Gesundheit

Diätprodukte für Diabetiker verschwinden vom Markt

Über sechs Millionen Menschen leiden in Deutschland an Diabetes, im Volksmund auch Zuckerkrankheit genannt. Und jeden Tag erkranken fast tausend Menschen neu an dem Stoffwechselleiden. Kein Wunder also, dass in Supermärkten, Drogerien und Reformhäusern viele Lebensmittel angeboten werden, die allen Diabetesgeplagten Genuss versprechen.

Doch diese speziellen Marmeladen, Kekse oder Aufstriche für Diabetiker entsprechen in ihrer Zusammensetzung nicht mehr den aktuellen Ernährungsempfehlungen. Nicht selten enthalten Diabetikerprodukte mehr Fett und Kalorien als die normale Variante. Die Folge ist, dass die Patientinnen und Patienten zu viele Kalorien zu sich nehmen. Die daraus folgende Gewichtszunahme verschlechtert aber ihre Stoffwechseleinstellung. Außerdem verleitet die Aufschrift "Diät" zu der falschen Annahme, man könne mehr davon essen als von anderen Nahrungsmitteln.

Die Süße ist ein weiteres Problem. Viele Diabetikerprodukte sind mit dem Fruchtzucker "Fructose" gesüßt. Essen Diabetiker jedoch zu viel davon, kann das zu einer Verschlechterung ihres Stoffwechsels führen.

Besondere Lebensmittel für Diabetiker wie zum Beispiel bestimmte Kuchen, Fruchtsäfte und Biere sind daher überflüssig. Sie sind zu fett, zu kalorienreich, zu teuer – so die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Welche Ernährung ist richtig?

Personen mit "Diabetes mellitus" brauchen keine speziellen diätetischen Lebensmittel. Die Experten der wissenschaftlichen Fachgesellschaften empfehlen, sich wie die Allgemeinbevölkerung zu ernähren. Das bedeutet: wenig Alkohol zu trinken, nicht zu viel Zucker zu sich zu nehmen und nicht zu fett zu essen. Schokolade, Chips, Wurst und Käse sind nur in Maßen empfehlenswert. Dafür sollten aber täglich Obst, Salat, Gemüse und fettarme Milchprodukte auf den Tisch kommen. Beim Kochen kann Butter durch Öl ersetzt werden. Viele Ballaststoffe wie Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte gehören mit auf den Speiseplan.

Der Austausch von Zucker gegen andere Süßungsmittel bringt für Diabetiker keine Vorteile. Die früher übliche Deklaration von Broteinheiten (BE), also der Kohlenhydratmenge von Lebensmitteln, wird nicht mehr als sinnvoll oder hilfreich angesehen. Denn Menschen mit Diabetes haben nicht nur einen gestörten Zuckerhaushalt. Auch der Fett- und Eiweißstoffwechsel ist beeinträchtigt.

Änderung der Diätverordnung

Die deutsche Diätverordnung wird derzeit dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand angepasst. Das bedeutet konkret: die in Paragraph 12 der Verordnung genannten Anforderungen an diätetische Lebensmittel für Diabetiker werden ersatzlos gestrichen. Lebensmittel dürfen nach Inkrafttreten der Novelle nicht mehr als für Diabetiker geeignet gekennzeichnet und in den Verkehr gebracht werden.

Das Bundesverbraucherministerium hat im August 2009 einen neuen Entwurf der Verordnung vorgelegt und eine Anhörung mit den betroffenen Kreisen durchgeführt. Die Änderung der Rechtsvorschriften wird voraussichtlich im Sommer 2010 in Kraft treten. Dabei wird es wahrscheinlich Übergangsfristen geben, um den Lebensmittelfirmen die notwendigen Umstellungen ihres Angebots zu ermöglichen.

Welchen Stellenwert die Zuckerkrankheit in unserer Gesellschaft einnimmt, zeigt auch eine weitere Maßnahme. So investierte das Bundesforschungsministerium allein 2009 rund fünf Millionen Euro in den Aufbau des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD). Darin werden das Helmholtz-Zentrum in München, das Deutsche Diabeteszentrum in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung in Potsdam, die Universität Tübingen sowie das Universitätsklinikum Dresden, die Forschung zu dieser Volkskrankheit in Deutschland bündeln und erweitern.