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Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Dienstag, 17. November 2015

Pressemitteilung: 
419
Ausgabejahr: 
2015

8. Integrationsgipfel: Bundeskanzlerin Merkel und Staatsministerin Özoğuz diskutieren mit Experten über Herausforderungen für Gesundheit und Pflege in der Einwanderungsgesellschaft

Der 8. Integrationsgipfel am 17.11.2015 im Bundeskanzleramt hatte den Schwerpunkt Gesundheit und Pflege in der Einwanderungsgesellschaft. Dazu erklärte die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Aydan Özoğuz:

„Eine vorausschauende und nachhaltige Integrationspolitik muss sich auch mit dem Thema Gesundheit und Pflege beschäftigen. Denn das Gesundheitswesen in unserer Einwanderungsgesellschaft steht vor großen Herausforderungen: Schon heute leben mehr als 1,5 Millionen Senioren mit Einwanderungsbiografien in unserem Land. Diese Zahl wird rasant steigen auf geschätzt 3,5 Millionen im Jahr 2032. Über 5,6 Millionen Menschen mit Einwanderungsgeschichten leben seit 20 oder mehr Jahren bei uns und werden ihren Lebensabend hier verbringen. Das heißt, die nun ins Rentenalter kommenden Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter der ersten Generation, neu hinzukommende Flüchtlingsfamilien, Fachkräfte aus aller Welt und hier geborene Kinder aus Einwandererfamilien – sie alle brauchen ein Gesundheitswesen, das interkulturell offen ist. Die Frage ist, wie es uns gelingen kann, alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen anzusprechen. Denn Menschen mit Einwanderungsgeschichten nehmen seltener Gesundheits- und Pflegeleistungen in Anspruch, die ihnen zustehen. Auch bei der gesundheitlichen Versorgung gibt es noch Defizite. Darum habe ich „Gesundheit und Pflege in der Einwanderungsgesellschaft“ zum Thema meines Schwerpunktjahrs gemacht.

Auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel diskutierten heute über 100 Expertinnen und Experten, Vertreterinnen und Vertreter von Fachverbänden, Migrantenorganisationen und Bund, Ländern und Kommunen über die Herausforderungen an unser Gesundheits- und Pflegewesen.

Im Mittelpunkt der Diskussion standen drei zentrale Themenfelder: Interkulturelle Öffnung im Gesundheitswesen, Seniorenpolitik und Altenpflege und Zugänge zur Gesundheitsprävention. Im Rahmen dieser Schwerpunkte sind mir drei zentrale Themen besonders wichtig:

Wir haben viel zu wenig wissenschaftliche Studien, die uns aufzeigen, an welchen Stellen die Teilhabe von Menschen mit Einwanderungsgeschichten an der medizinischen und pflegerischen Versorgung verbessert werden muss. Hier ist die Studie „Pflege- und Pflegeerwartungen in der Einwanderungsgesellschaft“ des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration ein wichtiger Beitrag.

Wir brauchen außerdem eine zielgruppengenaue Ansprache, damit alle Menschen von den Leistungen unseres Gesundheitswesens profitieren können. Dazu gehört, dass wir die Sprachmittlung ausbauen und verbessern, um von Anfang an Missverständnisse z.B. zwischen Arzt und Patient zu vermeiden.

Zudem steht und fällt eine gute Gesundheitsversorgung in unserer Einwanderungsgesellschaft mit der interkulturellen Öffnung unserer Krankenhäuser, Arztpraxen oder Beratungsstellen. Niemand darf wegen sozialer, kultureller oder religiöser Gründe benachteiligt werden. Gerade in der Altenpflege sind Kultursensibilität und Mehrsprachigkeit des Personals wichtig. Für mich gehört hier dazu, dass mehr junge Menschen mit Einwanderungsgeschichten in die Pflegeberufe gehen und dass die Anerkennung ausländischer Abschlüsse weiter verbessert wird. Ebenso brauchen wir noch mehr Einwanderung von Pflegekräften, um den immensen Bedarf decken zu können.

Ich freue mich, dass die beteiligten Migrantenorganisationen mit ihrem Positionspapier zu Gesundheit und Pflege in der Einwanderungsgesellschaft wichtige Impulse gegeben haben und die Mitwirkung der Selbstorganisationen von Menschen mit einer Einwanderungsgeschichte einfordern.

Gesundheit ist ein hohes Gut und eine angemessene gesundheitliche Versorgung ein Menschenrecht. Das Gesundheitswesen in Deutschland hat einen sehr hohen Standard. Wir müssen dafür sorgen, dass alle hiervon gleichermaßen profitieren können.“