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Hightech-Strategie

Den Volkskrankheiten auf der Spur

Wie entstehen Krankheiten? Antworten darauf soll die größte jemals in Deutschland durchgeführte Gesundheitsstudie geben. Die "Nationale Kohorte" ist Teil der Zukunftsaufgabe "Gesundes Leben" der Hightech-Strategie der Bundesregierung.

Arzthelferin nimmt Blut ab Blutproben jahrzehntelang auswertbar Foto: Burkhard Peter

Eine dementielle Erkrankung beginnt. Oftmals wird versucht, durch Befragung des Patienten und seiner Angehörigen sowie Laboruntersuchungen Hinweise über die Ursachen der Krankheit zu erhalten.

Das ist allerdings rückwirkend sehr schwierig und ungenau. Mitunter ergeben neueste Studien Vermutungen, mit welchen medizinischen Daten vor zehn Jahren der Ausbruch der Krankheit hätte vorhergesagt werden können. Vor zehn Jahren wurden aber genau diese Daten nicht erhoben oder konnten noch nicht erhoben werden.

Genau hier liegt der Schwerpunkt der "Nationalen Kohorte". Von 200.000 Menschen im Alter von 20 bis 69 Jahren werden Daten erfasst und Proben von Blut, Urin, Speichel, Stuhl. Sie werden bei 180 Grad Celsius unter Null über Jahrzehnte gelagert. So ist es möglich, später eine Probe auf etwas zu untersuchen, was heute noch nicht möglich ist oder bislang als unwichtig betrachtet wurde.

Breite Datenbasis

Daneben werden zahlreiche weitere medizinische Daten erfasst ebenso wie Daten über die Lebensumstände, Ernährungsgewohnheiten, Aktivitäten und familiäre Situation. Hinzu kommen Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und Gedächtnistests.

Nach einer ersten Untersuchung in bundesweit 18 Untersuchungszentren erfolgen Nachbefragungen und weitere medizinische Untersuchungen in mehrjährigen Abständen. Insgesamt wird die Studie 20 bis 30 Jahre dauern.

"Wir haben in den nächsten Jahren durch die Nationale Kohorte die große Chance, einen enormen Wissensschub im Kampf gegen Volkskrankheiten zu erzielen", sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka. Sie rief alle Bürgerinnen und Bürger, die einen Brief von der Nationalen Kohorte erhalten, dazu auf, sich an der Studie zu beteiligen. "Denn die Aussagekraft der Studienergebnisse ist umso höher, je mehr Bürgerinnen und Bürger sich aktiv beteiligen - und hiervon werden wir alle profitieren", sagte Wanka.

Repräsentative Stichprobe erforderlich

Im kommenden Jahr werden die Helmholtz-Gesundheitszentren 400.000 Frauen und Männer, die per Zufall aus den Daten der Melderegister ermittelt wurden, anschreiben und um ihre Mitwirkung bitten.

Nicht möglich wird es sein, sich freiwillig zur Teilnahme anzumelden. Nur durch die gewählte Form der Auswahl ist gewährleistet, dass die Stichprobe repräsentativ ist. Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten Informationen über die erhobenen Ergebnisse. Falls sich kritische Laborwerte ergeben, werden Sie aufgefordert, zu ihrem Arzt zu gehen. Ob jemand diese Daten haben möchte, kann er selbst entscheiden. Der Bundesdatenschutzbeauftragte hat den gesamten Untersuchungsansatz einschließlich der Datenanonymisierung geprüft und positiv bewertet.

Finanziert wird die Studie durch das Bundesforschungsministerium, die 14 beteiligten Länder und die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren mit insgesamt 210 Millionen Euro. Die Förderer haben sich hierzu eng abgestimmt und koordiniert. An der Studie beteiligt sind 14 Universitäten, vier Helmholtz-Zentren, vier Leibniz-Institute, zwei Ressortforschungseinrichtungen und ein Fraunhofer-Institut. Für die im Rahmen der Studie gewonnenen Informationen ist ein Datenschutz- und IT-Sicherheitskonzept erarbeitet und festgelegt worden.

Dienstag, 25. November 2014