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Rede der Kulturstaatsministerin bei der Abschlussveranstaltung des Runden Tisches "Frauen in Kultur und Medien"

Datum:
17. Juli 2017
Ort:
Berlin

Zum Abschluss des Runden Tisches "Frauen in Kultur und Medien" dankte Kulturstaatsministerin Grütters allen Mitstreiterinnen und Mitstreitern, die die Initiative für mehr Chancengleichheit für Frauen im Kultur- und Medienbereich konstruktiv und engagiert gestaltet haben. Als konkrete Maßnahmen kündigte Grütters ein Projektbüro mit Schwerpunkt Geschlechtergerechtigkeit in der Kultur- und Kreativwirtschaft und ein spartenübergreifendes Mentoringprogramm für Künstlerinnen an. Zudem werde sie in ihrem Zuständigkeitsbereich "Gremien, Jurys und Auswahlkommissionen paritätisch besetzen", so Grütters.

Herzlich willkommen im Bundeskanzleramt zu einem Abend, der hoffentlich nicht nur wegen des einprägsamen Datums – 17.7.17 – in Erinnerung bleiben wird, sondern auch als krönender Abschluss einer überaus erfolgreichen Zusammenarbeit und als Auftakt einer Chancenoffensive für Frauen in Kultur und Medien. Das ist vollmundig gesprochen, aber wir Frauen haben ja - das bestätigen wissenschaftlichen Studien - gegenüber Männern auch noch einiges aufzuholen, was die hohe Kunst des Selbstlobs betrifft. Als einer der legendären Großmeister in dieser Disziplin gilt beispielsweise Ernest Hemingway, der diese Woche seinen 118. Geburtstag feiern würde und über den Marcel Reich-Ranicki einmal gesagt hat: „Was immer er vollbracht hatte, er musste es selber ausgiebig preisen (…). Ein Leben lang bestanden Hemingways Briefe zum großen Teil aus baren Erfolgsmeldungen. Er brüstete sich mit seinem Mut und seiner Männlichkeit, er verwies stolz auf die von ihm erlegten Tiere und geangelten Fische, auf die Zahl ebenso seiner Kriegsverwundungen wie der Worte, die er an einem Tag geschrieben hatte."

Was wir, meine Damen und Herren, mit dem Runden Tisch "Frauen in Kultur und Medien" in den vergangenen Monaten vollbracht haben - innerhalb nur eines Jahres nach der Vorstellung der ernüchternden Studie des Deutschen Kulturrats -, das verdiente ohne Zweifel selbstgebundene Lorbeerkränze nach Hemingway’schem Vorbild, und zwar sowohl mit Blick auf die Ergebnisse, als auch mit Blick auf den persönlichen Einsatz. All die Arbeitstreffen und die dafür notwendigen Vorbereitungen waren für die Beteiligten ja neben ihrer beruflichen Tätigkeit zu bewältigen, und ich vermute, nebenbei bemerkt, dass so manche Teilnehmerin mit Blick auf den eigenen Werdegang ebenfalls von höchstpersönlich "erlegten Tieren", "geangelten Fischen" und vielleicht gar von der einen oder anderen "Kriegsverwundung" hätte erzählen können. Am Runden Tisch wurde aber ganz nüchtern und sachlich diskutiert, wurden Best-Practice-Beispiele erörtert und Vorschläge erarbeitet – so dass ich heute in aller (weiblichen) Bescheidenheit sagen kann: Die Arbeitsergebnisse sprechen für sich.

Ein herzliches Dankeschön zum einen an die Akademie der Künste, die die Arbeitsphase rund um den zweiten Runden Tisch im März so kompetent begleitet hat und ihre Expertise sicher auch weiterhin einbringen wird. Ein herzliches Dankeschön zum anderen all jenen, die mit am "Runden Tisch" saßen und diese Initiative zu einem erfolgreichen Abschluss geführt haben. Ihr konstruktives Miteinander und Ihr großes Engagement, meine Damen und Herren, waren für mich wie auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter meines Hauses ein gewaltiges Stück zusätzliche Motivation. So haben wir auf der Basis der Auswertung Ihrer Empfehlungen schon zur heutigen Abschlussveranstaltung erste konkrete, in meinem Zuständigkeitsbereich umsetzbare Maßnahmen für mehr Geschlechtergerechtigkeit entwickelt.

Dazu gehört, erstens, die paritätische Besetzung von Gremien, Jurys und Auswahlkommissionen in meinem Zuständigkeitsbereich. Wer mit dem Finger auf andere zeigt, sollte natürlich selbst Vorbild sein, und deshalb freue ich mich, Ihnen mitteilen zu können, dass sich das Verhältnis von Frauen und Männern in meinem eigenen Haus auf den beiden obersten Führungsebenen (Abteilungsleitung und Gruppenleitung) seit meinem Amtsantritt komplett umgekehrt hat: von mageren 20 Prozent Frauenanteil auf stolze zwei Drittel, was einem Ressort mit knapp 55 Prozent Frauen unter allen Beschäftigten gut zu Gesicht steht. Ab kommendem Jahr werden wir dann die nächste Stufe des Bundesgremienbesetzungsgesetzes erklimmen, das bisher einen Mindestanteil von 30 Prozent Frauen bei der Besetzung von Aufsichtsgremien vorsieht und die Zielvorgabe ab 1. Januar auf 50 Prozent erhöht. Das haben wir bei den anstehenden Neuberufungen natürlich auf dem Schirm. Im Rahmen der Novellierung des Filmförderungsgesetzes habe ich im Übrigen schon im vergangenen Jahr dafür gesorgt, dass (in den FFA-Gremien) mehr Frauen an den Förderentscheidungen beteiligt sind. Ich hoffe, dass sich damit auch mehr von Frauen geprägte Projekte durchsetzen können.

Zu den Maßnahmen meines Hauses gehört, zweitens, die Einrichtung eines "Projektbüros Frauen in Kultur und Medien" mit dem Arbeitsschwerpunkt Geschlechtergerechtigkeit in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Diese langatmige Formulierung müssen Sie sich nicht merken – merken Sie sich einfach, dass es künftig eine Anlauf- und Beratungsstelle für Kulturfrauen geben wird, kurz: ein "Kulturfrauen-Zimmer". Wenn Sie dabei, wie es sich für kulturaffine Feingeister gehört, spontan an einen Klassiker der deutschen Literaturgeschichte denken, dann ist das eine ganz passende Assoziation …: In Lessings Minna von Barnhelm kann Major von Tellheim es nicht mit seinem männlichen Ehrgefühl vereinbaren, ich zitiere, "sein ganzes Glück einem Frauenzimmer zu verdanken", doch eben jenes Frauenzimmer, Minna von Barnhelm, bekommt mit Charme, Eigensinn und Selbstbewusstsein am Ende doch, was sie will ... . Auch unser "Kulturfrauen-Zimmer", das beim Deutschen Kulturrat angesiedelt sein wird und das ich aus meinem Kulturetat über einen Zeitraum von drei Jahren fördern werde, soll dafür sorgen, dass Kulturfrauen am Ende bekommen, was sie wollen - und was der "Runde Tisch" zu Recht als Forderungen formuliert hat, nämlich bessere Aufstiegschancen, mehr Mitsprache in Gremien und Jurys, faire Bezahlung und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auf amtsdeutsch: Das Projektbüro ist der organisatorische Rahmen, um die Ergebnisse des "Runden Tisches" in operative Maßnahmen zu überführen.

Eine Aufgabe, die wir künftig beim "Kulturfrauen-Zimmer" andocken wollen, ist die Pflege einer soliden Datenbasis als Grundlage politischer Entscheidungen. Egal, ob es um Führungspositionen, um Stipendien, um Preise oder Honorare geht: Wir kommen nur voran, wenn wir Defizite klar benennen und durch harte Fakten untermauern können. "Frauen zählen. Frauen zählen. Frauen zählen": So hat es bei einer Sitzung des "Runden Tischs" jemand auf den Punkt gebracht. Das Projektbüro wird den soliden Datenbestand, der uns dank der Studie des Deutschen Kulturrats zur Verfügung steht, aktualisieren und dazu Datenberichte erstellen. Auch die Studie zu Frauenbildern im Fernsehen, die Sie, liebe Maria Furtwängler, vergangene Woche vorgestellt haben, ist ein aufschlussreicher Beitrag zur Verbesserung der Datenlage und schärft die Wahrnehmung. Das stärkt unser gemeinsames Anliegen - vielen Dank dafür!

Neben der paritätischen Besetzung von Gremien und Jurys, der Einrichtung des "Kulturfrauen-Zimmers" und einer Datenaktualisierung kann ich noch eine weitere Maßnahme ankündigen: Schon beim zweiten „Runden Tisch“ im März hatte ich ja versprochen, ein spartenübergreifendes Mentoring-Programm für Künstlerinnen und Kreative ins Leben zu rufen. Mittlerweile ist das Konzept so weit gediehen, dass das Projektbüro die Betreuung des Programms übernehmen kann. Dazu gehören insbesondere das Rekrutieren geeigneter Mentorinnen und Mentoren, die Auswahl der Mentees und die Zusammenführung der Tandems. Es wäre eine große Freude und Bereicherung, meine Damen und Herren, wenn einige von Ihnen bereit wären, Mentorin oder Mentor zu werden. Ab dem 1. August rennen Sie damit beim Deutschen Kulturrat im wahrsten Sinne des Wortes offene Türen ein, denn an diesem Tag öffnet das Kulturfrauen-Zimmer seine Pforten. 

Und für den Fall, dass der oder die eine oder andere von Ihnen heute Abend nach den Gründen für so viel Engagement im Dienste der Gleichberechtigung gefragt wird, haben wir die Antwort schon mal dick auf die Einladung gedruckt: Weil es 2017 ist! Das ist eine Antwort frei nach Justin Trudeau, dem kanadischen Premierminister, der vor zwei Jahren bei der Regierungsbildung allen Ernstes gefragt wurde, warum er in seinem Kabinett so viel Wert auf ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis lege, und dazu lapidar zu Protokoll gab "Weil es 2015 ist". Mehr braucht man zur Begründung im dritten Jahrtausend wirklich nicht zu sagen, auf den Tag genau 37 Jahre, nachdem Deutschland die UN-Frauenrechtskonvention (CEDAW) unterzeichnet hat, die jede Form der Diskriminierung der Frau verbietet. Mehr muss man aber immer noch zur Umsetzung sagen und vor allem: konkret beitragen! Deshalb freue ich mich, dass wir für unser Anliegen, die Geschlechtergerechtigkeit in Kultur und Medien zu fördern, prominente Mitstreiterinnen und Mitstreiter gewinnen konnten – 20 Frauen und 17 Männer, die sich unter dem Motto "Weil es 2017 ist" zu ganz persönlichen Selbstverpflichtungen bereit erklärt haben.

Bevor ich dafür die Bühne frei gebe, sei noch eine letzte Maßnahme angekündigt, den weiteren Verlauf des Abends betreffend. Diese Maßnahme lautet: "Empfang vor der Kanzlergalerie und im Garten des Kanzleramts". Denn wer es ganz nach oben schaffen will, sollte ein Motto beherzigen, das in Hollywood - und sicher nicht nur dort - für gut besuchte Empfänge sorgt: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Hin und wieder braucht er auch einen Drink". Das nennt man Networking, und mittlerweile haben wir Frauen auch in dieser Disziplin aufgeholt: Beim Wein Kontakte knüpfen und Deals an der Bar machen, das können wir auch! Mit Vergnügen sogar! Und das wird heute einmal mehr geübt! In diesem Sinne freue ich mich, wenn wir nachher persönlich miteinander ins Gespräch kommen, und wünsche Ihnen allen einen erfolgreichen und inspirierenden Abend!