Schwerpunkt

Der "Zweite Gesundheitsmarkt" wächst

Immer mehr Menschen in Deutschland wollen gesünder Leben. Gesundheitstourismus, Wellness, gesundheitsbezogene Sport- und Freizeitangebote, aber auch Schönheitsoperationen, Massagen und Appetitzügler werden immer mehr zu zentralen Lebensinhalte. Sie beeinflussen Kaufentscheidungen.

Ging es früher beim Gesundheitswesen vorrangig darum, Leben zu retten, spielen heute viele andere Aspekte eine wichtige Rolle. Durch den demographischen Wandel und den technischen Fortschritt steigt das Interesse an Gesundheit. Schon jetzt trägt die Erhaltung der Gesundheit einen großen Teil zum Lebensstil bei. Die Zukunft gehört deshalb dem "Zweiten Gesundheitsmarkt": Das sind alle privat finanzierten Produkte und Gesundheitsdienstleistungen.

Nach einer Studie der Roland Berger Strategy Consultants hat der "Zweite Gesundheitsmarkt" in Deutschland 2007 ein Volumen von rund 60 Milliarden Euro. Und die Kaufbegeisterung wächst quer durch alle Schichten. Der "Zweite Gesundheitsmarkt" ist für alle Arten von Unternehmen attraktiv. Er trägt entscheidend zur Wertschöpfung der Gesundheitswirtschaft bei.

Im Jahre 2003 lag das Volumen des "Zweiten Gesundheitsmarktes" noch bei 49 Milliarden Euro. Davon wurden 29 Milliarden Euro in der offiziellen Statistik für Gesundheitsausgaben erfasst. Rund 20 Milliarden Euro entfielen auf andere Konsumbereiche mit Gesundheitsbezug: Insbesondere auf Fitness, Wellness, Gesundheitstourismus, Bio-Lebensmittel oder Functional Food (mit Inhaltsstoffen wie Vitamine angereicherte Nahrungsmittel).

Nachfrage höher als Angebot

Nach der Studie der Roland Berger Strategy Consultants gibt es heute schon eine zusätzliche Nachfrage von 16 Milliarden Euro – allein das Angebot fehlt noch.

"Fast alle Bevölkerungsgruppen, unabhängig vom Einkommen, möchten zunehmend etwas für ihre Gesundheit tun und nutzen gesundheitsfördernde Produkte und Dienstleistungen", erklärt Joachim Kartte von Roland Berger Strategy Consultants.

Geschäftsmöglichkeiten für mittelständischen Unternehmen

Der "Zweite Gesundheitsmarkt" bietet insbesondere mittelständischen Unternehmen Geschäftsmöglichkeiten. Durch den Markt werden in Zukunft viele Arbeitsplätze entstehen. Insgesamt soll es in der Gesundheitswirtschaft bis 2020 rund eine Millionen neue Arbeitsplätze geben.

Die Produktpalette wird immer größer und spezifischer. Innovationen treiben den Markt voran. Die Entwicklung gesunder Sitzmöbel oder atmungsaktiver Kleidung mit UV-Schutz sind nur zwei Beispiele. Durch den demographische Wandel steigt die Bedeutung der Märkte für Senioren. Es wird immer wichtiger für Menschen, auch im hohen Alter noch gesund, fit und mobil zu sein. Altersgerechte Wohnungsausbauten und Pflegedienstleistung sind besonders gefragt.

Allein für den Gesundheitstourismus wird bis 2010 ein Wachstum von acht Prozent pro Jahr prognostiziert.

Wahlleistungen der Gesetzlichen Krankenkassen

Die Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) haben erkannt, dass ihr Leistungsangebot nicht mehr den Bedürfnissen ihrer Versicherten entspricht. Sie bieten jetzt Wahltarife für die private Inanspruchnahme des Arztes und für Arzneimittel der besonderen Therapierichtungen (Homöopathie, Pflanzenheilkunde und Anthroposophie) an. Alternative Heilmethoden wie die Akupunktur und die Homöopathie liegen bei den Patienten im Trend.

Individuelle Gesundheitsleistungen der Ärzte

Gesundheitsdienstleistungen des "Zweiten Gesundheitsmarkts" sind auch die medizinisch nicht notwendigen ärztlichen Leistungen, die Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL). Im Jahr 2007 hat die "Ärztezeitung" die häufigsten IGeL der Hausärzte ermittelt: Aufbau- und Vitaminkuren, Akupunkturbehandlungen sowie Beratungen und ärztliche Leistungen in der Reisemedizin.