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Die Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland

Seit 1971 sammelt der Bund Kunst. In über vier Jahrzehnten ist eine umfangreiche Sammlung entstanden. Sie dokumentiert das künstlerische Schaffen und damit die Entwicklung der zeitgenössischen Kunst in der Bundesrepublik Deutschland.

Die Sammlung basiert auf der Überzeugung, dass die bildende Kunst in einer demokratischen Gesellschaft eine wesentliche Rolle spielt.

"Sie fördert die kritische Auseinandersetzung mit den geistigen Strömungen der Zeit und hilft neue Ansätze und Orientierungen zu finden", heißt es in einem frühen Ausstellungskatalog.

Sammlung ohne Haus

Initiiert wurde die Bundeskunstsammlung vom damaligen Bundeskanzler Willy Brandt. Er nahm damit eine Idee des Vorsitzenden des Deutschen Künstlerbundes, Georg Meistermann, auf. Nachdem die Sammlung zunächst unter der Obhut des Bundesinnenministers stand, wird sie heute von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien verwaltet.

Einen festen Ort, an dem die Sammlung ständig zu besichtigen ist, gibt es nicht. Die Werke werden an öffentliche Institutionen, Ministerien, Botschaften, das Bundeskanzleramt, aber auch an zahlreiche Museen in Deutschland ausgeliehen. Für die Öffentlichkeit ist die Sammlung vor allem in Ausstellungen zugänglich.

Eine Ankaufskommission entscheidet

Über die Ankäufe für die Bundeskunstsammlung entscheidet eine unabhängige Kommission aus Fachleuten. Die ehrenamtlich tätigen Mitglieder werden alle fünf Jahre von der Beauftragten für Kultur und Medien neu berufen. Zum Ankauf treffen sich die Mitglieder auf den drei international wichtigen Kunstmessen in Basel, Berlin und Köln. Dabei stehen ihnen zurzeit fast 400.000 Euro zur Verfügung.

Kunst in Deutschland seit 1949

Heute umfasst die Sammlung des Bundes mehr als 1.500 Werke. Erworben wurden mit wenigen Ausnahmen Arbeiten, die nach 1949 entstanden. Vertreten sind alle Gattungen der bildenden Kunst von der Grafik bis zur Rauminstallation, von der Fotografie bis zur Videoarbeit. 

Neben Werken der jungen und jüngsten Künstlergeneration enthält sie auch Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, die bereits in Vergessenheit geraten sind. "Sie ist ein Archiv, an dem man die Entwicklung deutscher und internationaler Kunst in unserem Land wunderbar ablesen kann", so der Katalog zur Ausstellung "Visit[e]".

Sammlung mit eigenem Charakter

Dabei ist die Bundeskunstsammlung trotz ihres offiziellen Charakters und der hohen Qualitätskriterien keine Museumssammlung. Sie repräsentiert vielmehr die durchaus vielfältigen Überzeugungen und Sammelstrategien der wechselnden Ankaufskommissionen, denen es nicht darum gehen konnte, Werke allseits geschätzter Künstler zu entsprechend hohen Preisen zu erwerben.

Entsprechend müssen "Lücken" in Kauf genommen werden: Von einer ganzen Reihe anerkannter Künstler wie Georg Baselitz, Markus Lüpertz oder A.R. Penck enthält die Sammlung ausschließlich Papierarbeiten. Andere wie zum Beispiel Gerhard Richter sind nur mit einzelnen Werken vertreten, Werke von Anselm Kiefer fehlen ganz. Fehlstellen, die sich wegen der Preisentwicklung auf dem Kunstmarkt auch kaum mehr schließen lassen.

Die Bundeskunstsammlung ist heute als Leihgeber für viele Institutionen von Bedeutung. Das große Interesse macht deutlich, dass sich die Anfang der achtziger Jahre geäußerte Hoffnung erfüllt, "dass die Regierenden sich stärker, als es in der Regel der Fall ist, mit jener Kunst identifizieren, die unsere Welt und unser Leben widerspiegelt".

Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 13.7.2015.