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Rundbrief Ausbildung Nr. 1 vom 09. Februar 2012

75.000 Lehrstellen unbesetzt

75.000 Lehrstellen sind nicht besetzt. Vor allem in der Gastronomie, im Einzelhandel, aber auch in traditionellen Handwerksberufen wie dem Bäckereihandwerk konnten die angebotenen Ausbildungsplätze nicht besetzt werden, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Martin Wansleben.

Ausbildungschancen haben sich 2011 verbessert

Inzwischen können viele Bewerberinnen und Bewerber unter verschiedenen Lehrstellen wählen. Trotzt doppelter Abiturjahrgänge in Bayern und Niedersachsen und des Wegfalls der Wehrpflicht sank die Zahl der Bewerber um 2,5 Prozent.

Der Nationale Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs zieht dennoch eine positive Bilanz der Partner: Die Ausbildungschancen für junge Menschen haben sich 2011 weiter verbessert.

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist gegenüber dem Vorjahr um 1,8 Prozent auf 570.000 gestiegen. Allerdings hatten die Betriebe in manchen Regionen und Branchen zunehmend Schwierigkeiten, geeignete Bewerber zu finden, sagte Wansleben.

11.400 Jugendliche konnten zum gesetzlichen Stichtag 30. September nicht vermittelt werden, galten also damals als unversorgt. 5.700 (50 Prozent, siehe Schaubild) davon haben bis Ende Januar noch nachträglich einen Ausbildungsplatz bekommen, 50 Prozent gelten weiter als unversorgt. Wie in den Vorjahren auch ist allerdings nur jeder zweite den Einladungen der Kammern zu einem Nachvermittlungsgespräch gefolgt. Rein rechnerisch hatte deshalb jeder Jugendliche, der daran teilnahm, die Auswahl zwischen sechs freien Ausbildungsplätzen. Gut für Ausbildungsplatzsuchende, ernüchternd für die Wirtschaft.

Paktpartner fördern Potenziale aller Jugendlichen

Der Fachkräftemangel nimmt zu, die Liste der Mangelberufe wird länger. Im Durchschnitt aller Berufsbereiche bleiben offene Stellen mittlerweile 68 Tage vakant, vor zwei Jahren waren es 58 Tage. In den Mangelberufen (Ingenieure, Ärzte, Pfleger) ist eine Stelle sogar drei bis fünf Monate frei.

Auch die Wirtschaft kann ihren Fachkräftebedarf immer schlechter decken. Zugleich hat jeder zweite der jungen Arbeitslosen zwischen 25 und 35 keine abgeschlossene Berufsausbildung. Die Partner des Ausbildungspakts wollen sich deshalb darum kümmern, das Potenzial aller jungen Menschen besser auszuschöpfen.

Darum sieht auch der Staatsekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Gerd Hoofe, größere Chancen für lernschwächere Jugendliche auf dem Ausbildungsmarkt.

Ausbildungsreife verbessern und Berufsorientierung fördern

Künftig liegt der Schwerpunkt der Paktarbeit bei einer möglichst frühen Berufsorientierung. 1.900 Berufseinstiegsbegleiter unterstützen an 2.000 Schulen 38.000 Schüler ab dem vorletzten Schuljahr beim Übergang von der Schule in die Ausbildung. Ab April werden weitere Schulen gefördert.

Im Rahmen der Initiative Bildungsketten hat die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern systematisch Potenzialanalysen an 1.000 Schulen unterstützt. Außerdem hat sie weitere 120.000 Schüler ab der achten Klasse in Berufsorientierungsmaßnahmen gefördert.

Die Einstiegsqualifizierung (EQ) bietet Jugendlichen eine Chance, in sechs bis maximal zwölf Monaten den Arbeitsalltag in einem bestimmten Tätigkeitsfeld und einem Betrieb kennenzulernen. Mit diesem Angebot erhalten vor allem junge Menschen eine Chance, die wegen schlechter oder fehlender Schulabschlüsse nur schwer eine Lehrstelle finden. Im Rahmen einer Einstiegsqualifizierung können Unternehmen feststellen, welche Fähigkeiten in den Teilnehmerinnen und Teilnehmern stecken.

2011 stellten die Betriebe für Einstiegsqualifizierungen 25.600 Plätze zur Verfügung, darunter erstmals 4.600 Plätze EQ-Plus für besonders förderungsbedürftige Jugendliche. Diese bieten Jugendlichen die Chance, in sechs bis zwölf Monaten den Arbeitsalltag in einem Betrieb kennenzulernen. Damit können aber auch Betriebe feststellen, welche Fähigkeiten in den Teilnehmerinnen und Teilnehmern stecken.

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen jedenfalls, dass die EQ gut geeignet sind, um auch Jugendliche mit Problemen in Ausbildung zu bringen.

Paktpartner werben für duale Ausbildung

Zugleich verstärken Bundesregierung und Paktpartner ihre Bemühungen, junge Menschen für die duale Ausbildung zu begeistern.

Mit der „Informationsoffensive „Berufliche Bildung – Praktisch unschlagbar“ wollen die Bundesministerien für Bildung und Forschung (BMBF) und für Wirtschaft und Technologie (BMWi) in erster Linie Jugendliche, aber auch Schulen, Eltern, Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Studierende auf die Attraktivität der dualen Ausbildung aufmerksam machen.

Der DIHK richtet eine überregionale Lehrstellenbörse ein, weil das Einwerben und Vermitteln neuer Ausbildungsplätze in vielen Regionen schwieriger wird. Sie soll Unternehmen und Jugendliche besser und schneller zusammenbringen. Startschuss für die IHK-Lehrstellenbörse ist der 22. Februar 2012.

Die Paktpartner sind zuversichtlich, dass ihre Bemühungen Erfolg haben werden.„Angelernte Kräfte sollte es möglichst nicht mehr geben“, sagt Wansleben.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) haben die Informationsoffensive "Berufliche Bildung - Praktisch unschlagbar" gestartet. Ziel der Offensive ist es, die hohe Attraktivität der dualen Ausbildung und die vielfältigen Chancen beruflicher Weiterbildung einer breiteren Öffentlichkeit deutlich zu machen. Zu den Maßnahmen der Offensive gehört unter anderem die Einrichtung der Webseite der Informationskampagne, mit der BMBF und BMWi die Vorteile der beruflichen Aus- und Weiterbildung unterstreichen und Jugendliche, Schulen, Eltern, Arbeitnehmer und Arbeitgeber informieren möchte.

Der Nationale Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs wurde erstmals im Jahr 2004 zwischen der Bundesregierung und den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft geschlossen - in einer Zeit akuten Lehrstellenmangels. Seit 2007 ist die Zahl der Bewerber kontinuierlich zurückgegangen, in den neuen Bundesländern hat sie sich halbiert. Immer noch haben zahlreiche Jugendliche Probleme, den Einstieg in eine Ausbildung zu finden. Der Lenkungsausschuss zum Ausbildungspakt hat deshalb am 26.10.2010 beschlossen, den Ausbildungspakt bis 2014 mit neuen Schwerpunkten fortzusetzen. Künftig wollen die Paktpartner ihre Anstrengungen darauf ausrichten, jedem Jugendlichen – leistungsschwächeren und leistungsstärkeren - ein Angebot auf Ausbildung zu machen.