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Preisverleihung

Auszeichnung als Ansporn

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den diesjährigen Heinz-Galinski-Preis der Jüdischen Gemeinde zu Berlin erhalten. Damit wurde sie für ihre Überzeugungen und ihre Engagement beim Aufbau und Erhalt jüdischen Lebens in der Gesellschaft sowie ihr öffentliches Eintreten für Israel geehrt.

Bundeskanzlerin Merkel (2.v.l.) neben Ruth Galinski (2.v.r.) bei der Übergabe des Heinz-Galinski-Preises Bundeskanzlerin Merkel erhält den Heinz-Galinski-Preis Foto: Bundesregierung/Steins

"Sie sind unsere Garantie dafür, dass jüdisches Leben hier in der Bundesrepublik gedeihen kann und gedeihen wird", sagte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe.

Die Laudatio im Gemeindehaus in der Berliner Fasanenstraße hielt Jutta Limbach, ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts. Limbach würdigte das Eintreten Merkels für das Existenzrecht Israels. Besonders lobte sie ihre Bereitschaft, zu den Opfern der Terrororganisation "Nationalsozialistischer Untergrund" zu sprechen und dabei offen das Versagen der deutschen Behörden einzuräumen.

Im Dienst gegen das Vergessen

In ihrer Dankeserwiderung sagte die Kanzlerin, dass ihr der Heinz-Galinski-Preis "sehr, sehr viel" bedeute. Sie empfinde die Auszeichnung als Ansporn. Galinski habe sich nach dem Zweiten Weltkrieg und seinem persönlichen Leidensweg für ein Leben in Berlin entschieden. Zeit seines Lebens habe Heinz Galinski sich als Überlebender des Holocaust in Pflicht und Verantwortung gesehen. Er habe sein Leben - als Mahnung für kommende Generationen - in den Dienst gegen das Vergessen gestellt und die jüdische Gemeinde wieder aufgebaut.

Die Auszeichnung ist nach dem 1992 verstorbenen langjährigen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, benannt. Galinski war von 1949 bis 1992 Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Der Preis wird stets am 28. November, dem Geburtstag von Heinz Galinski, vergeben. In diesem Jahr wäre er 100 Jahre alt geworden.

Plurales Leben in Deutschland

Das neue lebendige jüdische Leben in Deutschland sei im wahrsten Sinne des Wortes wunderbar, so Merkel. Es gebe aber in Deutschland auch antisemitische und fremdenfeindliche Ansichten in manchen Teilen der Bevölkerung. Dies äußere sich sowohl verbal als auch in tätlichen Übergriffen. Am Umgang mit Minderheiten entscheide sich die Menschlichkeit einer Gesellschaft.

"Deutschland ist eine plurale Gesellschaft. Das hat sich nicht nur in unserer Fußball-Nationalmannschaft widerzuspiegeln, sondern muss sich auch in der Frage der Religionsausübung viel stärker beweisen", so die Kanzlerin. Als besonders traurig habe sie an der Beschneidungsdebatte empfunden, dass bei Abwägung aller Rechtsgüter in manchen Äußerungen jede Hemmschwelle verloren gegangen sei.

Deutschland steht fest an der Seite Israels

Die Kanzlerin warb für einen gerechten Frieden in Nahost. Deutschland stehe im Nahostkonflikt fest an der Seite Israels. "Die Sicherheit Israels ist Teil der Staatsräson der Bundesrepublik Deutschland. Wir sind nicht neutral." Das gelte auch dann, wenn Konflikte wie der zwischen der Hamas in Gaza und Israel sich erneut zuspitzten.

Israel habe wie jeder andere Staat das Recht und die Pflicht zur Selbstverteidigung. Die Region könne nur über Verhandlungen zur Lösung des Nahostkonflikts zur Ruhe kommen. Das erfordere von beiden Seiten schmerzhafte Kompromisse.

Preis wird gespendet

Der Heinz-Galinski-Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Das Bundeskabinett hat beschlossen, die Preissumme für den Deutschlandbesuch des arabisch-jüdischen Musicalprojekts "Step by Step – Sauwa Sauwa" zu spenden. Es ist ein Projekt der Konfliktbewältigung zwischen muslimischen und jüdischen Jugendlichen. Der Besuch in Deutschland soll die Jugendlichen dazu anregen, über andere Lebenswelten nachzudenken.

Donnerstag, 29. November 2012