Indien - Land der Gegensätze

Umweltfreundliche Energie für Indien

Die Armen in den Slums von Mumbai und Kalkutta ahnen kaum, dass am umweltfreundlichen Ausbau des indischen Energiesektors auch ihr Schicksal hängt. Schon heute wird das Wirtschaftswachstum durch Energiemangel gebremst. Zum einen wird zu wenig Strom produziert, zum anderen geht zu viel Strom durch ein ineffizientes und teilweise marodes Leitungsnetz verloren: Die Verluste summieren sich auf bis zu 35 Prozent der erzeugten Strommenge. Das Energiedefizit beträgt derzeit elf Prozent, eine Lücke, die sich allein durch eine Sanierung des Stromnetzes schließen ließe.

Die installierte Kraftwerksleistung von 147 Gigawatt (GW) liegt nur leicht über der von Deutschland. Der Pro-Kopf-Verbrauch ist mit jährlich 700 Kilowattstunden (kWh) nur halb so hoch wie in China. Der Strommangel hat zur Folge, dass die Industrie längst nicht so wachsen und damit Arbeitsplätze und Einkommen schaffen kann, wie eigentlich möglich. Bis 2012 will Indien deshalb seine installierte Stromleistung von 132 auf rund 210 GW erweitern.

Derzeit nutzt Indien vor allem Kohle als Energieträger. sie macht 52 Prozent der Kapazität aus, was unter anderem die hohe Belastung der Luft vor allem in den Städten erklärt. Umweltfreundliche Wasserkraft kommt auf 25 Prozent, gefolgt von Gas (zehn Prozent). Deutschland unterstützt Indien auf verschiedenen Gebieten dabei, den Ausbau der Kapazitäten umweltfreundlicher zu gestalten und die Effizienz der Erzeugung und des Netzes zu steigern.

Sparsamere Kraftwerke

Der Wirkungsgrad der indischen Kohlekraftwerke erreicht nur einen Wert von 31 Prozent. Mit der Folge, dass Indien nicht nur erhebliche Rohstoffmengen einsetzen muss, sondern dass auch der Staub- und Schadstoffausstoß erheblich ist. Deshalb finanziert die KfW Entwicklungsbank im Auftrag des BMZ unter anderem Neubau und Modernisierung von Kraftwerken. Dabei kann der Kohlendioxyd-Ausstoß eines Kraftwerkes zum Beispiel von durchschnittlich 1.100 Gramm pro Kilowattstunde auf 840 Gramm gesenkt werden.

Über die Finanzinstitution IREDA finanziert die KfW Entwicklungsbank im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) Endkredite, um den Ausbau erneuerbarer Energien zu fördern. Dazu gehören unter anderem Windkraftanlagen, kleine Wasserkraftwerke, Kraftwärmekopplung und Biomasseprojekte.

Guter Standort für Wasserkraft

Ein besonderes Augenmerk legt die deutsch-indische Zusammenarbeit auf Neubau und Modernisierung von Wasserkraftwerken. Indien verfügt über große Wasserläufe, die sich zur Produktion von Strom aus Wasserkraft gut eignen. Das Potenzial der Wasserkraft wird auf 150.000 Megawatt geschätzt, installiert ist derzeit eine Leistung von 35.000 Megawatt. Deutschland will für den Ausbau der Wasserkraft auch in den nächsten Jahren erhebliche Mittel und Know-how bereitstellen.

Durch seine Lage eignet sich Indien auch als Standort für die Stromerzeugung aus Sonnenergie. Derzeit finanziert die KfW eine Studie zum Bau eines Solarfeldes an einem bestehenden Kraftwerk in Anta in Rajasthan.

Zudem unterstützt die KfW Entwicklungsbank Indien dabei, Stromverluste durch höhere Spannungsebenen besonders der ländlichen Stromnetze von derzeit 20 auf zehn Prozent zu halbieren.

Mangel an Know-how

Bei der Bewältigung seiner Probleme mangelt es Indien oft weniger an finanziellen Mitteln als am nötigen Know-how. Teilweise investiert das Land viel Geld in Programme, um Umweltschäden und Armut zu bekämpfen. Allerdings sind die Projekte oft nicht nachhaltig angelegt. Deshalb kann die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hier Hilfe leisten, gerade mit ihrer Erfahrung im Umwelt- und Ressourcenschutz.

In der Tripura finanziert die KfW Entwicklungsbank im Auftrag des BMZ ein Projekt in 104 Dörfern mit insgesamt rund 250.000 Einwohnern. Diese leben derzeit von der Wanderlandwirtschaft inmitten eines Staatsforstes. Aufgrund der schlechteren Bodenqualität muss der Ackerbau, der die Ernährung nur noch für neun Monate im Jahr sichert, umgestellt werden. Der Wald ist aufgrund der Übernutzung schon stark geschädigt und der Bevölkerungsdruck nimmt zu.

Innerhalb des Projekts sollen Landwirte Gemeinschaften bilden und Landnutzungsrechte erhalten. Es ist geplant, die Wälder wieder aufzuforsten und die Produkte aus der Holz- und Landwirtschaft besser zu vermarkten. Dadurch bietet ein intakter, von den Bauern gepflegter Wald die Möglichkeit, Waldfrüchte, Heilpflanzen, Gewürze, Bambus, Rattan und Kautschuk zu verkaufen. Und bei der Durchforstung fällt wertvolles Teakholz an. Am Ende sollen die Einkommen durch kluges Nutzen des Waldes höher liegen als durch bloßes Abholzen. 

Kaum Kredite für Arme

Es fehlt der armen Bevölkerung auf dem Land sowie kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) besonders an Kapital. Bauern haben kaum die Chance, mit Kleinkrediten in Maschinen oder Saatgut zu investieren. Sie können auch nicht für schlechte Zeiten sparen. Obwohl etwa 75 Prozent der Inder auf dem Land leben, liegt ihr aggregierter Anteil am Kreditportfolio der indischen Banken bei nur 26 Prozent. Das Problem hat auch Indien erkannt und führt derzeit eine grundlegende Reform des ländlichen Finanzwesens durch, die von der KfW Entwicklungsbank unterstützt wird.

Die Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen, den sogenannten KMU, bildet einen weiteren Schwerpunkt der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Immer noch konzentrieren sich die Banken vor allem auf solvente Großunternehmen. Der Anteil der Kredite an KMU ist von 2003 bis 2006 sogar noch zurück gegangen, von 10 auf nur noch 4,2 Prozent. Und das, obwohl die KMU ein großes wirtschaftliches Potenzial haben und eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung der Armut spielen. Nur sie können genügend Arbeitsplätze schaffen, um auch den 350 Millionen Indern Arbeit zu geben, die derzeit von weniger als einem Dollar am Tag leben.

Deshalb hat die KfW Entwicklungsbank Refinanzierungsmittel zugesagt, vergeben über eine indische Bank, die sich auf kleinere und mittlere Unternehmen spezialisiert hat. Im Mittelpunkt stehen Investitionen in das Anlagevermögen der Unternehmen, den Umweltschutz und die Energieeffizienz.