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Entwicklungsdienste

Weltweit engagiert

Seit mehr als 50 Jahren entsenden staatlich anerkannte Entwicklungsdienste Helferinnen und Helfer von Deutschland in die Welt. Rund 28.000 haben sich bisher engagiert. Dabei steht partnerschaftliches Miteinander im Vordergrund.

Frau Hilou Vogelmann aus München, Entwicklungshelferin in Addis Abeba Partnerschaft von Mensch zu Mensch - auf Augenhöhe Foto: Ralf Maro

Oft gehen die Entwicklungshelferinnen und -helfer berufliche und familiäre Risiken ein, wenn sie sich aus freien Stücken für mindestens zwei Jahre verpflichten, Entwicklungsdienst zu leisten.

Als qualifizierte Fachkräfte geben sie ehrenamtlich in Gemeinden, Städten und Dörfern "Hilfe zur Selbsthilfe" und vermitteln ihr Fachwissen weiter. Ziel ist es, die Lebenssituation der Menschen dort zu verbessern.

Reich werden kann man mit seinem Engagement nicht. Das soziale Engagement steht im Vordergrund.

Partnerschaft auf Augenhöhe

Seit 1963 haben sich rund 28.000 Entwicklungshelferinnen und -helfer in mehr als 100 Ländern – oft unter schwierigen Bedingungen vor Ort – für Gerechtigkeit, Frieden und nachhaltige Entwicklung eingesetzt.

Dieses vorbildliche Engagement, das auch eine "Botschafterfunktion" für Deutschland hat, wurde bei einem Festakt zum 50-jährigen Bestehen im Juni des vergangenen Jahres von Vertretern der Bundesregierung gewürdigt.

Vieles hat sich in den vergangenen Jahren in den Partnerländern grundlegend verbessert. Nationale Fachkräfte haben frühere Aufgaben der Entwicklungshelfer übernommen. Dennoch sind neue globale Herausforderungen hinzugekommen, wie beispielsweise der Klimawandel.

Lernen und Helfen in Übersee

Am 24. Juni 1963 hoben Bundespräsident Heinrich Lübke und Bundeskanzler Konrad Adenauer gemeinsam mit dem amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy den Deutschen Entwicklungsdienst (DED) aus der Taufe. Das Motto war "Lernen und Helfen in Übersee".

"Nüchterne Abenteurer gesucht" - mit diesem Slogan warb Walter Scheel als erster Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit für DED-Einsätze in so genannten Entbehrungsländern. Nach drei Monaten Ausbildung und Überlebenstraining reisten im August 1964 die ersten 14 Freiwilligen nach Tansania. Weitere Länder wie Libyen, Afghanistan, Indien, Ghana, Bolivien und Nepal folgten.

Erfolgsmodell seit 50 Jahren

Allein der DED hat in der Zeit seines Bestehens mehr als 16.000 Entwicklungshelferinnen und -helfer entsandt. Nicht karitativ, sondern kooperativ sollten die Helfer in den Gastländern wirken. Wichtigster Grundsatz: "Hilfe zur Selbsthilfe" - durch die Vermittlung von beruflichem Know-how und Ausbildung von einheimischen Partnern.

Den DED als eigenständige Organisation gibt es seit 2011 nicht mehr. Er ist - gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit und der Weiterbildungsagentur Inwent - in der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) aufgegangen.

Durch die Bündelung des Erfahrungsschatzes der Vorgängerorganisationen erwuchs mehr Wirksamkeit. Entwicklungshelfer sind nun auch organisatorisch besser in die staatliche Entwicklungszusammenarbeit integriert.

Künftig soll der Entwicklungsdienst noch flexibler und damit attraktiver werden. Wer aus beruflichen oder familiären Gründen nicht länger als ein Jahr zur Verfügung hat, soll jetzt auch als Entwicklungshelfer tätig werden können. Bislang betrug die Regeldauer zwei bis drei Jahre.

Seit der Neustrukturierung werden Entwicklungshelfer im staatlichen Bereich über die GIZ entsendet. Dies tun auch die sechs privaten, staatlich anerkannten Entwicklungsdienste, die sich in der "Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe" zusammengeschlossen haben. Zusammen vermitteln sie jährlich mehr als 1.500 Entwicklungshelferinnen und -helfer in Partnerprojekte in Afrika, Asien, Lateinamerika und in die Reformländer Osteuropas. Der Entwicklungsdienst der GIZ ist Europas führender nationaler Entsendedienst für Entwicklungshelferinnen und -helfer.

Neue Möglichkeiten

Heute engagieren sich nicht nur klassische "Entwicklungshelfer" im Ausland. Seit Jahresbeginn 2012 bündelt die Bundesregierung alle vom Bundesentwicklungsministerium (BMZ) finanzierten Einrichtungen und Programme zur Förderung des bürgerschaftlichen und kommunalen Engagements und der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit in einer zentralen Servicestelle.

Ziel der gemeinnützigen Gesellschaft Engagement Global – Service für Entwicklungsinitiativen - ist es, engagierten Akteuren in Vereinen, Einrichtungen, Nichtregierungsorganisationen, Unternehmen und Kommunen Information, Beratung, Förderung und Qualifizierung aus einer Hand anzubieten.

Unter dem Dach der Engagement Global sind beispielsweise der entwicklungspolitische Freiwilligendienst "weltwärts" für junge Erwachsene sowie der Senior Experten Service (SES) für Menschen im Ruhestand vereint.

Mit Engagement Global gibt es erstmalig in Deutschland eine zentrale Anlaufstelle für die Vielfalt des entwicklungspolitischen Engagements sowie der Informations- und Bildungsarbeit: eine Telefonnummer, eine Adresse und eine Website.

Internationale Vermittlung

United Nations Volunteers (UNV) ist das Freiwilligenprogramm der Vereinten Nationen. Seit 1971 hat UNV zehntausende berufserfahrene Fachleute aus Entwicklungs- und Industrieländern für Einsätze in der Entwicklungszusammenarbeit mobilisiert.

Die UN-Volunteers unterstützen ihre Partner dabei, die entwicklungspolitischen Ziele zu erreichen. Entsprechend dem UNV-Vorhaben, die Süd-Süd-Kooperation zu fördern, kommt die große Mehrheit der Freiwilligen aus Entwicklungs- oder Schwellenländern.

Diese Freiwilligen sind immer berufserfahrene Fachkräfte, die technische Zusammenarbeit und basisorientierte Entwicklungsarbeit leisten. Arbeitsfelder sind zum Beispiel Umwelt- und Entwicklungsprojekte, Humanitäre Hilfe, Gesundheitsberatung, Errichtung demokratischer Strukturen, Existenzgründung und Unternehmertum sowie Friedensmissionen.

UNV arbeitet mit UN-Organisationen zusammen ebenso wie mit Regierungen und Institutionen außerhalb des UN-Systems, einschließlich der Zivilgesellschaft, Nichtregierungsorganisationen sowie der Privatwirtschaft. In Deutschland arbeitet das Freiwilligen-Programm eng mit der GIZ zusammen.

UNV gehört zum UNO-Entwicklungsprogramm - United Nations Development Programm (UNDP) - und hat seit 1996 seinen Sitz in Bonn.