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Rückführung von "Beutekunst"

Im Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche Kulturgüter aus Deutschland als "Beutekunst" nach Russland und in andere Staaten vor allem Osteuropas verbracht. Ihre Rückführung ist ein wichtiges Ziel der Bundesregierung.

Die Restauratorin Sandra Meinung von der Restaurierungswerkstatt der historischen Bleiglasfenster der Marienkirche in Frankfurt (Oder) stellt sechs restaurierte Teile vor ein Fenster der Kirche. Zurückgegeben: Fenster der Marienkirche in Frankfurt an der Oder Foto: picture-alliance/ dpa

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien ist auf Seiten der Bundesregierung verantwortlich für die Verhandlungen über Kulturgüterrückführung mit Russland. Für die Konsultationen mit allen anderen Staaten ist das Auswärtige Amt zuständig.

In den Verhandlungen mit ausländischen Gesprächspartnern handelt die Bundesregierung im Bewusstsein ihrer besonderen Verantwortung für die Verbrechen, die während des Zweiten Weltkriegs in den besetzten Gebieten begangen wurden. Der systematische Kulturgüterraub des nationalsozialistischen Regimes hat den betroffenen Museen, Bibliotheken und Archiven in den besetzten Ländern schweren Schaden zugefügt. Bei den Gesprächen wird auch berücksichtigt, dass die Sowjetunion in den 1950er Jahren zahlreiche Kulturgüter an die ehemalige DDR zurückgegeben hat.

"Beutekunst" in Russland

Nach Erkenntnissen der Bundesregierung werden in Russland noch über eine Million Kunstgegenstände aus Deutschland vermutet: Dazu gehören 200.000 Kunst- und Kulturschätze von besonderer musealer Bedeutung, rund 3,6 Millionen Bücher aus öffentlichen Einrichtungen und Privatsammlungen sowie Archivgut von drei Regalkilometern Länge. Darunter sind Sammlungsbestände großer Einrichtungen und Museen. Hinzu kommen Nachlässe berühmter Persönlichkeiten der Zeitgeschichte sowie viele Gegenstände aus Privatbesitz.

Dialog mit Russland

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien sucht regelmäßig Kontakt zu verschiedenen Ansprechpartnern der russischen Regierung und des russischen Kulturbetriebs. Für Staatsministerin Monika Grütters gehört das Thema Beutekunst zur Agenda der jährlich stattfindenden Deutsch-Russischen Regierungskonsultationen.

Grundlagen der Verhandlungen

Deutschland verhandelt auf der Grundlage der völkerrechtlichen Vereinbarungen (Haager Landkriegsordnung von 1907, deutsch-russisches Abkommen über kulturelle Zusammenarbeit von 1992). Nach Artikel 15 des Abkommens von 1992 stimmen die Vertragsparteien darin überein, dass verschollene oder unrechtmäßig verbrachte Kulturgüter, die sich in ihrem Hoheitsgebiet befinden, an den Eigentümer oder seinen Rechtsnachfolger zurückgegeben werden.

Die Gespräche gestalten sich wegen unterschiedlicher Standpunkte schwierig. Ein Grund hierfür ist ein 1998 verabschiedetes russisches Gesetz. Darin werden nahezu alle kriegsbedingt aus Deutschland verbrachten Kulturgüter zu russischem Staatseigentum erklärt. Dieses „Beutekunstgesetz“ steht nicht im Einklang mit international gültigem Völkerrecht.

Verhandlungen über Einzelfälle

In den vergangenen Jahren konnten einzelne Erfolge wie die Rückgabe der mittelalterlichen Fenster der Marienkirche in Frankfurt/Oder erzielt werden. Für die Mehrzahl der fraglichen Kulturgüter ist jedoch noch keine von beiden Seiten akzeptierte Lösung gefunden worden.

Die russische Seite führt bisher lediglich Verhandlungen über ausgewählte Einzelfälle. Hier geht es vor allem um Kulturgut, das Opfern des NS-Regimes oder Religionsgemeinschaften abhanden gekommen ist. Anlässlich der 7. Deutsch-Russischen Regierungskonsultationen 2004 wurden auf Beschluss beider Seiten vier bilaterale Arbeitsgruppen gegründet, die sich eben diesen Sonderfällen widmen. Zuletzt wurde im Januar 2013 in der Arbeitsgruppe "Archive" verhandelt. Kooperationen von Experten beider Länder werden folgen. Zu Gesprächen in weiteren Arbeitsgruppen wird die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien einladen.

Kooperationen zwischen deutschen und russischen Fachleuten

Russland und Deutschland sind Partner, die auf dem Gebiet der Kultur eng zusammenarbeiten. Die Bundesregierung unterstützt Museen, Archive und Bibliotheken beim Ausbau ihrer bilateralen Beziehungen.

In den zurückliegenden Jahren sind die Arbeitsbeziehungen zwischen deutschen und russischen Fachleuten immer enger geworden. Das ist die Basis dafür, dass so erfolgreiche Projekte wie zum Beispiel die Ausstellung "Bronzezeit. Europa ohne Grenzen" realisiert werden konnten. Die Ausstellung wurde 2013/2014 in Sankt Petersburg gezeigt.

Diese Projekte stimmen zuversichtlich, dass auch in der Frage der Rückführung kriegsbedingt verbrachter Kulturgüter einvernehmliche Lösungen gemeinsam mit den russischen Partnern erarbeitet werden.

Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 2.3.2015.