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Deutsch-polnischer Kulturaustausch

Deutschland und Polen sind seit Jahrhunderten durch enge kulturelle Beziehungen miteinander verbunden. Beide Länder haben ihre kulturelle Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren weiter intensiviert.

Das Breslauer Rathaus Das Rathaus von Wroclaw (Breslau): die traditionsreiche Oderstadt ist europäische Kulturhauptstadt 2016. Foto: Gunter Kirsch/ddp images

2016 können Deutschland und Polen ein bedeutendes Jubiläum feiern - vor 25 Jahren unterzeichneten Vertreter beider Länder den Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit. Damit besiegelten die Nachbarstaaten den Beginn eines neuen Kapitels, das auf weitere Verständigung und umfassender Zusammenarbeit auf politischer wie gesellschaftlicher Ebene gerichtet ist. Aus Anlass des 25jährigen Jubiläums finden zahlreiche deutsch-polnische Kooperationen und Projekte statt.

25 Jahre gutnachbarliche Zusammenarbeit

Fast auf den Tag genau 25 Jahre nach Ratifizierung des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags kamen die Regierungen beider Länder zu Konsultationen in Berlin zusammen; zum ersten Mal seit dem Regierungswechsel in Polen im November 2015. Beide Seiten hoben die Wichtigkeit der Beziehungen bieder Länder hervor und bekräftigten den Willen zu Freundschaft und Versöhnung. Als Beitrag zum Jubiläum hat die Kulturstaatsministerin schon im vergangenen Jahr das "Kraszsewki-Programm initiiert, um den Austausch von Kulturschaffenden zu fördern. Die Projekte des Programms werden vom Deutschen Kulturforum Östliches Europa realisiert.

Das "Kraszewski-Programm: Biografische Verflechtungen, Künster und Literaten zwischen Deutschland und Polen" ist nach Josef Ignacy Kraszewski benannt. Der polnische Schriftsteller des 19.Jahrhunderts lebte in Dresden im Exil.

Das Deutsche Kulturforum Östliches Europa mit Sitz in Potsdam plant in diesem Rahmen unter anderem eine deutsch-polnische musikalische Entdeckungsreise mit Aufführungen von Franz Xaver Gebels Doppelquintett sowie eine deutsch-polnische Wanderausstellung zur jüdischen Geschichte und Kultur in Pommern, Schlesien und der Neumark unter dem Titel "Jüdisches Leben an der Oder".

Gemeinsame Aufarbeitung der Geschichte

Gemeinsam mit der Slowakischen Republik, Ungarn und Rumänien sind Polen und Deutschland Mitglied des Europäischen Netzwerks Erinnerung und Solidarität (ENRS). Der Sitz der Geschäftsstelle ist in Warschau.

Das ENRS widmet sich der Erforschung, Dokumentation und Vermittlung der Geschichte Europas im 20. Jahrhundert und möchte etwa durch Forschung, Bildungsprojekte die unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven in Europa bewusst machen. Das Europäische Netzwerk Erinnerung und Solidarität ist die einzige multilaterale Zusammenarbeit auf staatlicher Ebene zur Aufarbeitung des von Diktaturen und Gewalterfahrungen besonders geprägten 20. Jahrhunderts.

Exemplarische Projekte des ENRS waren der Freedom Express, mit dem sich im Jahr 2014 zwanzig junge Kreative auf eine Spurensuche der Jahre 1989/90 begaben, die sie von Danzig aus über Warschau, Budapest, Temeswar, Sopron, Bratislava und Prag bis nach Berlin führte. Als Initialzündung der Versöhnung zwischen den beiden Ländern gilt der Briefwechsel polnischer und deutscher Bischöfe, der 1965 begann. Im November 2015 widmete sich eine Ausstellung diesem mutigen Schritt der polnischen Geistlichen und der weiteren Entwicklung.

Kultur als Basis lebendiger Beziehung

Im Mai 2014, zum zehnjährigen EU-Beitritt Polens, hatte Kulturstaatministerin Monika Grütters die Bedeutung der "lebendigen und immer enger werdenden deutsch-polnischen Beziehungen" unterstrichen. Die Kultur bilde im Prozess des Zusammenwachsens und der guten Nachbarschaft in Europa ein wichtiges Element, so Grütters. "Die Rolle der Kultur kann dabei gar nicht hoch genug eingeschätzt werden."

Europäische Nachbarn

Breslau ist die Kulturhauptstadt Europas 2016. Unter dem Dach "Breslau-Berlin 2016" stehen deshalb in diesem Jahr eine Vielzahl von Veranstaltungen und Projekten, die die Begegnung dieser zwei kreativen Städte und lebhaften Gesellschaften als europäische Nachbarn in den Mittelpunkt rücken. Der kulturelle und künstlerische Austausch zwischen Berlin und Breslau war nie so intensiv wie heute und das gemeinsame Erleben der Kulturhauptstadt eröffnet die Chance zu einer noch engeren Zusammenarbeit.

Kultur und Geschichte der Polen in Deutschland

Die gute Nachbarschaft findet ihren Ausdruck in zahlreichen kulturellen Vorhaben. Im Juli 2013 nahm die Dokumentationsstelle zur Kultur und Geschichte der Polen in Deutschland ihre Arbeit auf. Ihren Sitz hat sie in Bochum. Dort lebten und arbeiteten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die meisten Menschen polnischer Herkunft.

Anliegen der Dokumentationsstelle ist es, Kultur und Geschichte der Polinnen und Polen in Deutschland sichtbar zu machen. Im Zentrum der Arbeit steht die Dokumentation von Erinnerungsorten zur Kultur und Geschichte der Polinnen und Polen in Deutschland sowie die digitale Präsentation von Dokumenten und Objekten in einem entsprechenden Internetportal (www.Porta-Polonica.de). Finanziert wird die Dokumentationsstelle aus dem Haushalt der Kulturstaatsministerin mit zur Zeit 306.000 Euro im Jahr.

Die Dokumentationsstelle wird - organisatorisch selbständig - durch das Westfälischen Landesmuseum für Industriekultur (LWL-Industriemuseum) geführt. Die fachliche Betreuung erfolgt durch den Museumsstandort "Zeche Hannover" in Bochum. Sitz der Dokumentationsstelle soll künftig nach seiner Sanierung das Haus des Bundes der Polen in Deutschland ebenfalls in Bochum sein.

Ort der Begegnung: Stiftung Genshagen

Eine wichtige Funktion in der kulturellen Zusammenarbeit der Länder des Weimarer Dreiecks - Deutschland, Frankreich, Polen - hat seit Jahren die Stiftung Genshagen übernommen. Sie versteht sich als Forum für den Dialog zwischen Politik und Zivilgesellschaft und als Ort der Begegnung für Kunst- und Kulturschaffende. Neben der französischen Regierung fördert auch Polen die Stiftung. Seit Mitte 2015 trägt die Stiftung den Namen "Berlin-Brandenburgisches Institut für die Zusammenarbeit von Deutschland, Frankreich und Polen in Europa".

Einen Schwerpunkt der Stiftung bildet die Kulturelle Bildung. Durch gemeinsame Kunst- und Kulturprojekte sollen vor allem junge Menschen aus den Ländern Frankreich, Polen und Deutschland die Chance zum gegenseitigen Austausch erhalten. Aber auch der Austausch zwischen Experten wird in Genshagen befördert. Auf Initiative des früheren Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und des polnischen Kulturministers hat die Stiftung ein deutsch-französisch-polnisches Residenzprogramm für Künstlerinnen und Künstler verschiedener Sparten entwickelt: das "George Sand - Frédéric Chopin Residenzprogramm". Im Rahmen dieses Programms haben auch 2015 Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland, Frankreich und Polen im Schloss Genshagen gewohnt und gemeinsam gearbeitet.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Auch bei der Digitalisierung des kulturellen Erbes arbeiten beide Länder inzwischen enger zusammen. Im Sommer 2011 haben die polnische Nationalbibliothek und die Staatsbibliothek Berlin Stiftung Preußischer Kulturbesitz eine Kooperationsvereinbarung über die Digitalisierung ihrer Bibliotheksbestände abgeschlossen. Eine Zusammenarbeit, die auf weitere Bibliotheken, Archive, Museen, den Bereich Film sowie den audiovisuellen Bereich ausgeweitet werden soll.

Um das kulturelle Erbe besser schützen und erhalten zu können, haben die Regierungen beider Länder außerdem vereinbart, beim Erfahrungs- und Technologieaustausch, bei der Förderung des Restaurierungswesens und der Denkmaldokumentation stärker zu kooperieren.

Ein gutes Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit sind auch die gemeinsamen Maßnahmen zur Erhaltung des Fürst-Pückler-Parks in Bad Muskau und Lecnica, einer der wenigen staatenübergreifenden Welterbestätten. Im Herbst 2011 konnte die sogenannte Englische Brücke als zweite Verbindung zwischen dem deutschen und dem polnischen Teil des Parks eingeweiht werden. Im September 2013 haben Deutschland und Polen gemeinsam die Fertigstellung des Schlosses gefeiert.

Projektförderung - Antrag und weitere Informationen

Für die Förderung von Projekten auf der Grundlage des deutsch-polnischen Vertrages vom 17. Juni 1991 stehen dem Bund zur Zeit jährlich 300.000 Euro zur Verfügung. Von der BKM zu fördernde Projekte sollen unter anderem zur Erhaltung und Pflege der polnischen Sprache, Kultur und Tradition in Deutschland beitragen, um die gegenseitige Kenntnis der Kulturen der beiden Länder durch den Dialog zu vertiefen. Eine externe und unabhängige Jury, die die Projekte fachlich bewertet, tagt zweimal jährlich.

Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 27.6.2016.