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Porträt Abdullah Altun aus Duisburg

Jeder Mensch braucht eine Chance

Abdullah Altun ist ein Macher. Wenn etwas nicht funktioniert, dann sucht er nach einer Lösung.

Foto Abdullah AltunBild vergrößern Abdullah Altun - Preisträger der Integrationsmedaille Foto: privat

Auch bei seinen Mitarbeitern. "Wenn einer meiner Azubis nicht in die Berufsschule geht, dann hat das einen Grund. Ich gehe dann zu ihm und frage ´was ist los, warum gehst du nicht zur Schule?"  Meist haben sie ein Problem mit einem Lehrer, sie fühlen sich benachteiligt oder ungerecht behandelt. Abdullah Altun gibt diese jungen Menschen aber nicht auf. Er will, dass sie weiter machen, nicht aufgeben: "Ich fahre dann zu den Auszubildenden nach Hause und rede mit ihnen. Und manchmal sind die Lehrer vielleicht auch ungerecht oder behandeln einen Jugendlichen nicht so gut. Aber ich sage ihnen dann, dass es nicht hilft, die Schule zu schwänzen. Dass man Verantwortung übernehmen muss und nicht bei jedem Problem aufgeben darf."

In der Firma von Abdullah Altun, Altun Gleis- und Tiefbau GmbH, haben viele Mitarbeiter einen Migrationshintergrund. Viele von ihnen hatten anfangs Probleme in der Schule, mit der Familie, manche mit Drogen oder Langzeitarbeitslosigkeit. Abdullah Altun gibt jedem eine Chance. Manchmal stellen sich ihm junge Menschen vor, die einen sehr schlechten oder gar keinen Schulabschluss haben. Der 48-jährige Abdullah Altun bestellt sich dann die Eltern der Jugendlichen ein. Er sagt ihnen, dass er ihren Sohn oder ihre Tochter eigentlich nicht einstellen könne, dass der Schulabschluss viel zu schlecht sei oder fehle. "Dann sage ich, `ok, ich kann ihrem Kind eine Chance geben - aber nur wenn sie mithelfen`. Sie sollen mich anrufen, wenn das Kind die Schule schwänzt. Nur zusammen mit den Eltern kann ich den jungen Menschen helfen, ihnen eine Perspektive geben."

„Mama, lass uns bitte zurück in die Türkei gehen!“

Damals vor 36 Jahren, Abdullah Altun war gerade mit seiner Familie nach Duisburg gezogen, wollte er schon nach kurzer Zeit aufgeben: „Ich war zwölf und hatte keine Freunde und habe weder die Menschen noch die Sprache verstehen können. Ich wollte zurück.“ Doch seine Familie blieb. Abdullah Altun machte seinen Hauptschulabschluss und begann danach eine Ausbildung als Gleisbauer bei der Deutschen Bahn. Er schloss die Ausbildung in Theorie und Praxis mit Bestnote ab. Vielleicht hatte Abdullah Altun schon zu dieser Zeit realisiert, dass manche Dinge sich erst auf den zweiten Blick als einen Glücksgriff herausstellen, dass man auch den anfangs nicht so schönen Dingen eine Chance geben sollte. Denn Abdullah Altun musste in seinem Leben oft gegen Schwierigkeiten ankämpfen. So zum Beispiel, als seine Söhne keinen Kindergartenplatz bekamen oder nur eine Hauptschulempfehlung. Oder als er sich von Herzen gewünscht hatte Beamter zu werden, ihm aber die deutsche Staatsbürgerschaft fehlte.

Nicht aufgeben und die Dinge selbst in die Hand nehmen

Abdullah Altuns Söhne gingen später in einen integrierten und weiter entfernten Kindergarten, der eine macht gerade sein Abitur, der andere hat es schon und studiert. Seine ganze Familie besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit und statt Beamter zu werden, bildete sich Abdullah Altun immer weiter und gründete letztlich seine eigene Firma. Sein ehemaliger Ausbildungsbetrieb, die Bahn, wurde zu einem zufriedenen Kunden vom ihm.

„Den ersten Ausbildungsplatz habe ich 2002 bereitgestellt, weil ein Neffe von mir keine Ausbildung finden konnte. Das war unser erster Auszubildender.“ Mittlerweile haben Abdullah Altun und seine Firma 90 jungen Menschen eine Ausbildung ermöglicht. Viele seiner Azubis sind trotz der oft schwierigen Startbedingungen nach der Ausbildung von anderen Betrieben abgeworben worden. „Anscheinend mache ich Vieles richtig“, sagt Abdullah Altun und freut sich, dass sich die jungen Menschen so gut weiterentwickelt haben. Doch auch die Auszubildenden, die die es nicht geschafft haben in der Theorie, die durchgefallen sind, dürfen weiter bei ihm arbeiten. „Für mich zählt nur der Charakter meiner Mitarbeiter. Wenn sie gut arbeiten, anständige Menschen und fleißig sind, wieso sollte ich sie dann nicht weiter beschäftigen? Alle Mitarbeiter meiner Firma sind hier bei uns ausgebildet worden.“ Seine zufriedenen Kunden sind Bestätigung genug, dass auch Menschen ohne Abschluss oder gute Noten gute Arbeit leisten können.“

Abdullah Altun sieht sein Engagement für andere Menschen als seine Pflicht an. „Ich habe viel von diesem Land bekommen: Schule, Ausbildung, gesundheitliche Versorgung, Sicherheit und eine Heimat. Deswegen möchte ich auch etwas für dieses Land tun.“ Abdullah Altun hat noch weitere Ziele: Er will eine Grundschule gründen und versucht seine Ideale in einem Unternehmerverein anderen Betrieben nahezulegen. „Es sollten viel mehr Betriebe Ausbildungen für Jugendliche anbieten. Denn alles was ein junger Mensch braucht ist eine Chance!“