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"Nachhaltiges Handeln soll selbstverständlich werden"

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka hat heute die Plattform "Bildung für nachhaltige Entwicklung" in Berlin gegründet. Das Gremium vereint hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Es soll konkrete Maßnahmen zur strukturellen Verankerung der Nachhaltigkeitsbildung entwickeln und bis 2017 einen Nationalen Aktionsplan erarbeiten. Den Vorsitz hat Staatsekretärin Cornelia Quennet-Thielen inne. Mit ihr sprachen wir über die anstehende Arbeit.

Porträt Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Bild vergrößern Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung Foto: Bundesregierung/Kugler

Das Weltaktionsprogramm der UNESCO folgt der Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen von 2005 bis 2014. Welche Ziele wurden bisher noch nicht erreicht und worauf wird das Bildungsministerium künftig sein Augenmerk richten?

Die Menschheit steht vor entscheidenden Weichenstellungen, um die globalen Herausforderungen wie Klimawandel, Wasserknappheit, Verlust der Biodiversität oder Rohstoffknappheit zu bewältigen. Es geht um ökologische und ökonomische Herausforderungen ebenso wie um soziale Aspekte und die Frage nach Lebensqualität. Um hier Fortschritte zu erzielen, ist ein grundlegender Einstellungs- und Wertewandel, der zu verändertem Handeln führt, notwendig. Wir wollen die Generation sein, die den Wandel zur nachhaltigen Gesellschaft schafft. Dies machen auch die 17 universellen Ziele nachhaltiger Entwicklung der Vereinten Nationen deutlich, die am vergangenen Wochenende in New York beim größten Zusammentreffen von Staats- und Regierungschefs beschlossen wurden. Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung zu gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle zu fördern, ist dabei zentral.

In Deutschland blicken wir zurück auf eine erfolgreiche UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung. Es ist ein großes BNE-Netzwerk entstanden, das von vielen Menschen getragen wird, die BNE vor Ort mit großem Engagement umsetzen. Diese Vielfalt spiegelt sich in 1900 Projekten, 49 Maßnahmen und 21 Kommunen, die wir in der UN-Dekade ausgezeichnet haben. Auf diesen Erfahrungen und Ergebnissen wollen wir aufbauen und BNE in allen Bildungs-bereichen systematisch verankern. Im Weltaktionsprogramm (WAP) kommt es uns darauf an, vom „Projekt zur Struktur“ zu kommen. Dabei gilt es, für alle Bildungsbereiche Leuchttürme sichtbar zu machen, damit gute Ansätze von vielen umgesetzt werden.

Die Jugend ist ein zentraler Akteur im Weltaktionsprogramm. Jugendliche sind wichtige Träger des Wandels. Sie sind höchst motiviert, Nachhaltigkeit zu leben und fordern diese in ihren Ausbildungsstätten und Hochschulen ein. Dies möchten wir bestärken.

Zudem wollen wir lokale Bildungslandschaften ausbauen, die formelle wie informelle Bildung vernetzen. Hier kommt den Kommunen eine besondere Bedeutung zu, die ebenfalls herausgehobene Akteure des Weltaktionsprogramms sind. Die 21 ausgezeichneten Dekade-Kommunen, die BNE als zentralen Aspekt in ihre Leitbilder integriert haben, sind großartige Vorbilder für andere Städte und Gemeinden. Wir unterstützen Kommunen verstärkt dabei, sich miteinander zu vernetzen. Der zweitätige Agendakongress, den das BMBF jährlich ausrichten wird, ist hier eine von vielen Möglichkeiten, die es im Weltaktionsprogramm geben wird.

Und wir werden auch weiterhin vorbildliche Projekte und Kommunen auszeichnen, um das große Engagement der vielen Menschen vor Ort sichtbar zu machen. Dabei arbeiten wir wieder eng mit der Deutschen UNESCO-Kommission zusammen.

Warum ist die Einrichtung der Nationalen Plattform wichtig?

Die Nationale Plattform spiegelt diesen breiten Bildungsansatz wieder und versammelt unter meinem Vorsitz 37 hochrangige Partner aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesell-schaft. Die Plattform wird den Nationalen Aktionsplan erarbeiten, den Deutschland zum Ende des UNESCO-Weltaktionsprogramms 2019 vorlegen wird. Dieser Nationale Aktionsplan fasst alle Aktivitäten der Integration von Bildung für Nachhaltige Entwicklung in Deutschland zusammen.

Sie baut dabei auf auf Vorschlägen und Impulsen aus den sechs thematischen Fachforen (Frühkindliche Bildung, Schule, Berufliche Bildung, Hochschule, informelles und non-formales Lernen/Jugend sowie Kommunen) und den Partnernetzwerken, die eigene Aktivitäten, Ideen und Expertise in die Plattform einbringen.

Damit ist Deutschland gut aufgestellt, um Bildung für Nachhaltige Entwicklung breit in der Gesellschaft zu verankern.

Kann Deutschland in puncto Nachhaltigkeitsbildung vielleicht auch von anderen Ländern lernen?

Schon während der UN-Dekade konnten wir vom internationalen Erfahrungsaustausch profitieren und von anderen Ländern lernen. Im Jahr 2009 richtete das Bundesministerium für Bildung und Forschung gemeinsam mit der UNESCO in Deutschland die erste Weltkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung aus. Die Konferenz war ein wichtiger Schritt hin zur globalen Anerkennung von BNE als einem Konzept zur Förderung von Bildungsqualität. Dass eine qualitativ hochwertige Bildung der Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung ist, wird in vielen Ländern der Welt gesehen und es werden entsprechende Maßnahmen eingeführt, um BNE stärker in alle Bildungsbereiche zu integrieren. So sind zum Beispiel Länder wie Kenia, Japan und China dabei, BNE in ihre Curricula und Lehrpläne aufzunehmen. Auf Zypern und in Kanada gibt es Aktionspläne, um BNE ganzheitlich an möglichst allen Schulen zu integrieren. Man will die Lernumgebung und den Lernalltag in den Bildungseinrichtungen selbst an den Prinzipien einer nachhaltigen Entwicklung ausrichten. Diese Entwicklungen werden wir genau verfolgen und uns zu den Erfahrungen und Ergebnissen austauschen. Dazu haben wir ganz konkret die Möglichkeit im Rahmen der internationalen Umsetzung des Weltaktionsprogramms durch die UNESCO. Das Bundesbildungsministerium ist einer der Schlüsselakteure, die in einem neuen internationalen Netzwerk der UNESCO Best-Practice–Beispiele austauschen.

Eine erste Überprüfung der Arbeit der Plattform erfolgt Ende 2017. Was möchten Sie bis dahin erreicht haben?

Zunächst hoffe ich, dass wir in den kommenden zwei Jahren die verschiedenen Nachhaltigkeits-diskurse, die zum Teil parallel laufen, besser miteinander verzahnen. Im Bundesministerium für Bildung und Forschung machen wir dies zum Beispiel, indem wir BNE und das große Rahmen-programm „Forschung für Nachhaltige Entwicklung“ erstmals systematisch zusammendenken und Synergien schaffen. Ich sehe die nationale Umsetzung des Weltaktionsprogramms auch als wichtigen Beitrag zur Erreichung der neuen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Bildung steht dort mit Armutsbekämpfung, Ernährung und Gesundheit ganz vorn.

Die Nationale Plattform soll auf ihrer Frühjahrssitzung 2017 einen Nationalen Aktionsplan mit konkreten Maßnahmen für alle Bildungsbereiche und Handlungsfelder verabschieden. Er wird gemeinsam mit den Fachforen erarbeitet und auf dem Agendakongress mit allen BNE-Akteurinnen und -Akteuren diskutiert. Die Bundesregierung wird zudem dem Deutschen Bundestag zur Halbzeit des Weltaktionsprogramms einen Bericht zur BNE vorlegen. Bis dahin wollen wir schon ein gutes Stück vorangekommen sein: Nachhaltiges Handeln soll selbstverständlich werden.

Dienstag, 29. September 2015