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Nachhaltiges Denken und Handeln gefordert

Agenda 2030 – nur noch weniger als 5000 Tage

Bundeskanzlerin Merkel forderte auf der Jahreskonferenz des Rates für nachhaltige Entwicklung alle zum Handeln für die Nachhaltigkeit auf. Das Thema sei zwar in aller Munde, aber bis zum Zieljahr 2030 der UN-Agenda zur Nachhaltigen Entwicklung blieben nur noch weniger als 5000 Tage.

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht auf Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung. Merkel: Deutsche Expertise und Glaubwürdigkeit in Sachen Nachhaltigkeit finden weltweit sehr großes Interesse. Foto: Bundesregierung/Steins

Bundeskanzlerin Angela Merkel gab auf der Jahreskonferenz des Rates für nachhaltige Entwicklung ihrer Freude Ausdruck, dass das Thema Nachhaltigkeit inzwischen einen festen Platz im öffentlichen Diskurs gefunden habe.

Der "ziemlich hohe Anspruch" der Agenda 2030 verlange gleichwohl von allen die Bereitschaft und die Fähigkeit zum Wandel. "Wie wir produzieren und arbeiten, was und wie wir transportieren, wie wir selbst von A nach B gelangen, wie wir wohnen und konsumieren - bei all dem verlangt das Nachhaltigkeitsprinzip ein neues Denken und Handeln", so Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die großen Herausforderungen der Welt machten keinen halt vor Grenzen. Alle seien angesprochen. "Würden wir das Heft des Handelns hingegen anderen überlassen, würden wir in Kauf nehmen, dass das nicht unbedingt unseren Werten und unseren Interessen entspricht", mahnte die Kanzlerin auf der Jahrestagung des Rates für nachhaltige Entwicklung.

Selbst gestalten statt gestalten lassen

Diese hochkomplexen Aufgaben erforderten entsprechend differenzierte Lösungen, so Merkel. Sie sehe darin aber auch die Chancen auf ökonomischen, ökologischen und sozialen Fortschritt.

Die im Januar von der Bundesregierung beschlossene Nachhaltigkeitsstrategie genieße mit ihrer zielgerichteten Herangehensweise international einen guten Ruf, sagte die Kanzlerin. Expertise und Glaubwürdigkeit in Sachen Nachhaltigkeit fänden weltweit sehr großes Interesse. Dabei bestätigten die positiven Einschätzungen zur Strategie, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Und mit einem Appell an alle Akteure: Die positiven Einschätzungen "sollten uns Ansporn sein, auf diesen Weg nun Schritt für Schritt voranzukommen".

Die Kanzlerin erinnerte daran, dass in Zeiten rasanten Wandels nicht auszuschließen sei, dass einige Etappenziele von heute plötzlich überholt sein könnten und somit nachzusteuern sei. "Bis 2018 prüfen wir, ob und welche Änderungen an den Indikatoren und Zielen erfolgen sollen." Der alle zwei Jahre erscheinende Indikatorenbericht des Statistischen Bundesamtes liefere hierbei zu. Zudem stehe in den nächsten Jahren wieder eine internationale Auswertung an. Diese Erkenntnisse würden in die Überarbeitung der Strategie einfließen, kündigte Merkel an.

Nachhaltigkeit auch auf der G20-Agenda

Auch die deutsche G20-Präsidentschaft widmet sich den drängenden Nachhaltigkeitsfragen, etwa Klimaschutz und Energie, den globalen Lieferketten und Handel, Gesundheit und Ernährungssicherung, Umwelt und Meeresschutz sowie Bildung und die Stärkung von Mädchen und Frauen. Die Kanzlerin sieht die führenden Industrie- und Schwellenländer hier in einer Vorreiterrolle. Zum gemeinsamen Ziel könnten unterschiedliche Länder allerdings auch unterschiedliche Wege gehen.

Auf die besonderen Nöte in Afrika bezogen wies sie darauf hin, wie sehr die Zeit zum Handeln dränge. "Wenn Sie sehen, wie viele Menschen im Augenblick akut hungern - Somalia, Südsudan, Tschadsee-Region - und wie irgendwo auch zum Teil gleichgültig die Weltgemeinschaft darauf reagiert, dann zeigt Ihnen das, glaube ich, umso mehr die Wichtigkeit meiner Aussage, dass jeder Tag zählt."

Wie wichtig es sei, an einem Strang zu ziehen, betonte die Bundeskanzlerin nicht nur in diesem Kontext. Um zu vermeiden, dass sich politische Handlungsweisen in verschiedenen Bereichen durchkreuzen, habe die Bundesregierung den Vorschlag des Parlamentarischen Beirates und des Nachhaltigkeitsrates aufgegriffen und in allen Ministerien Koordinatoren für Nachhaltigkeit benennen lassen. Das allein würde zwar nicht reichen, aber den fachlichen Austausch hierüber zwischen den Einrichtungen erleichtern.

Leuchtturmprojekt für nachhaltige Stadtentwicklung

Die Zusammenarbeit auf regionaler Ebene zu stärken - dazu diene unter anderem ein interministerieller Arbeitskreis zu nachhaltiger Stadtentwicklung. Zu Recht, so Merkel, sei dieses Gremium und die von ihm beschlossenen Aktivitäten vor kurzem als Leuchtturmprojekt in diesem Jahr ausgezeichnet worden. Die Kanzlerin: "Das ist ein Thema, das angesichts des anhaltenden Zuzugs in Ballungszentren weiter an Bedeutung gewinnt."

Merkel hob darüber hinaus die Bedeutung von vielen weitere Aktivitäten und Foren, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben, hervor. Einige seien hier genannt: Die regionalen Netzstellen für Nachhaltigkeit - auch RENN genannt -, die Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030, die Wirtschaft mit ihren Nachhaltigkeitspreis, den vom Nachhaltigkeitsrat entwickelten Deutschen Nachhaltigkeitskodex und selbst die Überlegungen der OECD zum Thema.

Ein komplexes Thema wolle auch gebührend angegangen werden. Sie forderte den Rat für nachhaltige Entwicklung auf, auch unbequem zu sein. Die Bundesregierung sei willens hinzuhören.