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Kirchengemeinde integriert Flüchtlinge

Sie wollen keine Bittsteller sein

Eine evangelisch-lutherische Gemeinde in Berlin bindet Flüchtlinge ins Gemeindeleben ein und hilft ihnen bei der Integration. Nariman Malkari hat hier nach seiner Flucht aus dem Iran Anschluss gefunden. Als Dolmetscher und Computerexperte ist er für den Pfarrer ein wichtiger Helfer.

Pfarrer Dr. Gottfried Martens (gestreifter Pullover) mit dem geflüchteten Nariman Malkari in der Ev.-Luth. Dreieinigkeits-Kirche Berlin. Dieser wurde von der Kirche aufgenommen und engagiert sich nun selber dort; z. Bsp Überstzungen für andere … Nariman Malkari hilft Pfarrer Gottfried Martens bei der Gemeindearbeit. Foto: Judith Affolter

Mittwochabend, kurz vor halb sieben. Es geht lebhaft zu im Gemeindehaus der Dreieinigkeits-Kirche in Berlin-Steglitz. In wenigen Minuten beginnt der Gottesdienst. Viele der Wartenden sind Flüchtlinge.

Als Pfarrer Gottfried Martens den Raum betritt, spricht ihn ein junger Mann in gebrochenem Deutsch an. Irgendetwas bereitet dem Mann Sorgen. Worum es geht, klärt sich schnell. Denn als Dolmetscher steht Nariman Malkari zur Verfügung – nicht zum letzten Mal an diesem Abend.

Kirche für Flüchtlinge anbieten

"Wir sind eine Flüchtlingsgemeinde", erklärt Martens, "und wachsen". Aktuell habe man rund 1.500 Mitglieder – 2013 waren es noch 150. Ein neuer Gemeindesaal ist frisch eingeweiht. Es gibt Gottesdienste auf Englisch und Bibelstunden in persischer Sprache.

Vor allem Flüchtlinge aus dem Iran kommen in die Kirche. Viele können ihren Glauben hier zum ersten Mal offen leben. Durch die Gemeinde bekommen sie Kontakt zu Deutschen. So lernen sie Land und Sprache besser kennen.

Bei der Integration helfen

Zu Gast sind nicht nur Christen, sondern auch andere Flüchtlinge, die Unterstützung suchen. Sie bringen ihre privaten Probleme mit. "Sich um die sozialen Bedürfnisse zu kümmern, ist wichtig", findet Pfarrer Martens. Auch bei Behördengängen helfen Gemeindemitglieder, wenn notwendig.

"Die Leute, die zu uns kommen, wollen integriert sein. Es ist nicht nötig, sie darauf hinzuweisen", so Martens. Sie seien sehr westlich orientiert, wollten Demokratie und Gleichberechtigung. "Wir versuchen bei der Integration zu helfen. Dabei rennen wir offene Türen ein", so der Pfarrer weiter.

Entscheidend sei, die deutsche Sprache zu lernen. Sprachkurse bietet die Gemeinde allerdings nicht an, denn "das mit den Sprachkursen läuft in Berlin richtig gut", stellt Gottfried Martens fest.

Selber mit anpacken

Nariman Malkari spricht gut Deutsch, möchte aber noch besser werden. Im Iran hat er eine Ausbildung zum Informatiker gemacht und studiert. In Berlin macht er eine weitere Ausbildung zum Industriekaufmann. Er hat sich in der Dreieinigkeits-Kirche taufen lassen.

In seiner Freizeit engagiert er sich in der Gemeinde. Er löst Computerprobleme, kümmert sich um den Internetauftritt, bereitet den Kindergottesdienst vor. Auch zum Putzen ist er sich nicht zu schade. "Alle helfen sich gegenseitig", sagt der 26-Jährige.

Dass sich viele Flüchtlinge einbringen wollen, bestätigt auch Pfarrer Martens: "Was ich erlebe, ist eine Sehnsucht, aktiv werden zu können. Sie wollen nicht Bittsteller sein. Sie wollen etwas zurückgeben." Es herrsche bei den Flüchtlingen in der Gemeinde große Dankbarkeit, in Deutschland ihren Glauben so leben zu können, wie sie möchten.

Gute Möglichkeiten nutzen

Es sei eine neue und schöne Erfahrung zu sehen, wie man den Flüchtlingen in Deutschland hilft, so Malkari. Aus politischen Gründen ist er aus dem Iran geflohen, 2015 nach Deutschland gekommen.

Er fühle sich wohl, habe viele Menschen kennengelernt. Er möchte seine Ausbildung beenden, anschließend vielleicht studieren. Hier gebe es viele gute Möglichkeiten, davon ist Malkari überzeugt.

Mittwoch, 4. Januar 2017

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