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Rundbrief Ausbildung Nr. 1 vom 09. Februar 2012

Berufliche und akademische Ausbildung wird gleichwertig

Der Meisterbrief wird dem Bachelor-Abschluss gleichgestellt. Die Entscheidung über den Wert des Abiturs wie der anderen schulischen Abschlüsse wurde um fünf Jahre verschoben. Nach intensiver Debatte über die Einstufung der Reifeprüfung haben sich Bund, Länder, Wirtschaft und Gewerkschaften damit auf einen Kompromiss beim Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) verständigt. Bundesbildungsministerin Annette Schavan erklärte, die Schulabschlüsse bereiteten „nur mittelbar auf einen Beruf vor“. Deshalb sei der Kompromiss sinnvoll. Weiter betonte sie: “In Deutschland hat jeder die Chance zum Aufstieg, über den akademischen Weg genauso wie über den der beruflichen Bildung.“

Mit dem Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) haben die Bildungsminister der EU und das Europäische Parlament ein Bezugssystem beschlossen, das zu mehr Transparenz und Vergleichbarkeit von Kompetenzen und Qualifikationen in Europa beitragen soll. Der EQR soll in allen Ländern der EU durch nationale Regelungen untersetzt werden, die der Besonderheit der jeweiligen Bildungssysteme Rechnung tragen. In Deutschland haben sich Bund und Länder gemeinsam auf die Entwicklung eines Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) verständigt.

Der EQR und seine Umsetzung in einen Nationalen Qualifikationsrahmen bietet große Chancen insbesondere für die duale Berufsausbildung und die Anerkennung der in Deutschland erworbenen Fähigkeiten in den europäischen Nachbarstaaten.

Bildungsabschlüsse EU-weit transparent

Der DQR unterscheidet acht Stufen, in die nach Vorgabe der Europäischen Kommission alle Bildungsabschlüsse eingeordnet werden. Er soll für Trans¬parenz und Vergleichbarkeit sorgen, wenn sich Arbeitnehmer im Ausland um eine Stelle bewerben. Ein Chef in Frankreich weiß dann zum Beispiel mit der entspre¬chenden Zahl auf dem Zeugnis genau, was ein Bewerber aus Spanien mitbringt. Weil ihre Abschlüsse vergleichbar sind, können sich Arbeitnehmer in der EU größere Mobilität leisten.

Deutsche Qualifikationsstufen

Konkret sehen die Pläne für das deutsche Ranking so aus: Auf den DQR-Stufen eins und zwei wird die Berufsausbildungsvorbereitung angesiedelt, auf Stufe drei die zweijährige Berufsausbildung und auf Stufe vier die drei- und dreieinhalbjährige Lehre. Auf Stufe fünf sollen Fortbildungen stehen, die mit dem IT-Spezialisten vergleichbar sind.

Stufe sechs erreichen der Bachelor, der Meister, der Fachwirt und die Fachschulabschlüsse wie zum Beispiel der Techniker. Master und Diplom erreichen Stufe sieben, die Promotion Stufe acht. „Mit dieser Entscheidung haben wir einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum Bildungsraum Europa gemacht“, sagte Schavan. Nun stehe der Einführung des Deutschen Qualifikationsrahmens nichts mehr im Weg.

Duale Berufsausbildung gestärkt

Für die Sozialpartner ist die Vereinbarung ein Erfolg. Sie sehen damit vor allem die duale Berufsausbildung gestärkt. Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Otto Kentzler, erklärte „Deutschland braucht nicht nur Dichter und Denker, sondern auch Handwerker. Und nicht jeder kann Meister“.

Der Präsident des Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, zeigte sich zufrieden, dass die dreijährige duale Ausbildung nun auf Stufe vier gelandet ist und der Meister auf Stufe sechs. Auch für Schavan wird die Gleichstellung eines Meisters mit dem Bachelor „die größte bildungspolitische Wirkung haben“. Denn damit werde deutlich, dass „in Deutschland jeder die Chance zum Aufstieg hat, über den akademischen Weg genauso wie über den der beruflichen Bildung“.