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Deutschland unterstützt Frankreich, den Irak und die internationale Allianz in ihrem Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS). Der Einsatz soll die Fähigkeit des IS zerstören, aus dieser Region heraus weltweite Terror-Angriffe zu steuern. Und der IS darf nicht länger die Möglichkeit haben, die Bevölkerung in Syrien und im Irak zu töten, zu foltern und zu versklaven. Ziel muss es sein, dass die Menschen in dieser Region wieder eine Perspektive haben.

Rechtsgrundlage für die Entsendung ist das Recht auf kollektive Selbstverteidigung in Artikel 51 der UN-Charta. Zudem hatte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen alle Nationen dazu aufgerufen, die notwendigen Maßnahmen zur Bekämpfung des sogenannten IS in Syrien zu ergreifen (Resolution 2249 vom 20. November 2015).

In dieser Resolution heißt es unter anderem: Die Nationen werden aufgefordert, "sofern es ihnen möglich ist, sich dem Kampf gegen den IS anzuschließen und ihre Anstrengungen zur Verhinderung von weiteren Angriffen der Gruppe zu verdoppeln." Die Staaten werden zudem dazu aufgerufen, "in den vom IS kontrollierten Gebieten im Irak und in Syrien mit allen Mitteln in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht, der UN-Charta und den Menschenrechten tätig zu werden, um Terrorakten zuvorzukommen, diese zu unterbinden sowie die Rückzugsräume zu zerstören."

Deutschland unterstützt Frankreich auch im Rahmen der Beistandspflicht unter den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Diese Pflicht steht in Artikel 42 (7) des EU-Vertrags. Die Entsendung erfolgt im Rahmen und nach den Regeln eines "Systems gegenseitiger kollektiver Sicherheit" nach Artikel 24 (2) des Grundgesetzes.

Deutschland beteiligt sich beim Schutz eines Flugzeugträgers, bei der Luftbetankung und der militärischen Aufklärung.

Eine deutsche Fregatte mit rund 200 Mann Besatzung wird den französischen Flugzeugträger Charles de Gaulle im östlichen Mittelmeer schützen. Dieser Flugzeugträger dient als schwimmende Luftwaffenbasis vor der syrischen Küste. Auf ihm sind Jets stationiert, die Luftangriffe gegen den IS in Syrien fliegen.

Tankflugzeuge können die Jets in der Luft betanken, damit sie länger über dem Einsatzgebiet fliegen können. Diese Spezialmaschinen sind knapp: Frankreich und die gesamte Anti-IS-Koalition sind für jeden weiteren Tanker dankbar. Die deutsche Luftwaffe unterstützt die internationale Koalition mit Maschinen des Typs Airbus A 310 MRTT.

Die militärische Aufklärung erfolgt aus dem All und der Luft. Dabei sammelt die internationale Koalition Informationen über den sogenannten Islamischen Staat, aber auch über die Lage ziviler Objekte.

Das deutsche Satelliten-System SAR Lupe kann Radarbilder aus dem All beisteuern, die die französischen Satellitenbilder ergänzen.

Die sogenannten Recce-Tornados können bei Tag und Nacht hochauflösende Bilder des Einsatzgebietes machen. Noch während des Flugs überträgt der Tornado die Daten in Echtzeit an die Bodenstation. Die Bundeswehr wird bis zu sechs Maschinen zur Verfügung stellen. Zusammen mit einem Tankflugzeug sind sie im türkischen Incirlik stationiert.

Insgesamt können sich bis zu 1.200 Soldatinnen und Soldaten an diesem Einsatz der Bundeswehr beteiligen. Bei der Zahl handelt es sich um eine Obergrenze. Sie ist bewusst hoch angesetzt, um einen Wechsel, zum Beispiel zwischen den Schiffsbesatzungen oder den Technik-Crews für die Tornados zu ermöglichen.

Der Einsatz erfolgt vorrangig im und über dem Operationsgebiet des IS in Syrien, im östlichen Mittelmeer, im Persischen Golf, im Roten Meer sowie den angrenzenden Seegebieten. Die Bundeswehr kann auch auf dem Territorium von Staaten eingesetzt werden, deren Regierungen einem Einsatz zugestimmt haben.

Außerdem entsendet Deutschland Personal in Stäbe anderer Staaten und der internationalen Allianz. Diese Stäbe leiten und koordinieren den Einsatz, zum Beispiel von Kuwait oder Katar aus.

Ganz oben steht das US-amerikanische Hauptquartier CENTCOM in Tampa (Florida), das die gesamte Operation der internationalen Koalition koordiniert.

Darunter gibt es das Hauptquartier der Koalition in Kuwait, das auch die Marine-Einsätze steuert.

Die Luftwaffenbasis in Al Udeid (Katar) koordiniert die Luftstreitkräfte. Von dort aus werden die Aufträge an die Tornados erteilt. In diesen Stab sind auch deutsche Soldaten integriert.

Den ersten Einsatz führten die Piloten der Luftwaffe im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat durch. Am 15. Dezember 2015 startete das Tankflugzeug Airbus A310 MRTT von der türkischen Luftwaffenbasis Incirlik zu einem ersten, fünfstündigen Einsatzflug. Laut Aussage des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam wurden dabei zweimal Kampfjets der internationalen Koalition im Flug betankt.

Zwei Tornado-Aufklärungsflugzeuge und der Airbus zur Flugbetankung hatten bereits am Donnerstag, 10. Dezember, mit 40 Soldaten die türkische Luftwaffenbasis Incirlik erreicht. Sie waren vom Luftwaffenstützpunkt im schleswig-holsteinischen Jagel aufgebrochen. Die Angehörigen des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 nutzten dafür das neue Transportflugzeug vom Airbus A400M. Am 4. und 5. Januar 2016 verlegten weitere 100 Soldatinnen und Soldaten sowie vier Tornados auf die türkische Basis.

Geplant ist, in Incirlik bis zu 250 deutsche Soldatinnen und Soldaten zu stationieren. Sie unterstützen die Betankungs- und Aufklärungsflüge über Syrien. Die Tornados liefern seit dem 8. Januar Aufklärungsbilder.

Die Fregatte "Augsburg" ist bereits seit dem 6. Dezember an der Sicherung des französischen Flugzeugträgers "Charles de Gaulle" im Mittelmeer beteiligt.

Seit dem Jahr 2009 verfügt die Luftwaffe über das digitale Aufklärungssystem "RecceLite" (Reconnaissance Litening Pod). Es wird in einem Behälter am Rumpf des zweisitzigen Jets angebracht. Möglich ist das sowohl bei der IDS- als auch bei der ECR-Version des Tornados.

Mit dem "RecceLite" können Aufklärungsergebnisse in hoher Qualität geliefert und besser ausgewertet werden. Darüber hinaus ist eine Echtzeitübertragung der Aufklärungsergebnisse im Flug an die Bodenstation möglich. "RecceLite" ist in der Lage, hochauflösendes digitales Bildmaterial mit Hilfe von Infrarot- und optischen Sensoren aus niedrigen und mittleren Höhen zu sammeln.

Mit verschiedenen Einbausätzen können die Mehrzweckflugzeuge vom Typ Airbus A310 zum Passagier- und Frachttransport, als MedEvac-Variante zum Verwundeten- und Krankentransport oder zur Luftbetankung eingesetzt werden.

Beim Umrüsten zur Tanker-Variante werden unter anderem vier Zusatztanks im Rumpf montiert sowie unter jeden Flügel ein rund 600 Kilogramm schwerer Betankungspod angebracht. Aus dem Pod rollt beim Betanken ein 22 Meter langer Schlauch mit einem Betankungskorb ab. Das jeweils zu betankende Flugzeug führt seine Tanksonde in den Korb ein. Pro Minute können dann bis zu 1.600 Liter Treibstoff übergeben werden.

Dafür gibt es klare Regeln. Deutschland wertet die Ergebnisse des Tornado-Flugs zunächst selbst aus. Anschließend geben die Bundeswehr-Soldaten die gewonnenen Daten an die Luftstreitkräfte der Koalition weiter.

Russland erhält keine Daten deutscher Tornados. Mit Russland findet aber ein sogenanntes Deconflicting statt. Dabei tauschen Russland und die Anti-IS-Koalition technische Informationen darüber aus, wer sich zu welcher Zeit in welchem Luftraum befindet. Damit sollen Unfälle und Missverständnisse verhindert werden.

Nein. Die Bundeswehr wird nicht mit Truppen unter dem Kommando Assads zusammenarbeiten.

Der Einsatz ist auf zunächst ein Jahr befristet. Für 2016 hat die Bundesregierung dafür Kosten von rund 134 Millionen Euro eingeplant.

Bei der Zahl von 1.200 Soldaten handelt es sich um eine Obergrenze. Sie ist bewusst hoch angesetzt, um einen Wechsel, zum Beispiel zwischen den Schiffsbesatzungen oder den Technik-Crews für die Tornados zu ermöglichen.

Ein Militäreinsatz birgt immer ein besonderes Risiko für die eingesetzten Soldatinnen und Soldaten. Das gilt für die deutschen Einsatzkräfte genauso wie für die Soldaten der anderen beteiligten Nationen.

Je nach Einsatzort sind die Gefahren dabei sehr unterschiedlich. Der Einsatz in den Koordinierungsstellen der Hauptquartiere oder in den Tankflugzeugen ist weniger gefährlich als der Einsatz in einem Tornado-Aufklärungsflugzeug.

Diese Flugzeuge bewegen sich bei den Einsätzen in mittleren und niedrigen Höhen, so dass sich nie ganz ausschließen lässt, dass sie beschossen werden. Die Tornados sind aber mit Sicherungssystemen ausgestattet, um das Risiko möglichst gering zu halten. Außerdem können die Piloten innerhalb von Sekunden die Höhe und Geschwindigkeit des Jets anpassen, um Gefahren auszuweichen.

Deutschland steht als Teil der westlichen Wertegemeinschaft bereits im Fadenkreuz des IS. Die Gefährdungslage wird sich durch den Einsatz der Bundeswehr nicht verändern.

Deutschland beteiligt sich außerdem bereits an der internationalen Allianz gegen den Terror. Die Bundeswehr bildet zusammen mit internationalen Partnern im Nordirak kurdische "Peschmerga" für ihren Kampf gegen den IS aus. Deutschland hat auch Material, Waffen und Munition an die kurdischen Kämpfer geliefert.

Es gibt erste Impulse für einen Friedensprozess für Syrien. In Wien verhandeln die Außenminister von 18 Staaten über eine Lösung des Konflikts. Zu den Teilnehmern gehören unter anderem die Nachbarstaaten Syriens: Die Türkei, der Iran, Jordanien und Saudi-Arabien. Auch Deutschland nimmt an diesen Gesprächen teil.

Dabei gibt es erste Erfolge: Ab Januar sollen sich die syrische Regierung und Vertreter der Opposition miteinander treffen. Ziel ist es, innerhalb von sechs Monaten eine Übergangsregierung zu bilden und schließlich einen nationalen Waffenstillstand zu vereinbaren.

Der IS hingegen hat keinerlei Interesse an Verhandlungen – sein Ziele sind Terror und Vernichtung.