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Patientenbeauftragter

Zeckenstiche nicht unterschätzen und verharmlosen

Die Lyme-Borreliose zählt zu den am meisten unterschätzten und verharmlosten Krankheiten in Deutschland. Darauf weist der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller, hin. In Deutschland sind rund eine Million Menschen betroffen. Eine Impfung gibt es nicht.

Eine Reliktzecke (Haemaphysalis concinna) krabbelt über den Arm eines MenschenBild vergrößern Gefährlicher Biss Foto: picture alliance / ZB

Zecken übertragen die Borreliose-Bakterien, die mit dem Syphilis-Erreger verwandt sind. Wird der Stich einer infizierten Zecke nicht schnellstmöglich behandelt, breitet sich der Erreger im gesamten Organismus aus. Dort führt er zur Erkrankung gleich mehrerer Organe.

Die Hauptbeschwerden: ein permanenter Erschöpfungs- und Krankheitszustand, chronische Schmerzen, Erkrankung von Gelenken und Muskeln, Gehirn, Rückenmark und Nerven, des Herzens, des Magen-Darm-Traktes, des Auges neben zahlreichen sonstigen Organerkrankungen. Fast immer wird die Hirnleistung beeinträchtigt.

Erschwerte Diagnose

Erschwert wird die Diagnose, weil für die Krankheit ein so genannter positiver Marker fehlt. Erst Tage bis Wochen nach dem Zeckenstich setzt bei der Hälfte der Patienten eine so genannte Wanderröte ein. Diese vergrößert sich zentrisch und tritt an mehreren Hautstellen auf.

Im Frühstadium - bis zu vier Wochen nach der Infektion - ist die Borreliose gut und kostengünstig medikamentös behandelbar. Setzt die Lyme-Krankheit allerdings erst einmal ein, sind aufwändige Behandlungen mit beträchtlichen Folgekosten notwendig. Besonders schlimm: Die Krankheit verläuft oft chronisch über Jahre oder Jahrzehnte. Häufig wird die chronische Lyme-Borreliose verkannt, bestritten oder auch bagatellisiert. 

Für eine bessere medizinischen Betreuung bei Lyme-Borreliose ist eine gezielte Fachausbildung der Ärzte erforderlich. Bislang fehlen belastbare klinische Studien, die die Weiterbildung der Ärzte erleichtern könnten.

Das Wissen der Selbsthilfegruppen nutzen

Für den Patientenbeauftragten Wolfgang Zöller ist klar, dass den Patienten auf der Suche nach der richtigen Behandlung und dem kompetenten Arzt geholfen werden muss: "Der Borreliose-Patient muss erst genommen werden."

Zugleich forderte Zöller, Selbsthilfegruppen mit ihrer Sachkompetenz stärker heranzuziehen. Der Patientenbeauftragte plädiert zudem dafür, die Meldepflicht für die Borreliose auch für die westlichen Bundesländer zu überprüfen.

Freitag, 13. August 2010