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Europa wird 60

Frieden ist das Wichtigste

"Ich bin immer gerne und viel gereist – auch heute mit über 80 Jahren noch", berichtet Ursula Müller. Auf den Radurlaub in Holland im Frühsommer freut sich die rüstige Essenerin jetzt schon. "Klar, genieße ich die Währungsunion: kein Geldwechseln mehr, keine Umrechnung bei Einkäufen."

Ursula Müller, geboren 1936 in Essen Ursula Müller, geboren am 13. Mai 1936 in Essen, war Lehrerin an Blindenschulen. Sie hat im Zeiten Weltkrieg schwere Bombardierungen in Essen und Fulda erlebt. Foto: Burkhard Peter

Sie findet es praktisch, sofort den Wert der Waren feststellen zu können. "Die umständlichen Passkontrollen will doch auch niemand mehr haben", ergänzt sie. Und dann noch die europaweite Notrufnummer. "Das ist eine ideale Hilfe in brenzligen Situationen."

Die alltäglichen Vorteile Europas liegen für Ursula Müller auf der Hand. Aber das sei nicht das Wichtigste, sagt sie. Sie berührt etwas ganz anderes. Die Nachrichten über Syrien und die Machtgier in vielen Teilen der Welt erinnern sie an ihre eigene Kindheit. "Essen war zerbombt. Auch wir spielten in Trümmern."

Erinnerungen werden wach

"Sirenengeheul, die Bombennächte im Keller, der Hunger, das stundenlange Anstehen für Brot und die Enttäuschung, wenn wir leer ausgingen. Fehlendes Schuhwerk, Klepperchen (Sandälchen), deren Riemchen an den Holzsohlen immer rissen, Frostbeulen an den Zehen, weder Hefte noch Bücher in den Schule – nein, das darf es auf der Welt nicht mehr geben." Es sprudelt nur so aus dem ehemaligen Kriegskind heraus.

Die Europäische Union hat nach Ursula Müllers Lebenserfahrung Segensreiches geleistet. "Schon allein deshalb bin ich eine glühende Verfechterin des Europagedankens. Dafür wäre ich sogar bereit, Opfer zu bringen."

Montag, 6. März 2017