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Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung

Im vergangenen Jahrhundert wurden Millionen Menschen vertrieben. Die "Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung" wird in einem Dokumentations- und Informationszentrum in Berlin an dieses Unrecht erinnern und zur Versöhnung beitragen.

Treck von fluechtenden Bauern aus Ostpreussen.- Foto, um 1945, koloriert. Flüchtlingstreck 1945 in Ostpreussen Foto: picture-alliance / akg-images

Der Zweite Weltkrieg und die nationalsozialistischen Vernichtungs- und Expansionspolitik haben zur Flucht und Vertreibung von Millionen Menschen geführt. Über ihre Schicksale wird künftig das Dokumentationszentrum der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung informieren.

Die Vertreibungen von rund 14 Millionen Deutschen sollen dort besonders berücksichtigt werden. Ausgelöst durch die aggressive Außenpolitik des Deutschen Reiches, wurden sie aus den früheren preußischen Ostprovinzen und den Siedlungsgebieten in Mittel-, Ost- und Südosteuropa während und nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben.

Das neue Dokumentationszentrum soll im Geist der Versöhnung und in der Kontinuität der Verständigungspolitik dazu beitragen, an das Unrecht von Vertreibungen zu erinnern und Vertreibung für immer zu ächten.

Deutschlandhaus wird umgebaut

Sitz des Dokumentationszentrums ist das Berliner "Deutschlandhaus" in der Nähe des Potsdamer Platzes. Es wird zu diesem Zweck nach einem Entwurf der österreichischen Architekten Marte.Marte umgebaut und erweitert. Bundeskanzlerin Angela Merkel gab am 11. Juni 2013 das Startsignal dafür. Am 17. Oktober 2016 konnte dort Richtfest gefeiert werden.

Mit der Sanierung und dem Umbau des Deutschlandhauses entstehe "ein sichtbares Zeichen gegen Flucht und Vertreibung", sagte Kulturstaatsministerin Grütters beim Richtfest, das einen weiteren wichtigen Meilenstein darstellt. Sie sei dankbar, dass der Erinnerung an Flucht und Vertreibung Millionen Deutscher - im Bewusstsein deutscher Verbrechen - im und nach dem Zweiten Weltkrieg jetzt Raum gegeben werden könne. Seit April 2016 leitet die Historikerin Dr. Gundula Bavendamm die Stiftung.

Auf rund 3.000 Quadratmetern werden neben einer Dauerausstellung auch Flächen für ergänzende Wechselausstellungen, ein öffentlicher Lesesaal mit Bibliothek, Archiv und Zeitzeugenberichten sowie Veranstaltungen, pädagogische Angebote und ein Raum der Stille für das individuelle Gedenken zur Verfügung stehen. Die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin wird aus dem Haushalt der Kulturstaatsministerin finanziert.

Die Bundesregierung hat 2008 beschlossen, die "Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung" zu errichten. Ihr Träger ist das Deutsche Historische Museum (DHM). Zweck der Stiftung ist es gemäß § 16 des Errichtungsgesetzes, "im Geiste der Versöhnung die Erinnerung und das Gedenken an Flucht und Vertreibung im 20. Jahrhundert im historischen Kontext des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Expansions- und Vernichtungspolitik und ihren Folgen wachzuhalten".

Dem Stiftungsrat gehören 21 Mitglieder an. Davon werden 19 vom Deutschen Bundestag gewählt. Der Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum sowie der Präsident der Stiftung Haus der Geschichte sind qua Amtes Mitglied. Im Stiftungsrat sind die Bundesregierung mit drei Mitgliedern, der Deutsche Bundestag mit vier Mitgliedern und der Bund der Vertriebenen mit sechs Mitgliedern vertreten. Der Zentralrat der Juden in Deutschland sowie die Evangelische und die Katholische Kirche stellen je zwei Mitglieder. Am 2. Juli 2015 hat der Deutsche Bundestag einen neuen Stiftungsrat gewählt.

Gemäß Stiftungsgesetz richtet der Stiftungsrat einen Wissenschaftlichen Beraterkreis mit bis zu 15 Mitgliedern ein. Die Mitglieder werden für fünf Jahre berufen. Dem amtierenden Wissenschaftlichen Beraterkreis  gehören international ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Großbritannien, Österreich, der Schweiz, Tschechien und den USA an. Er berät den Stiftungsrat und den Direktor entsprechend dem Stiftungszweck in fachlichen Fragen.

Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 20.12.2016.