut: Schmidt "Das Kükenschreddern muss aufhören"

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt will das Kükenschreddern bis 2017 beenden. Derzeit werde an einer Methode geforscht, schon im Ei zu erkennen, ob sich daraus ein männliches oder weibliches Küken entwickelt, erklärte er in einem Zeitungsinterview. Eier würden durch das Verfahren kaum teurer.

  • Interview mit Christian Schmidt
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Christian Schmidt, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt plant, das sogenannte Kükenschreddern zu verbieten.

Foto: BMVEL/photothek.net/Thomas Koehler

Das Interview im Wortlaut:

BILD: Ist der Plan fertig - und wie wollen Sie das Kükenschreddern stoppen?

Christian Schmidt: Ja, der Plan ist fertig - ich gehe den Weg der Wissenschaft. Wir wollen, dass schon im Ei erkannt wird, ob sich daraus ein männliches oder weibliches Küken entwickelt. So soll verhindert werden, dass die männlichen Küken erst schlüpfen, nur um wenige Stunden später dann getötet werden zu müssen.

BILD: Wann konkret soll Schluss sein mit dem Massentöten?

Schmidt: Wir stehen kurz vor dem Abschluss des technischen Verfahrens. Jetzt geht es um die Umsetzung. Bald werden die ersten Tests für die Praxisanwendung laufen. Ab Ende 2016 sollen die ersten 'tötungsfreien' Bruteier auf den Markt kommen. Mein Ziel ist es, dass das Kükenschreddern 2017 aufhört. Aber dazu muss die Wirtschaft mithelfen. Sollten alle Prüfungen positiv verlaufen, müssen schnellstmöglich in den Brütereien die entsprechenden Geräte angeschafft werden, damit es kein Schreddern mehr geben wird.

BILD: Experten bezweifeln, dass die Methode für Hühnerbauern bezahlbar ist!

Schmidt: Die Methode, die wir fördern, ist die billigste. Der Preis für ein Ei wird um maximal ein bis zwei Cent steigen (Anm. der Red.: ein Billig-Ei kostet 25 Cent).

BILD: Von den Hühnern zu den Wölfen: Bundesweit steigen die Wolfs-Bestände wieder. Gut oder gefährlich?

Schmidt: Es kann einen Punkt geben, an dem die Wolfs-Population so groß wird, dass wir eingreifen müssen. Der Wolf untersteht dem Artenschutz. Er darf aber nicht zum Problem werden. Der Schutz des Menschen hat immer Vorrang vor dem Artenschutz. Hier gilt: keine Experimente, sondern das Prinzip Verantwortung.

BILD: Sie sind auch Ernährungsminister - finden Sie es gefährlich, dass die Deutschen immer öfter zu Fertigprodukten wie Tiefkühlpizza etc. greifen?

Schmidt: Da ist ein Stück Kultur verloren gegangen. Kochen macht doch Spaß. Ich setze hier vor allem auf Ernährungsbildung in der Schule. Kinder müssen früh lernen, wie einfach und wichtig gesunde Ernährung ist. Sie müssen verstehen, woher Lebensmittel kommen und sie müssen lernen, dass ein Schnitzel mal ein Schwein war. Da müssen wir wieder hinkommen. Jedes Kind muss mit frischen Nahrungsmitteln kochen lernen.

BILD: Nach 31 Jahren läuft morgen die Milchquote aus. Dann können die Bauern so viel Milch produzieren, wie sie wollen. Gibt es bald wieder die sogenannten Milchseen und Butterberge?

Schmidt: Die Milchseen sind ausgetrocknet und die Butterberge sind geschmolzen. Sie kommen nicht zurück. Die Nachfrage ist da. Ich komme gerade aus China. Dort haben wir unseren Milchabsatz, z.B. für hochwertige Babynahrung, im vergangenen Jahr um 70 Prozent erhöht. Deutsche Qualität ist im Ausland gefragt.

Das Interview führten K. Mössbauer und F. Solms-Laubach für die

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