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Nicht jeder ist über die Flüchtlinge in Deutschland erfreut. Die Reaktionen auf das Engagement für Flüchtlinge können dementsprechend ausfallen. Aber auch bürokratische Hürden oder Unwissenheit können gerade ehrenamtliche Helfer ausbremsen.

Meistens gibt es vor Ort Vereine und Initiativen, die sich intensiv um die Integration von Flüchtlingen kümmern. Viele kann man in dieser Projektkarte finden. Von Fördermöglichkeiten bis zur rechtlichen Beratung sind hier praxisnahe Tipps zu bekommen.

Wichtige Ansprechpartner sind außerdem Bürgermeister, Landräte, Kreistags-, Landtags- oder Bundestagsabgeordnete. Sie können helfen, Projekte voranzubringen oder bestehende Hindernisse zu beseitigen.

Vertreibung, Verfolgung, Folter und Vergewaltigung sind Erlebnisse, die tiefe Spuren hinterlassen. Flüchtlingen, die so etwas erlebt haben, kann eine psychotherapeutische Betreuung helfen.

In Deutschland gibt es mehrere Zentren, die sich auf traumatisierte Flüchtlinge spezialisiert haben. Unter dem Dachverband "Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer e.V." (BAfF) haben sich 32 dieser Einrichtungen vernetzt. Zudem stehen verschiedene lokale Flüchtlingsinitiativen den Flüchtlingen im Alltag beratend zur Seite.

Wer mit Flüchtlingen arbeitet, bekommt Fluchtgeschichten erzählt und erfährt, was die Menschen durchgemacht haben. Das kann auf Dauer auch die Helfer belasten. Einige Ehrenamtliche überschätzen auch ihre eigenen Kräfte. Sie stoßen irgendwann an ihre Grenzen.

Gut aufgestellte Initiativen bieten ihren Engagierten die Möglichkeit, das Erlebte aufzuarbeiten - zum Beispiel in Teambesprechungen. Es gibt aber auch regionale Anlaufstellen, die professionelle Hilfe anbieten. Diese Hilfe sollte man auch nutzen, denn keinem ist geholfen, wenn sich die Engagierten aufreiben.

Große Wohlfahrtsverbände, wie die Caritas, können mit ihren hauptamtlichen Mitarbeitern Engagierte unterstützen, wenn Probleme auftreten. Sie bieten Broschüren mit Tipps an, wie man sich auf sein Engagement vorbereitet und mit Problemen umgeht.

In Schulungen kann man lernen, die Reaktionen traumatisierter Menschen zu verstehen. Das hilft den Flüchtlingen, aber auch den Helfern beim Verarbeiten der belastenden Situation. Die Malteser bieten einen solchen Kurs mit dem Deutschen Institut für Psychotraumatologie an.

Für einige Kulturkreise ist es unüblich, dass ein Mann und eine fremde Frau sich die Hand geben. Sie wollen dem Anderen so Respekt erweisen.

Man kann sein Gegenüber ansprechen, dass es in Deutschland üblich ist, sich die Hand zur Begrüßung zu geben. Man kann deutlich machen, dass man es als unfreundlich ansieht, wenn der Handschlag verweigert wird. Letztlich kann man aber niemanden zwingen, einem die Hand zu geben.

Übrigens: Unterschiede im alltäglichen Umgang sind ein Thema in den Integrationskursen, die Flüchtlinge durchlaufen. Auch die Frage, wie sich Menschen in Deutschland begrüßen, wird dort besprochen.

In sehr traditionell geprägten Flüchtlingsfamilien treten Frauen nach außen hin oft weniger in Erscheinung als die Männer. Will man diese Frauen zum Beispiel in das örtliche Vereinsleben einbinden, kann das zunächst schwierig sein.

Dennoch gibt es Initiativen, die sich auf die Integration von geflüchteten Frauen konzentrieren:

Das Projekt MiMi aus Hannover setzt darauf, Migrantinnen als Mediatorinnen auszubilden. Sie können dann mit geflüchteten Frauen in ihrer Herkunftssprache entsprechend sensibel über Themen wie Gesundheit oder Gewaltprävention sprechen.

Der Verein "von Meisterhand" in Berlin setzt auf gemeinsames traditionelles Handwerken. Frauen unterschiedlicher Herkunft tauschen sich aus und stärken ihr Selbstwertgefühl.

Die Berliner Initiative "Über den Tellerrand" bringt Flüchtlinge und Einheimische an einen Tisch – durch gemeinsames Kochen. Frauen werden dazu ermutigt, mit Deutschen ins Gespräch zu kommen.

Es gibt also Projekte und Initiativen, die speziell für geflüchtete Frauen gedacht sind, die es ihnen erleichtern, Wege in die Gesellschaft zu finden. Aber natürlich kann auch jede andere Initiative das Interesse von geflüchteten Frauen wecken.

Ein Beispiel ist "Multaka": Syrische und irakische Flüchtlinge führen ihre Landsleute in ihrer Muttersprache durch Berliner Museen. Unter den Engagierten sind auch syrische Frauen. Ihr Interesse für die Kultur hat sie zusammengeführt.

Menschen aus anderen Kulturen zu verstehen und ihre Lebensweise zu berücksichtigen, ist wichtig, um Konflikte zu vermeiden. Offen für die Anderen zu sein, ist ein erster Schritt.
Wie man mit kulturellen Unterschieden sensibel umgeht, kann man in Kursen lernen. In der Wirtschaft, in Behörden oder unter Ärzten ist es schon länger üblich, dass entsprechende Schulungen stattfinden.

Für Menschen, die in der Flüchtlingshilfe aktiv sind, gibt es ebenfalls bei verschiedenen Anbietern speziell auf sie zugeschnittene Kurse. Hier lernt man, wie man auf Menschen aus anderen Kulturen zugeht, den Umgang mit Vorurteilen und Konfliktmanagement. Man erwirbt "Interkulturelle Kompetenz".

Informationen zu solchen Kursen findet man im Internet, bei den Wohlfahrtsverbänden oder den Volkshochschulen.

Übrigens: Auch die Flüchtlinge lernen im Integrationskurs kulturelle Unterschiede kennen. Sie diskutieren über ihre Erfahrungen und lernen, wie man jemanden richtig begrüßt oder Gespräche mit Vorgesetzten führt.

Wie man fremdenfeindlichen Sprüchen entgegentreten kann, kommt ganz auf die Situation an. Gegen aggressive Menschen in aufgeheizter Stimmung lässt sich schwer argumentieren. Sie sind für sachliche Argumente kaum zugänglich. Ihre Parolen verkünden vermeintlich einfache Wahrheiten.

Viele kennen Geschichten über Probleme mit Flüchtlingen aber nur vom Hörensagen. Wenn sich doch einmal ein persönlicher Kontakt mit Flüchtlingen ergibt, ändert sich die Einstellung mancher Skeptiker. Denn dann steht ihnen ein Mensch mit einem oft bewegenden Schicksal gegenüber.

Es gibt aber auch Menschen, die für Diskussionen offen sind. Sie haben vor etwas Angst - zum Beispiel Überfremdung. Hier kann man ansetzen und die Fakten von einer anderen Seite beleuchten.

Dabei muss man nicht unter den Tisch kehren, dass die Integration von Flüchtlingen aus einem anderen Kulturkreis eine große Herausforderung ist. Ja, es gibt und gab auch Probleme. Die müssen offen benannt werden. Die Integration wird lange dauern und Geld kosten.

Aber: Die Bundesregierung hat den Flüchtlingsstrom des Jahres 2015 in geordnete Bahnen gelenkt.

  • Mit dem Integrationsgesetz wird verstärkt auf Fördern und Fordern gesetzt.
  • Neuankommende sollen so schnell wie möglich Deutsch lernen und mehr als bisher über das Zusammenleben in Deutschland erfahren. Wer einen verpflichtenden Sprachkurs verweigert, bekommt Leistungen gekürzt.
  • Straftäter können abgeschoben werden.
  • Derzeit beantragen wesentlich weniger Menschen in Deutschland Asyl als Ende 2015. Gleichzeitig kehren Asylsuchende freiwillig in ihr Herkunftsland zurück. Viele weitere würden ihnen folgen, wenn sich die Situation in ihrem Heimatland verbessert. Es gibt Rückführungen für Menschen ohne Bleiberecht.
  • Die, die bleiben, werden nach einem festen Schlüssel über das ganze Land verteilt. Ein Wohnort wird ihnen zugewiesen. So ist eine Integration besser möglich, als wenn alle Flüchtlinge in wenigen Großstädten leben und nur untereinander Kontakte pflegen.
  • Wer dauerhaft bleiben will, muss nicht nur Deutsch können, er sollte auch seinen Lebensunterhalt selber verdienen.
  • Um Flüchtlingen einen schnelleren und einfacheren Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen, hat die Bundesregierung ebenfalls Gesetze geändert. Die meisten Flüchtlinge sind unter 30 Jahre alt und wollen etwas aus ihrem Leben machen. Sie wollen arbeiten. Gut qualifizierte werden schnell Arbeit finden. Für diejenigen, die nur wenige Jahre auf der Schule waren, wird es schwieriger. Sie müssen erst auf das nötige Bildungsniveau gebracht werden, um eine Ausbildung beginnen zu können.

Menschen, die dem Zuzug von Flüchtlingen kritisch gegenüberstehen, argumentieren manchmal: "Wieso soll ich Flüchtlingen entgegen kommen? Die sollen sich integrieren, nicht umgekehrt."

Es ist richtig, dass sich Flüchtlinge, die in Deutschland bleiben dürfen, an unsere Regeln des Zusammenlebens anpassen müssen. Sie müssen Deutsch lernen, die Gesetze achten. Sie sollten ihren Lebensunterhalt möglichst selber verdienen und sich in die Gesellschaft einbringen. Kurz: Sie müssen sich integrieren. Dazu sollte man ihnen aber auch die Möglichkeit geben.

Niemand muss seine Vorstellungen und Werte über Bord werfen, um seinen neuen Nachbarn offen zu begegnen. Im Gegenteil, jeder sollte wissen, was ihm wichtig ist. Nur so kann man Veränderungen in seinem Sinne beeinflussen. Nur wenn die Flüchtlinge am normalen Leben in Deutschland teilnehmen, können sie lernen, was die Deutschen von ihnen erwarten.

Für Integration braucht es also auch die Mithilfe der Deutschen. Gerade weil die Menschen aus einem anderen Kulturkreis kommen, ist die Aufgabe, sie zu integrieren, besonders groß.

Zahlreiche Beispiele für Menschen, die Integration in die Hand nehmen, finden Sie hier.

Ein unbefristetes Aufenthaltsrecht wird an Integrationsleistungen geknüpft, wie etwa Sprachkenntnisse zu erwerben oder den Lebensunterhalt selber zu verdienen. Wer sich besonders gut integriert, kann bereits nach drei Jahren eine Niederlassungserlaubnis erhalten. Der Anreiz, sich zu integrieren, ist also da. Wer sich total verweigert kann nicht auf Dauer bleiben. Straftäter können ausgewiesen werden.

Verstoßen Flüchtlinge gegen ihre Pflichten, sind aber noch schutzbedürftig, können sie nicht sofort ausgewiesen werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn in ihrem Herkunftsland ihr Leben aufgrund eines Krieges in Gefahr ist. Ihre Bleibegenehmigung wird dann aber nur befristet und abhängig von der Situation im Herkunftsland verlängert.

Flüchtlinge, die kein Wort Deutsch sprechen, aber in Deutschland bleiben wollen, müssen Deutsch lernen. Dafür müssen sie einen Integrationskurs besuchen. Sie haben maximal ein Jahr Zeit, um ihren Anspruch auf einen Kurs geltend zu machen. Grundsätzlich ist die Nachfrage nach Integrationskursen groß. Aber wenn jemand die Teilnahme am Kurs verweigert, werden ihm die Bezüge gekürzt. Zu einem Integrationskurs verpflichtet sind zum Beispiel Flüchtlinge, die Grundsicherung für Arbeitssuchende beziehen.

Für Flüchtlinge gelten die gleichen Regeln des Zusammenlebens wie für Deutsche. Wenn Flüchtlinge bestimmte Umgangsformen erst lernen müssen, kann man dafür Verständnis aufbringen. Manches lässt sich durch Gespräche lösen und erklären.

Wenn es aber ernst wird, wenn es zu Belästigungen, Drohungen oder Straftaten kommt, ist die Polizei zuständig. Solche Delikte lassen sich auch nicht mit kulturellen Unterschieden oder den Verhältnissen in der Heimat rechtfertigen. Die meisten Flüchtlinge sind genauso entsetzt über derartiges Fehlverhalten, wie viele Deutsche.

Im Integrationskurs lernen die Flüchtlinge, wie das Zusammenleben in Deutschland funktioniert. Angefangen vom alltäglichen Umgang mit den Mitmenschen bis hin zum funktionierenden Rechtsstaat.

Dort wo es in der Vergangenheit zu Problemen gekommen ist, wurden häufig Lösungen gefunden. Ein Beispiel sind Schwimmbäder, die mit klaren Regeln zeigen, was erlaubt ist und wo Grenzen liegen.

Grundsätzlich gilt:
Jede Straftat wird von deutschen Behörden verfolgt. Polizei und Justiz machen dabei keine Unterschiede bei Tatverdächtigen bzw. Tätern. Das garantiert unser Grundgesetz. Denn niemand darf wegen seiner Abstammung, seiner Sprache, oder seines Glaubens benachteiligt oder bevorzugt werden.

Das Bundeskriminalamt hat gemeinsam mit den Polizeien der Länder eine Lageübersicht erstellt. Die Zahlen zeigen, dass der Großteil der Asylbewerber und Flüchtlinge keine Straftaten begeht. Sie suchen vielmehr in Deutschland Schutz und Frieden.

Werden Asylbewerber straffällig, können sie ausgewiesen werden. Wie die Behörden entscheiden, hängt von der Straftat und der Strafe ab.

Ausländische Straftäter müssen das Land verlassen, wenn sie zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurden - unabhängig davon, ob die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wurde oder nicht. Das gilt bei Straftaten gegen das Leben, gegen die körperliche Unversehrtheit, gegen die sexuelle Selbstbestimmung und bei Angriffen auf Polizisten. Auch Seriendiebstähle oder Raub können zur Ausweisung führen.

Asylbewerber werden ausgewiesen, wenn sie Ausländer eingeschleust haben. Drogendelikte oder Landfriedensbruchs könne weitere Anlässe sein. Die Behörden können aber auch aus anderen Gründen entscheiden, dass ein Asylbewerber das Land verlassen muss.

Grundsätzlich gilt: Wer straffällig wird und nicht ausgewiesen werden kann, muss die Strafe in Deutschland absitzen. Auch nach der Haft können straffällige Ausländer ausgewiesen werden, wenn sie eine Gefahr für die Allgemeinheit sind.

Seit 2012 gibt es im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge eine Beratungsstelle Radikalisierung. An die können sich Menschen wenden, die bei ihren Freunden, Kindern oder Bekannten islamistische Tendenzen feststellen. Es gibt Ausstiegsprogramme für Islamisten.

Telefon: 0911/943 43 43
E-Mail: beratung(at)bamf.bund.de

Sollte sogar der Verdacht aufkommen, dass ein Anschlag geplant ist, gibt es eine weitere Nummer:
Hinweistelefon islamistischer Terrorismus: 0221/792-3366

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