Energie + Wohnen

Energie"tatort" Büro – Wo kann ich am Schreibtisch Energie sparen?

Interview mit Christoph Mordziol, Energieexperte des Umweltbundesamts (UBA)

 

Herr Mordziol, die öffentliche Debatte in puncto Energiesparen kreist derzeit vor allem um die Bereiche Industrie, Gebäudesanierung und Verkehr. Nun sitzen viele von uns den ganzen Tag im Büro. Wie groß ist das Potenzial des Energiesparens dort?

Energie lässt sich fast überall sparen. Die Höhe des Einsparpotenziales lässt sich freilich nicht pauschal für alle Büros benennen. Es gibt findige Energieberater, die sagen: 10 Prozent sind immer möglich, 20  Prozent oft, 30 Prozent manchmal. Wie breit die Spanne des Energieverbrauches sein kann, zeigt zum Beispiel eine Untersuchung der Stadt Frankfurt am Main: Der gesamte Energieverbrauch für Heizung, Klimatisierung, Beleuchtung, EDV und so fort lag bei 12 untersuchten Bürobauten zwischen knapp 200 und 1.000 Kilowattstunden je Quadratmeter je Jahr. Es gibt sicherlich Bauten, die noch mehr verbrauchen, aber auch solche, die unter dem untersten Wert liegen, zum Beispiel der Hauptsitz des UBA in Dessau mit rund 110 Kilowattstunden je Quadratmeter je Jahr.

Wo sehen Sie für ein kleines oder mittelständisches Dienstleistungsunternehmen die besten Ansatzpunkte?

Anders als bei Wohngebäuden ist in Bürogebäuden die Klimatisierung der größte Energieverbraucher. Das schließt aber nicht aus, dass man ebenso Heizenergie sparen kann – und soll. Wärme aus Büroräumen durch eine Klima- oder Lüftungsanlage abzuführen, ist energie- und kostenaufwendig. Besser ist es, dafür zu sorgen, dass in den Räumen möglichst wenig Wärme anfällt. So gibt es einige einfache Möglichkeiten, die Wärmelast zu reduzieren, zum Beispiel eine außenliegende Verschattung der Fenster. Da der größte Teil des für Beleuchtung eingesetzten Stromes in Wärme umgewandelt wird, hilft auch eine sparsamere Beleuchtung.

Unter Umständen kann sich langfristig eine Umstellung der EDV von Arbeitsplatzrechnern auf ein System mit Zentralrechner und so genannten Terminal-Arbeitsplätzen lohnen. Der größte Teil der Rechenleistung erfolgt dann nicht mehr im Büro, sodass dort entsprechend weniger Wärme frei wird. Zusätzlich kann eine Nachtauskühlung den Energiebedarf für die Klimatisierung verringern: Nachts werden die Büros von kühler Außenluft durchströmt und heizen sich am nächsten Tag weniger schnell auf.

Wie kriege ich raus, wo in meinem Büro die größten Energieschleudern stecken?

Ich kann einen Energieberater beauftragen, der mit seinem geübten Blick die Schwachstellen schnell erkennen sollte. Eine Reihe von Stellen gibt Hilfe bei der Suche nach einem Berater. Zum Teil wird diese Beratung auch gefördert, beispielsweise durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (bafa).

Gehe ich selber ans Werk, darf ich mich nicht auf die Verbraucher beschränken, die ich jeden Tag vor Augen habe. Die „im Hintergrund“ arbeitende Infrastruktur kann einen erheblichen Anteil am Verbrauch ausmachen: Netzknotenrechner, Fernsprechanlage und so fort. Und wenn ich messe, muss ich vor allem auf zwei Dinge achten: Das Gerät, das ich verwende, muss ausreichend genaue Messwerte liefern. Und wenn ich die Leistungsaufnahme, den so genannten Wattwert, messe, habe ich nur einen Augenblickswert. Wichtig ist, wie lange das Gerät in diesem Zustand ist. Erst Watt mal Stunde(n) ergibt (Kilo-)Wattstunden.

Beispiel Kopierer: Diese Geräte nehmen beim Kopieren mehrere hundert Watt an Leistung auf, in Kopierbereitschaft verhältnismäßig wenig und wenn sie vermeintlich ausgeschaltet sind, also im Schein-Aus, fast nichts. In der Summe hat aber der Stromverbrauch für Bereitschaft und Schein-Aus – also für den Leerlauf – meist den allergrößten Anteil am gesamten Stromverbrauch dieser Geräte.

Sie haben es selber bereits angedeutet: Die Hitzeentwicklung in Serverräumen ist für viele Unternehmen zu einem Problem geworden. Die Industrie versucht offenkundig mithilfe virtueller Server, die Arbeit mehrerer halb ausgelasteter Rechner auf einen Rechner mit mehreren Prozessoren zu verlagern. Ein anderer Ansatz scheint "Dynamic Smart Cooling" zu sein. Dabei wird die Temperatur an jedem einzelnen Server im Serverraum gemessen und nur dort kühle Luft aus der Klimaanlage hingeleitet, wo ein Rechner heißläuft. Was empfiehlt das UBA?

Derzeit gibt es hierzu in der Öffentlichkeit eine intensive Diskussion. Der Markt für Stromminderungstechniken ist in Bewegung; die Entwicklung ist noch lange nicht am Ende. Es wäre deshalb falsch, hier eine bestimmte Technik pauschal als die beste zu empfehlen.

Viele Büros stehen nachts und vor allem am Wochenende leer. Hat es Sinn, am Freitag besondere Maßnahmen zu treffen, um Energie zu sparen?

Ja, zum Beispiel bei der Heizung die Temperatur über das Wochenende um einige Grad senken, Lüftungs- und Klimaanlagen ausschalten oder zumindest ihre Leistung zu verringern.

Fördert der Staat die energetische Gebäudesanierung auch von Bürogebäuden oder von Investitionen in energiesparende Kommunikations- und Büroinfrastruktur?

Es gibt das ERP-Umweltprogramm der KfW-Bankengruppe. Für die Sanierung von Bürobauten können zinsverbilligte Kredite vergeben werden.

„Energy Star“, „Europäisches Umweltzeichen“, „GEEA“, „Blauer Engel“, „TCO“, „ECO-Kreis“ – auf Bürogeräten kleben ganz unterschiedliche Label. Woran sollte man sich beim Einkauf orientieren, wenn man Energie sparen will?

Bei Rechnern sind die „Energy-Star“-Anforderungen derzeit etwas schärfer als beim „Blauen Engel“. Dieser wird aber wahrscheinlich im Laufe dieses Jahres „nachziehen“. Bei Bürogeräten mit Druckfunktion, also Druckern, Kopierern und Mehrzweckgeräten hingegen stellt der „Energy Star“ nur Anforderungen für Laborbedingungen. Zudem scheint der Anteil der Geräte, die seine Anforderungen erfüllen, inzwischen recht hoch zu sein.

Der „Blaue Engel“ hingegen berücksichtigt auch Einflüsse, die in der Praxis des Büroalltages eine Rolle spielen. So sorgt er zum Beispiel dafür, dass der Nutzer bei Kopierern das Stromsparen in „Schlummerzuständen“ nicht mit einer übermäßigen Aufwach- und damit Wartezeit bezahlt.

Der Stromverbrauch des einzelnen Gerätes ist aber nur eine Seite der Medaille. Wichtig ist auch, die Gesamtzahl an Geräten – die erst den Gesamtverbrauch ergeben – kritisch zu prüfen. Das führt zum Beispiel zu der Frage: Muss in jedem Büro ein Drucker stehen, oder genügt ein zentraler Etagendrucker?

Das Umweltbundesamt ist, wie Sie eben bereits andeuteten, ein energetisch vorbildliches Gebäude. Achten Sie und die anderen Mitarbeiter auch im Büroalltag auf Energiesparen?

Im Prinzip ja. Gleichwohl bilden die Beschäftigten des Umweltbundesamtes einen Durchschnitt der Bevölkerung ab. Wir unterziehen uns aber der Überprüfung nach EMAS, dem so genannten EU-Öko-Audit und haben ein Umweltmanagementsystem aufgebaut. Wir richten uns auch mit Verhaltenshinweisen an die einzelnen Beschäftigten, um Bewusstsein für den sorgsamen Umgang mit Energie zu schärfen. Das Ergebnis zum Beispiel für den Stromverbrauch zeigt, dass wir die geplanten niedrigen Werte erreicht haben.