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Integrationsprojekt in Frankfurt

Stich für Stich in die Zukunft

Eine Schneider-Werkstatt mit geflüchteten Näherinnen aufbauen und traditionelle Techniken verschiedener Kulturen mit modernem Design verbinden. Das waren die Ideen von Claudia Frick und Nicole Alvensleben aus Frankfurt/Main. Zusammen mit Frauen aus Syrien, Iran und Afghanistan fertigen sie für lokale Mode-Labels.

Gruppenbild der Inhaberinnen des Ateliers mit ihren geflüchteten Mitarbeiterinnen. Das Schneideratelier "Stitch by Stitch" in Frankfurt beschäftigt geflüchtete Frauen. Foto: Bernd Hartung

Von vornherein stand für die diplomierten Mode-Designerinnen fest, dass sie mit Flüchtlingen zusammenarbeiten wollen. In ihrer Schneiderwerkstatt "Stitch by Stitch" geben sie geflüchteten Frauen eine Chance. Alle Frauen haben schon in ihrer Heimat geschneidert. Die meisten haben dieses Handwerk in ihrer Familie gelernt und sind damit groß geworden. Einige hatten sogar ihr eigenes Atelier. Es ist eine Win-Win-Situation.

Ausbildung zu Maßschneiderinnen

Iman Khatib (37) aus Aleppo, ist bereits eine erfahrene Schneiderin und hatte in ihrer Heimat ihr eigenes Schneider-Atelier. Als frisch gebackene Mutter arbeitet Khatib momentan in Teilzeit. Reyhane Heidari (24) aus Herat, ist ebenfalls eine erfahrene Schneiderin. Sie hatte schon in ihrer Heimat ihre eigenen Kundinnen. Bei Stitch by Stitch wird sie voraussichtlich ihre Nachqualifikation zur Schneiderin absolvieren. Esraa Ali (21) stammt aus Damaskus und hat im September 2016 mit ihrer Ausbildung zur Maßschneiderin mit Schwerpunkt Damen begonnen. Mansoureh Kazemi (24) aus Teheran ist die zweite Auszubildende in der Nähwerkstatt. Gemeinsam mit Esraa Ali erlernt sie den Beruf der Maßschneiderin.

Integration erfolgt am Arbeitsplatz

Die vier Frauen flüchteten aus ihrer Heimat vor Krieg, Verfolgung, wegen ihres Glaubens oder einer Zwangsheirat. In Deutschland wollen sie sich beruflich entwickeln und eine Existenz aufbauen. Sie möchten je nach Vorbildung die Lehre abschließen, ihren Meister machen oder Mode-Design studieren.

Frick und Alvensleben entschieden sich für diese Frauen, weil sie hervorragende Schneiderfähigkeiten und ein großes Talent mitbrachten. "Wir finden es toll, dass wir ihnen eine Möglichkeit geben können, sich mittels ihrer Fähigkeiten in Deutschland zu integrieren", sagen sie übereinstimmend.

Herausforderung Sprache

In der Berufsschule ist die größte Herausforderung die Sprache. Dort wie auch in der Werkstatt lernen sie natürlich am schnellsten Deutsch. Das müssen sie, denn die Teamsprache ist Deutsch. "Anders würde das gar nicht funktionieren, da die Frauen entweder Arabisch oder Farsi sprechen. Das Schneidern dient hier als hervorragende sprachliche Brücke", wissen die Gründerinnen.

Frick und Alvensleben sind beeindruckt, wie "open-minded" die Schneiderinnen sind, wie toll sie mitdenken und mitarbeiten und welch hohe Motivation sie mitbringen. Bei den gemeinsamen Mittagessen diskutieren sie zum Beispiel über Glaube, Verliebtsein, Sprache und Essen – und merken immer wieder, "dass wir bei allen Unterschieden auch viele Gemeinsamkeiten haben".

Unterstützung bleibt wichtig

Die beiden Gründerinnen freuen sich riesig über die Unterstützung, die sie in den letzten Wochen und Monaten erhalten haben: "Durch die Aufnahme in das 'Ankommer Programm' der KfW-Stiftung und des 'Social Impact Labs' haben wir die Möglichkeit erhalten, unsere Idee in ein wachsendes Unternehmen umzusetzen."

Dafür bekommen sie viel positive Resonanz: aus der Branche, in der Presse, von anderen Social Startups, von vielen Frankfurtern und natürlich von Freunden und der Familie.

Montag, 12. Juni 2017

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Heute aktuell:

  • Podcast "Pflegende sind Helden des Alltags"
  • Nato-Gipfel in Brüssel "Wir sind gemeinsam stärker"